Creative Commons, Kitzur Schulchan Aruch

Kitzur Schulchan Aruch – Kapitel 1 bis 5

Siman 1: Über das Aufstehen am Morgen

§1

„שִׁוִּיתִי יְיָ לְנֶגְדִּי תָמִיד“ 1
הוּא כְּלָל גָּדוֹל בַּתּוֹרָה וּבְמַעֲלוֹת הַצַּדִּיקִים הַהוֹלְכִים לִפְנֵי הָאֱלֹהִים. כִּי אֵין יְשִׁיבַת הָאָדָם וּתְנוּעָתוֹ וַעֲסָקָיו וְהוּא לְבַדּוֹ בְּבֵיתוֹ, כְּמוֹ יְשִׁיבָתוֹ וּתְנוּעָתוֹ וַעֲסָקָיו כַּאֲשֶׁר הוּא לִפְנֵי מֶלֶךְ גָּדוֹל, וְכֵן אֵין דִּבּוּרוֹ וְהַרְחָבַת פִּיו בִּהְיוֹתוֹ עִם אַנְשֵׁי בֵיתוֹ וּקְרוֹבָיו, כְּמוֹ בִּהְיוֹתוֹ בְּמוֹשַׁב הַמֶּלֶךְ, כִּי אָז מַשְׁגִּיחַ בְּוַדַּאי עַל כָּל תְּנוּעוֹתָיו וְדִבּוּרָיו, שֶׁיִּהְיוּ מְתֻקָּנִים כָּרָאוּי. כָּל שֶׁכֵּן כַּאֲשֶׁר יָשִׂים הָאָדָם אֶל לִבּוֹ, כִּי הַמֶּלֶךְ הַגָּדוֹל הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא, אֲשֶׁר מְלֹא כָל הָאָרֶץ כְּבוֹדוֹ, עוֹמֵד עָלָיו וְרוֹאֶה בְּמַעֲשָׂיו, כְּמוֹ שֶׁנֶּאֱמַר: „אִם יִסָּתֵר אִישׁ בַּמִּסְתָּרִים וַאֲנִי לֹא אֶרְאֶנּוּ נְאֻם יְיָ; הֲלֹא אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֶת הָאָרֶץ אֲנִי מָלֵא“ 2, בְּוַדַּאי מִיָּד תַּגִּיעַ אֵלָיו הַיִּרְאָה וְהַהַכְנָעָה מִפַּחַד הַשֵּׁם יִתְבָּרַךְ וְיֵבוֹשׁ מִמֶּנּוּ.

„Ich habe HaSchem stets vor Augen“ 3
das ist eine fundamentale Regel in der Torah und in den Eigenschaften der Frommen, die vor G-tt wandeln. Denn es ist nicht das Sitzen des Menschen seine Bewegung und sein Benehmen, wenn er allein zu Hause ist, gleich seinem Sitzen, seiner Bewegung und seinem Benehmen, wenn er sich vor einem großen König befindet. Ebenso sind seine Rede und das Öffnen seines Mundes, wenn er mit seiner Familie und seinen Verwandten zusammen ist, nicht so, wie wenn er im Rat des Königs verweilt; denn dann achtet er bestimmt auf alle seine Bewegungen und Worte, daß sie wohl bemessen seien.
Um so mehr, wenn der Mensch bedenkt, daß der große König, der Heilige, gelobt sei Er, dessen Herrlichkeit die ganze Erde erfüllt, bei ihm steht und seine Handlungen sieht, wie es heißt 4 „kann sich wohl ein Mensch im Geheimen verbergen, daß ich ihn nicht sähe, spricht HaSchem, da Himmel und Erde von mir erfüllt sind!“ Dann werden sicher Ehrfurcht und Demut aus Furcht vor dem Ewigen, gepriesen sei Er, über ihn kommen und er wird sich vor Ihm schämen.

§2

וְגַם בְּשָׁכְבוֹ עַל מִשְׁכָּבוֹ יֵדַע לִפְנֵי מִי הוּא שׁוֹכֵב. וּמִיַּד כְּשֶׁיֵעוֹר מִשְּׁנָתוֹ, יִזְכּוֹר חַסְדֵי ה‘ – יִתְבָּרַךְ שְׁמוֹ – אֲשֶׁר עָשָׂה עִמּוֹ, שֶׁהֶחְזִיר לוֹ אֶת נִשְׁמָתוֹ אֲשֶׁר הִפְקִידָהּ אֶצְלוֹ עֲיֵפָה, וְהֶחֱזִירָהּ לוֹ חֲדָשָׁה וּרְגוּעָה, כְּדֵי לַעֲבוֹד עֲבוֹדָתוֹ – יִתְבָּרַךְ שְׁמוֹ – בְּכָל יְכָלְתּוֹ וּלְשָׁרְתוֹ כָּל הַיּוֹם, כִּי זֶה כָּל הָאָדָם. כְּמוֹ שֶׁאָמַר הַכָּתוּב: „חֲדָשִׁים לַבְּקָרִים רַבָּה אֱמוּנָתֶךָ“ 5. פֵּרוּשׁ, בְּכָל בֹּקֶר נַעֲשֶׂה הָאָדָם בְּרִיָּה חֲדָשָׁה, וְיוֹדֶה בְּכָל לְבָבוֹ לְהַשֵּׁם יִתְבָּרַךְ שְׁמוֹ עַל זֹאת. וּבְעוֹדוֹ עַל מִשְׁכָּבוֹ יֹאמַר: „מוֹדֶה אֲנִי לְפָנֶיךָ מֶלֶךְ חַי וְקַיָּם שֶׁהֶחֱזַרְתָּ בִּי נִשְׁמָתִי בְּחֶמְלָה, רַבָּה אֱמוּנָתֶךָ“. (וְאַף עַל פִּי שֶׁעֲדַיִן אֵין יָדָיו נְקִיּוֹת, יָכוֹל לוֹמַר זֹאת, כֵּיוָן שֶׁאֵין בּוֹ שֵׁם). וְיַפְסִיק מְעַט בֵּין תֵּבַת „בְּחֶמְלָה“ לְתֵבַת „רַבָּה“.

Und auch, wenn er sich auf seinem Lager ausruht, sollte er wissen, vor wem er liegt; und das gleiche, wenn er aus seinem Schlaf erwacht, dann gedenke er der Wohltaten des Ewigen, gepriesen sei Sein Name, die Er ihm erwiesen, dass Er ihm seine Seele wiedergegeben, die er müde Ihm empfohlen; neu und ausgeruht hat Er sie ihm wiedergegeben, dass er Ihm diene, gepriesen sei Sein Name, mit all seinen Kräften und Seinen Willen erfülle den ganzen Tag, denn das ist der ganze Zweck des Menschen, so heißt es 6, neu an jedem Morgen, groß ist Deine Treue.
Das bedeutet, an jedem Morgen ist der Mensch wie neugeboren und danke dem Ewigen, gepriesen sei Sein Name, dafür. Während er sich noch auf seinem Lager befindet, spreche er מוֹדֶה אֲנִי: „Ich danke Dir, ewiglebender König, daß Du mir in Liebe meine Seele wiedergegeben, groß ist Deine Treue!“ (Obschon seine Hände noch nicht gewaschen sind, darf er dies doch sagen, da kein Schem [keine Erwähnung des g’ttlichen Namens] darin vorkommt). Man mache eine kleine Pause zwischen dem Wort chemlah und dem Wort rabah

§3

„יְהוּדָה בֶּן תֵּימָא אוֹמֵר: הֱוֵי עַז כַּנָּמֵר וְקַל כַּנֶּשֶׁר, רָץ כַּצְּבִי וְגִבּוֹר כָּאֲרִי, לַעֲשׂוֹת רְצוֹן אָבִיךָ שֶׁבַּשָּׁמַיִם“ 7. „עַז כַּנָּמֵר“ פֵּרוּשׁוֹ, שֶׁלֹּא יִתְבַּיֵּשׁ מִפְּנֵי בְּנֵי אָדָם הַמַּלְעִיגִים עָלָיו בַּעֲבוֹדַת ה‘ יִתְבָּרַךְ שְׁמוֹ. „קַל כַּנֶּשֶׁר“ – כְּנֶגֶד רְאוּת הָעַיִן, לוֹמַר שֶׁתְּהֵא קַל לַעֲצֹם עֵינֶיךָ מֵרְאוֹת בְּרָע, כִּי הוּא הַתְחָלַת הָעֲבֵרָה: הָעַיִן רוֹאָה, וְהַלֵּב חוֹמֵד, וּכְלֵי מַעֲשֶׂה גוֹמְרִין. „רָץ כַּצְּבִי“ – כְּנֶגֶד הָרַגְלַיִם, שֶׁרַגְלֶיךָ לְטוֹב יָרוּצוּ. „וְגִבּוֹר כָּאֲרִי“ – כְּנֶגֶד הַלֵּב, כִּי הַגְּבוּרָה בַּעֲבוֹדַת הַבּוֹרֵא יִתְבָּרַךְ הִיא בַּלֵּב. וְאָמַר שֶׁתְּחַזֵּק לִבְּךָ בַּעֲבוֹדָתוֹ וְתִתְגַּבֵּר עַל הַיֵּצֶר לְנַצְּחוֹ, כְּגִבּוֹר הַמִּתְגַּבֵּר עַל שׂוֹנְאוֹ לְנַצְּחוֹ וּלְהַפִּילוֹ לָאָרֶץ.

Jehuda ben Tema sprach: „Sei mutig wie ein Leopard, leicht wie ein Adler, schnell wie eine Gazelle und stark wie ein Löwe, den Willen deines Vaters im Himmel zu erfüllen.“8
Mutig wie ein Leopard, das heißt, man schäme sich nicht vor den Menschen, die einen beim Dienst des Ewigen, gepriesen sei Sein Name, verspotten;
leicht wie ein Adler, betrifft den Anblick der Augen, das heißt, sei gleich bereit, deine Augen zu schließen, um nichts Böses zu sehen; denn das wäre der Anfang der Sünde;
das Auge sieht, und das Herz begehrt, und die Werkzeuge vollenden es.
Schnell wie eine Gazelle, betrifft die Füße, deine Füße sollen zum Guten eilen; und stark wie ein Löwe, betrifft das Herz, denn die Stärke im Dienst des Schöpfers, gepriesen sei Er, wohnt im Herzen; und er sagt, mache dein Herz fest in Seinem Dienst und sei stark gegen den bösen Trieb, ihn zu bezwingen, wie ein Held, der sich stark macht, seinen Feind zu bezwingen und zu Boden zu werfen.

§4

לָכֵן צָרִיךְ הָאָדָם לְהִתְגַּבֵּר כַּאֲרִי, וּמִיָּד כְּשֶׁיֵעוֹר מִשְּׁנָתוֹ (וְאָמַר „מוֹדֶה אֲנִי“ וְכוּ‘) – יָקוּם בִּזְרִיזוּת לַעֲבוֹדַת הַבּוֹרֵא יִתְבָּרַךְ וְיִתְעַלֶּה, קֹדֶם שֶׁיִּתְגַּבֵּר עָלָיו הַיֵּצֶר הָרָע בִּטְעָנוֹת וְתוֹאֲנוֹת לְבַל יָקוּם, וְיִתְחַכֵּם עָלָיו לְהַשִּׂיאוֹ בַּחֹרֶף: אֵיךְ תָּקוּם עַתָּה בַּבֹּקֶר הַשְׁכֵּם וְהַקֹּר גָּדוֹל? וּבַקַּיִץ יַשִּׁיאֶנּוּ: אֵיךְ תָּקוּם מִמִּטָּתְךָ, וַעֲדַיִן לֹא שָׂבַעְתָּ מִשְּׁנָתְךָ? אוֹ בִּטְעָנוֹת אֲחֵרוֹת וְכַדּוֹמֶה. כִּי הַיֵּצֶר הָרָע הוּא יוֹדֵעַ הֵיטֵב לָצוּד בְּנֵי אָדָם בְּמַהֲמֹרוֹת בַּל יָקוּם.
וְלָכֵן, כָּל בַּעַל נֶפֶשׁ הַיָּרֵא וְחָרֵד לִדְבַר ה‘, צָרִיךְ לְהִתְגַּבֵּר עָלָיו וְלֹא יִשְׁמַע לוֹ. וְאַף אִם יִכְבַּד עָלָיו הַדָּבָר, מִפְּנֵי כְּבֵדוּת הַגּוּף וְעַצְלוּתוֹ, יָשִׂים מְגַמָּתוֹ רְצוֹן מֶלֶךְ מַלְכֵי הַמְּלָכִים הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא. וְיָשִׂים אֶל לִבּוֹ, כִּי אִם הָיָה קוֹרֵא אוֹתוֹ אֵיזֶה אָדָם לְאֵיזֶה עֵסֶק שֶּׁיַּרְוִיחַ בּוֹ מָמוֹן, אוֹ לִגְבּוֹת חוֹבוֹ, אוֹ שֶׁהָיָה קוֹרֵא אוֹתוֹ שֶׁיַּצִּיל אֶת מָמוֹנוֹ מִן הַהֶפְסֵד, כְּגוֹן אִם נָפְלָה דְּלֵקָה בָּעִיר וְכַדּוֹמֶה, בְּוַדַּאי הָיָה זָרִיז לָקוּם מִיָּד, מִפְּנֵי אַהֲבַת מָמוֹנוֹ, וְלֹא הִתְרַשֵּׁל. וְכֵן אִם הָיָה צָרִיךְ לָלֶכֶת לַעֲבוֹדַת הַמֶּלֶךְ, הָיָה קָם בִּזְרִיזוּת וְלֹא הָיָה מִתְרַשֵׁל, פֶּן יַעֲלִילוּ עָלָיו, אוֹ כְּדֵי לִמְצוֹא חֵן בְּעֵינֵי הַמֶּלֶךְ. עַל אַחַת כַּמָּה וְכַמָּה לַעֲבוֹדַת מֶלֶךְ מַלְכֵי הַמְּלָכִים הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא, שֶׁיֵּשׁ לוֹ לְהִזָּהֵר לָקוּם בִּמְהִירוּת וּבִזְרִיזוּת. וְהַמַּרְגִיל אֶת עַצְמוֹ בַּדֶּרֶךְ הַזֶּה אַרְבַּע אוֹ חָמֵשׁ פְּעָמִים, לֹא יִכְבַּד עָלָיו אַחַר כָּךְ. וְהַבָּא לִטָּהֵר מְסַיְּעִין לוֹ.

Darum muss sich der Mensch stark machen wie ein Löwe und gleich, wenn er vom Schlaf erwacht (und מוֹדֶה אֲנִי „ich danke Dir“ gesprochen hat) hurtig zum Dienst des Schöpfers, gepriesen und erhoben sei Er, aufstehen, bevor der böse Trieb über ihn stark wird mit Einwänden und Ausreden, dass er nicht aufstehe, und ihn überlistet, ihn zu verführen, im Winter: wie kannst du jetzt so früh am Morgen bei der großen Kälte schon aufstehen; im Sommer überredet er ihn: wie kannst du dein Lager schon verlassen, da du noch nicht genug geschlafen hast; oder mit anderen Einwänden und dergleichen.
Denn der böse Trieb versteht sehr gut, den Menschen in Tiefen zu fangen, dass er nicht aufsteht. Darum muss jeder Gewissenhafte, der das Wort des Ewigen fürchtet und eifrig erfüllen will, sich über ihn stark machen und darf nicht auf ihn hören; und auch wenn ihm die Sache nicht leicht fällt ob der Schwere des Körpers und seiner Trägheit, mache er den Willen des Königs über alle Könige, des Heiligen, gelobt sei Er, zu seinem Streben. Und er beherzige, wenn ihn jemand zu einem Geschäft, bei dem er Geld verdienen kann, oder sein Guthaben zu erheben rufen würde oder ihn auffordern würde, sein Vermögen vor Schaden zu retten, es wäre z. B. ein Brand in der Stadt ausgebrochen oder dergleichen, würde er sicherlich eifrig sofort aufstehen aus Liebe zu seinem Vermögen und nicht nachlässig sein. Ebenso würde er, wenn er zum Dienst des Königs gehen müsste, mit Eifer aufstehen und nicht zögern, dass man ihn nicht anklage, oder um in den Augen des Königs Gunst zu finden; um wie viel mehr erst zum Dienst des Königs aller Könige, des Heiligen, gelobt sei Er.
Wer sich an diesen Weg vier- oder fünfmal gewöhnt, dem wird es hernach nicht mehr schwerfallen. Denn wer sich anschickt, rein zu werden, dem wird himmlische Hilfe zuteil.

§5

Wem möglich ist, schon früh um Mitternacht aufzustehen, um da die Anordnung für Mitternacht zu erfüllen, wie gut; wie es heißt 9, erhebe dich, klage in der Nacht, am Beginn der Nachtwachen … wie auch der Heilige, gelobt sei Er, in dieser Zeit klagt; denn so steht 10, HaSchem ruft vom Himmel aus, und von Seiner heiligen Stätte lässt Er Seine Stimme vernehmen, Er klagt laut ob Seines Heiligtums und spricht:
Wehe den Kindern; denn wegen ihrer Sünden habe ich mein Haus zerstört und mein Heiligtum verbrannt und sie selbst unter die Völker verbannt. –
Wem nicht möglich ist, um die Mitlernacht aufzustehen, mache sich wenigstens stark, vor dem Anbruch des Morgens sich zu erheben; so wie der König David, Friede sei mit ihm, gesprochen 11, ich erwecke den Morgen; ich wecke den Morgen, aber nicht weckt der Morgen mich. Und auch noch nach der Mitte der Nacht kann man die Anordnung für Mitternacht erfüllen.
Dann beschäftige man sich mit Torah, jeder so viel er kann; ein Pensum Mischnah hat vor allem den Vorzug (dadurch beglückt er die Seele, da Mischnah dieselben Buchstaben wie Neschamah enthält).
Wer dazu nicht im Stande ist, beschäftige sich mit den Psalmen und den (in den Gebetbüchern oder sonst) geordneten Torahabschnitten und Werken über jüdische Frömmigkeit. Besser wenig mit Andacht, als viel gedankenlos.
– R Chija hat gelernt, wer sich in der Nacht mit Torah beschäftigt, vor dem ist die Schechinah; so heißt es 12,
Erhebe dich, klage in der Nacht am Beginn der Nachtwachen, gieße gleich Wasser dein Herz aus vor dem Angesicht HaSchems; das heißt, die Schechinah ist dann vor dir. Ferner haben unsere Weisen seligen Angedenkens gesagt, wer sich in der Nacht mit Torah beschäftigt, wird ein Diener des Ewigen genannt, wie es heißt 13, alle Diener HaSchems, die im Haus HaSchems stehen in den Nächten.
– In den kurzen Nächten, in denen es ihm nicht möglich ist, so früh aufzustehen, mache er sich stark, wenigstens sich so zu erheben, dass er noch Zeit hat, sich vorzubereiten, um in die Synagoge zu gehen und gemeinsam mit der Gemeinde zu beten.

§6

Kapitel aus den Psalmen und ebenso andere Abschnitte aus der Torah, den Propheten und den übrigen heiligen Schriften, die nicht im Munde aller geläufig sind, darf man nicht auswendig sagen.
Selbst wer sie auswendig sagen kann, soll doch darauf achten, sie nicht auswendig zu sagen; ein Blinder darf es.

§7

Man soll denen wehren, die in den Ma’amadot Bitten aussprechen, die mit Baruch atah haSchem schomea Teffilah (einer Brachah) schließen, sondern man sage Baruch atah schomea Teffilah – ohne schem. (Torej sahaw Ende 131.)

8§.

Ein Mann achte darauf, nicht zwischen zwei Frauen zu gehen; auch nicht zwischen zwei Hunden oder zwei Schweinen; ebenso sollen Männer nicht zulassen, dass eine Frau zwischen ihnen gehe oder ein Hund oder Schwein.

Siman 2 Das Benehmen auf dem Abort und die Vorschriften für die Beracha

§1

Man gewöhne sich, morgens und abends seine Bedürfnisse zu verrichten; das gehört zur Hurtigkeit und Reinheit. Wenn man seine Bedürfnisse nicht verrichten kann, gehe man vier Ellen und setze sich hin und stehe wieder auf, bis man sie verrichten kann, oder wende seinen Sinn von anderen Dingen ab. Wer seine Bedürfnisse zurückhält, Übertritt, ihr sollt euch nicht zum Gräuel machen (siehe Lev. 11,43), wer, wenn er es nötig hätte, sich zurückhält, das Wasser abzulassen, Übertritt außerdem (Deut. 7,14), es sei kein Unfruchtbarer in deiner Mitte.

§2

Man sei sittsam auf dem Abort; man decke sich nicht auf, bevor man sich hinsetzt, und auch dann achte man genau, nicht mehr aufzudecken, als nötig ist zu enthüllen, um seine Kleider nicht zu beschmutzen. Darauf achte man auch in der Nacht ebenso wie am Tag. Wenn man auf einem offenen Platz, der nicht von Wänden umgeben ist, die Notdurft verrichtet, richte man ein, dass man sein Angesicht nach Süden und den Rücken nach Norden wendet oder umgekehrt, aber zwischen Osten und Westen ist es verboten. Wenn eine Wand vorhanden ist, kann man beliebig die Notdurft verrichten, wenn man seinen Rücken der Wand zuwendet. Wasser ablassen kann man beliebig. — Man verrichte nicht die Notdurft in Gegenwart irgend eines anderen Menschen, selbst vor einem Heiden ist es verboten; aber Wasser abzulassen ist selbst am Tag in Gegenwart anderer erlaubt, wenn es nötig ist, weil es gefährlich ist, sich zurückzuhalten; dennoch entferne man sich nach den Seiten.

§3

Man verrichte die Notdurft nicht stehend, und man zwinge sich nicht übermäßig, dass man sich keine Verletzung des Mastdarms zuziehe. Man verlasse nicht zu rasch den Abort, ehe man genau weiß, dass man ihn nicht mehr nötig hat. Wenn man stehend Wasser ablässt, achte man darauf, dass es nicht auf seine Schuhe und seine Kleider spritze. Man hüte sich davor, mit den Händen die Stelle der Beschneidung zu berühren (siehe weiter Kap. 151).

§4

Auf dem Abort darf man nicht über Worte der Thora nachdenken (wie weiter Kap. 5 § 2); darum ist gut, während des Aufenthaltes daselbst über seine Geschäfte und seine Rechnungen nachzudenken, damit man nicht zu Thoragedanken oder, Gott behüte, zu sündhaften Gedanken komme. Am Sabbat, an dem man nicht über seine Geschäfte nachdenken soll, erinnere man sich merkwürdiger Dinge, die man gesehen oder gehört hat, und dergleichen.

§5

Man achte darauf, sich gut zu reinigen. Denn wenn man auch nur das geringste bisschen Unrat an der Leibesöffnung hätte, dürfte man kein heiliges Wort aussprechen (wie weiter Kap. 5 § 3); man reinige sich nicht mit der rechten Hand, weil man damit die Tefillin bindet. Aus demselben Grunde reinige man sich nicht mit dem mittleren Finger der linken Hand, weil man um ihn den Riemen der Tefillin windet. Ein Linkshändiger reinigt sich mit seiner Linken, das ist der Rechten der anderen Menschen.

§6

Jedes Mal, wenn man die Notdurft verrichtet oder Wasser abgelassen hat, wenn auch nur einen Tropfen, wasche man seine Hände mit Wasser und spreche die Beracha אשר יצר — Wenn man Wasser abgelassen oder die Notdurft verrichtet und vergessen hat, die Beracha אשר יצר zu sprechen, und dann hat man abermals Wasser abgelassen oder die Notdurft verrichtet und erinnert sich, dass man das erste Mal die Beracha nicht gesprochen, braucht man nur einmal die Beracha zu sprechen. Wenn jemand ein Abführmittel eingenommen und weiß, dass er einige Male die Notdurft verrichten muss, spreche er erst nach dem letzten Mal die Beracha.

Siman 3 – Vorschriften für das Anziehen der Kleider und das Benehmen des Menschen.

Enthält 8 Paragraphen.

§1

Es steht (Micha 6,8), wandle sittsam mit deinem Gotte! Darum soll der Mensch auf allen seinen Pfaden sittsam sein. Wenn er daher sein Hemd an oder auszieht, oder sonst ein Gewand unmittelbar auf dem Körper hat, achte er sehr darauf, seinen Körper nicht aufzudecken, sondern er ziehe es an oder aus, während er zugedeckt auf seinem Lager liegt. Und er sage nicht, siehe, ich bin im geheimsten Gemach und im Dunkeln, wer sieht mich! Denn von des Heiligen, gelobt sei Er, Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt, und das Dunkel ist gleich Licht vor Ihm, gepriesen sei Sein Name! — Die Sittsamkeit und die Verschämtheit führen den Menschen zur Demut vor Ihm, gepriesen sei Sein Name.

§2

Man wandle nicht in den Satzungen der Heiden und mache sich ihnen nicht gleich, weder in der Kleidung noch in der Haartracht und dergleichen; so heißt es (Lev. 20,23), geht nicht in den Satzungen der heidnischen Völker, und ferner (dort 18,3), in ihren Satzungen sollt ihr nicht gehen, und noch (Deut. 12,30), hüte dich, dass du nicht von ihnen verstrickt werdest! Man lege nicht ein Gewand an, wie es bei ihnen zum Prunk bestimmt ist, das ist ein Gewand von Fürsten. Und z. B. was wir im Talmud sagen (Sanh. 74b Bab. Kam. 59b), ein Israelit darf sich ihnen nicht einmal an den Schuhriemen gleichmachen; wenn ihre Art ist, so zu binden, und die israelitische Art anders, oder wenn sie rote Riemen zu tragen pflegen und Israel schwarze, weil die schwarze Farbe auf Demut, Bescheidenheit und Sittsamkeit hinweist, darf ein Israelit es nicht ändern. Daraus entnehme jeder dem Ort und der Zeit entsprechend. Ein Gewand, zum Hochmut und zur Sittenlosigkeit hergestellt, darf ein Israelit nicht nachmachen; seine Kleider seien vielmehr in einer Weise, die auf Demut und Sittsamkeit hinweist, verfertigt. So sagen wir im Sifre: Sprich nicht, weil sie in Purpur ausgehen, will auch ich in Purpur ausgehen, weil sie Helme (Waffen) tragen, will ich auch einen Helm tragen; denn diese Dinge sind Gegenstände der Eitelkeit und des Hochmutes, und nicht gleich diesen ist der Anteil Jaakobs, sondern sein Weg ist, sittsam und demütig zu sein und sich nicht der Hoffahrt zuzuwenden. Und so jede Sache, die sie als Gebrauch oder Satzung halten, bei der zu befürchten ist, dass eine Spur von Götzendienst darin enthalten sein kann, mache der Israelit nicht ebenso. Er schere sich nicht so und lasse sein Haar nicht so wachsen wie sie, sondern sei von ihnen verschieden in seinen Kleidern, in seinen Reden und seinen übrigen Handlungen, wie er von ihnen in seiner Erkenntnis und seinen Anschauungen verschieden ist; so sagt die Schrift (Lev. 20,26), ich unterschied euch von den Völkern. —

§3

Man ziehe keine kostbaren Kleider an, denn das bringt den Menschen zum Hochmut, auch nicht sehr minderwertige oder unsaubere Kleider, dass er nicht in den Augen der Menschen verächtlich erscheine; sondern seine Kleider seien mittelmäßig und sauber. Der Mensch verkaufe sogar die Balken seines Hauses und kaufe dafür Schuhe für seine Füße. —

§4

Weil wir finden, dass in der Thora die rechte Hand beim Opferdienst, bei Daumen und großer Zehe, anlässlich der Einweihung der Priester und anlässlich eines Aussätzigen und bei dem Gebot des Schuhausziehens(Chaliza), den Vorzug hat, darum ziehe man auch beim Anziehen und ebenso bei anderen Dingen immer die Rechte der Linken vor. Beim Ausziehen der Schuhe und anderer Kleider ziehe man links zuerst aus (denn das ist eine Ehrung für die Rechte). Nur beim Binden ist die Linke mehr angesehen, weil man auf sie die Tefillin bindet; wenn man darum binden muss, binde man links zuerst; bei Schuhen z. B., die gebunden werden, ziehe man den rechten an und binde ihn noch nicht, dann ziehe man den linken an und binde ihn, und dann binde man den rechten; und so bei anderen Kleidern.

§5

Man vermeide, zwei Kleidungsstücke auf einmal anzuziehen, weil es dem Gedächtnis schadet. —

§6

Man darf nicht mit unbedecktem Haupte vier Ellen weit gehen oder eine heilige Sache aussprechen; auch die Kinder soll man gewöhnen, den Kopf zu bedecken, damit Gottesfurcht auf ihnen sei, wie wir bei R. Nachman b. Jizchak finden. Zur Mutter von R. Nachman b. Jizchak hatten Chaldäer (Astrologen) gesagt, dein Sohn wird ein Dieb werden; sie ließ ihn aber nie mit unbedecktem Kopfe gehen und sagte stets zu ihm, bedecke deinen Kopf, damit Gottesfurcht auf dir sei. (Sab. 156b.)

§7

Man darf nicht mit stolz aufgerichteter Gestalt und gerecktem Hals einhergehen, so wie es heißt (Jes. 3,16), sie gingen mit gerecktem Hals. — Dennoch aber beuge man auch sein Haupt nicht zu sehr, sondern nur mittelmäßig, damit man einen Entgegenkommenden wahrnehmen kann. Auch sehe man den Schritt seines Fußes (R. Jona im Buch der Gottesfurcht); auch am Gang eines Menschen wird erkannt, ob er weise und einsichtig oder ob er töricht und einfältig ist. Und so hat Schelomo in seiner Weisheit gesprochen (Koh. 10,3), auch auf dem Weg, den der Tor geht, fehlt ihm die Einsicht und sagt er jedem, dass er ein Tor ist.

§8

Ein Mann achte darauf, nicht zwischen zwei Frauen zu gehen; auch nicht zwischen zwei Hunden oder zwei Schweinen; ebenso sollen Männer nicht zulassen, dass eine Frau zwischen ihnen gehe oder ein Hund oder Schwein.

Siman 4 – Das Benehmen auf dem Abort und die Vorschriften für die Beracha אשר יצר

Enthält 6 Paragraphen.

§1

Man gewöhne sich, morgens und abends seine Bedürfnisse zu verrichten; das gehört zur Hurtigkeit und Reinheit. Wenn man seine Bedürfnisse nicht verrichten kann, gehe man vier Ellen und setze sich hin und stehe wieder auf, bis man sie verrichten kann, oder wende seinen Sinn von anderen Dingen ab. Wer seine Bedürfnisse zurückhält, Übertritt, ihr sollt euch nicht zum Gräuel machen (siehe Lev. 11,43), wer, wenn er es nötig hätte, sich zurückhält, das Wasser abzulassen, Übertritt außerdem (Deut. 7,14), es sei kein Unfruchtbarer in deiner Mitte.

§2

Man sei sittsam auf dem Abort; man decke sich nicht auf, bevor man sich hinsetzt, und auch dann achte man genau, nicht mehr aufzudecken, als nötig ist zu enthüllen, um seine Kleider nicht zu beschmutzen. Darauf achte man auch in der Nacht ebenso wie am Tag. Wenn man auf einem offenen Platz, der nicht von Wänden umgeben ist, die Notdurft verrichtet, richte man ein, dass man sein Angesicht nach Süden und den Rücken nach Norden wendet oder umgekehrt, aber zwischen Osten und Westen ist es verboten. Wenn eine Wand vorhanden ist, kann man beliebig die Notdurft verrichten, wenn man seinen Rücken der Wand zuwendet. Wasser ablassen kann man beliebig. — Man verrichte nicht die Notdurft in Gegenwart irgend eines anderen Menschen, selbst vor einem Heiden ist es verboten; aber Wasser abzulassen ist selbst am Tag in Gegenwart anderer erlaubt, wenn es nötig ist, weil es gefährlich ist, sich zurückzuhalten; dennoch entferne man sich nach den Seiten.

§3

Man verrichte die Notdurft nicht stehend, und man zwinge sich nicht übermäßig, dass man sich keine Verletzung des Mastdarms zuziehe. Man verlasse nicht zu rasch den Abort, ehe man genau weiß, dass man ihn nicht mehr nötig hat. Wenn man stehend Wasser ablässt, achte man darauf, dass es nicht auf seine Schuhe und seine Kleider spritze. Man hüte sich davor, mit den Händen die Stelle der Beschneidung zu berühren (siehe weiter Kap. 151).

§4

Auf dem Abort darf man nicht über Worte der Thora nachdenken (wie weiter Kap. 5 § 2); darum ist gut, während des Aufenthaltes daselbst über seine Geschäfte und seine Rechnungen nachzudenken, damit man nicht zu Thoragedanken oder, Gott behüte, zu sündhaften Gedanken komme. Am Sabbat, an dem man nicht über seine Geschäfte nachdenken soll, erinnere man sich merkwürdiger Dinge, die man gesehen oder gehört hat, und dergleichen.

§5

Man achte darauf, sich gut zu reinigen. Denn wenn man auch nur das geringste bisschen Unrat an der Leibesöffnung hätte, dürfte man kein heiliges Wort aussprechen (wie weiter Kap. 5 § 3); man reinige sich nicht mit der rechten Hand, weil man damit die Tefillin bindet. Aus demselben Grunde reinige man sich nicht mit dem mittleren Finger der linken Hand, weil man um ihn den Riemen der Tefillin windet. Ein Linkshändiger reinigt sich mit seiner Linken, das ist der Rechten der anderen Menschen.

§6

Jedes Mal, wenn man die Notdurft verrichtet oder Wasser abgelassen hat, wenn auch nur einen Tropfen, wasche man seine Hände mit Wasser und spreche die Beracha אשר יצר — Wenn man Wasser abgelassen oder die Notdurft verrichtet und vergessen hat, die Beracha אשר יצר zu sprechen, und dann hat man abermals Wasser abgelassen oder die Notdurft verrichtet und erinnert sich, dass man das erste Mal die Beracha nicht gesprochen, braucht man nur einmal die Beracha zu sprechen. Wenn jemand ein Abführmittel eingenommen und weiß, dass er einige Male die Notdurft verrichten muss, spreche er erst nach dem letzten Mal die Beracha.

Siman 5 – Sauberkeit des Ortes für ein heiliges Wort.

§Enthält 17 Paragraphen.

§1

Es steht (Deut. 23,14), bedecke deinen Unrat; denn der Ewige, dein Gott, wandelt inmitten deines Lagers. . . Darum sei dein Lager heilig, und es werde in deinem Lager keinerlei Blöße gesehen. Von hier haben unsere Lehrer sel. And. gelernt, dass überall, wo der Ewige, unser Gott, mit uns wandelt, das ist, wenn wir uns mit einem heiligen Wort beschäftigen, z. B. mit dem Lesen des שמע dem Gebet, Thora und dergleichen, das Lager heilig sein muss, dass dort kein Unrat aufgedeckt sei und keinerlei Blöße vor dem Angesicht des lesenden oder betenden Menschen gesehen werde.

§2

Es ist selbst verboten, über heilige Worte an einem Orte, an dem Unrat oder abgelassenes Wasser oder irgend eine übelriechende Sache ist, nachzudenken, bis man diese bedeckt hat, wie es heißt, bedecke deinen Unrat; oder man gieße in abgelassenes Wasser von einem Mal 1/4 Log (gleich ungefähr 1/7 l) Wasser, und ist kein Unterschied, ob das abgelassene Wasser zuerst im Gefäß war und er gießt Wasser darauf oder ob das Wasser zuerst im Gefäß war; (wenn sich das abgelassene Wasser in dem dafür bestimmten Gefäß befindet, nützt das Wasser nichts, wie weiter § 13); für abgelassenes Wasser von zweimal braucht man 2/4 Log Wasser, und so weiter. Selbst wenn das abgelassene Wasser in die Erde eingedrungen ist, muss man Wasser hingießen, solange noch etwas Feuchtigkeit dort vorhanden ist.

§3

Wenn Unrat auf seinem Körper, selbst wenn dieser von seinen Kleidern bedeckt ist, sind ihm heilige Worte verboten, so heißt es (Ps. 35,10), alle meine Gebeine mögen sprechen; Ewiger, wer ist wie Du! Darum verlangen wir, dass sie alle sauber seien. Manche erleichtern hierbei, aber richtig ist, zu erschweren. Wenn er auch nur ein bisschen Unrat an der Leibesöffnung hat, dann nützt es nach allen nichts, auch wenn es bedeckt ist, weil an ihrer eigentlichen Stelle die Unsauberkeit besonders groß ist. (Betreffs eines, der an Hämorrhoiden leidet, siehe Magen Abraham 76,8, der darüber ein Responsum des Radbas bringt, nämlich III 3/5; am Ende der Worte des Magen Abraham, wo er schreibt ואין לו תקנה befindet sich ein Druckfehler, denn es muss heißen ואינו צריך תקנ‘. Siehe Jad Ephraim.)

§4

Man muss darauf achten, an einem Ort, an dem man zweifelhaft sein muss, es könnte sich an demselben Unrat oder Abwasser befinden, kein heiliges Wort zu sprechen, bis man den Ort nachgesehen hat; man bete nicht im Erdgeschoß, wenn sich im Stockwerk ein unsauberer Ort befindet. (Peri Megadim 154 Mischbezot 1.)

§5

Man muss sich von dem Unrat und dem Abwasser eines Kindes dann entfernen, wenn Kinder in seinem Alter eine Olive groß von Getreidearten, wenn auch in einer Speise (nicht unvermischt), in der Zeit essen können, in der ein Erwachsener das Quantum 1/2 Brotes (gleich einer Mahlzeit von 3 oder 4 Eiern) essen kann. (Im Buch Migdol Os des Gaon R. Jabez sel. And. steht, das ist, wenn es ein Jahr alt wird.) Gut und recht ist, sich selbst vom Unrat eines achttägigen Kindes zu entfernen.

§6

Man entferne sich vom Unrat eines Menschen, wenn er auch keinen schlechten Geruch hat, und ebenso vom Unrat einer Katze und eines Wiesels und von dem Unrat indischer Hühner; sonst Unrat von Vieh, Wild und Geflügel hat gewöhnlich keinen schlechten Geruch, und braucht man sich nicht davon zu entfernen; wenn er aber übelriechend ist, und ebenso übelriechendes Aas und jede Sache, die durch Fäulnis schlecht riecht, ebenso ein Hühnersteig, von ihnen entferne man sich; ebenso entferne man sich von übelriechendem Wasser. Weichwasser, in dem man Flachs oder Hanf geweicht hat, riecht gewöhnlich schlecht, und muss man sich davon wie von Unrat entfernen.

§7

Unrat, der so sehr trocken ist, dass er durch Rollen zerbröckelt, ist wie Staub, nur darf er keinen schlechten Geruch haben; wenn er aber durch die Kälte gefroren ist, heißt er immer noch Unrat, weil er in der warmen Zeit wieder zu seinem ursprünglichen Zustand zurückkehren kann. Wenn Unrat von Schnee bedeckt ist, gilt das als Bedeckung.

§8

Wie weit entferne man sich? Befindet sich der Unrat hinter einem, muss man sich von dem Ort, wo der Geruch aufgehört hat, noch vier Ellen entfernen. Selbst wenn jemand nicht riecht, muss er sich dieses Maß entfernen, als ob er den Geruch wahrnehme. Wenn der Unrat nicht übelriechend ist, genügt, wenn man sich vier Ellen davon entfernt. Wenn der Unrat vor einem ist, muss man sich entfernen, solange man ihn sehen kann. Selbst bei Nacht muss man sich gleich dem Maß, dass man ihn am Tag hätte sehen können, entfernen. Ist der Unrat seitwärts, soll man erschweren, als wäre er vor einem. Man wende sich um, damit er sich hinten befindet.

§9

Wenn sich in dem Raume, in dem die Gemeinde betet, Unrat befindet, selbst wenn er hinter dem Vorbeter und mehr als vier Ellen von dem Ort, wo der Geruch aufhört, von ihm entfernt ist, muss er doch schweigen und warten, bis man den Unrat hinausgebracht oder zugedeckt hat; weil nicht anders möglich, als dass sich der Unrat für einen aus der Gemeinde noch innerhalb der vier Ellen von dem Ort, wo der Geruch aufhört, befindet, und dieser darf nicht zuhören und auf das achten, was der Vorbeter sagt.

§10.

Wer gebetet hat und findet nachher, dass sich dort Unrat befindet, wenn jener Ort derart ist, dass man unsicher sein musste, ob sich nicht vielleicht Unrat dort vorfinde, und er war leichtsinnig und hat nicht nachgesehen, da das שמנה־עשרה Gebet anstelle eines Opfers ist, so ist es (Spr. 21,27) ein Opfer der Bösen, das ein Gräuel, und er muss noch einmal שמנה־עשרה beten. Ebenso das Lesen des שמע das von der Thora geboten ist und bei dem keine Befürchtung wegen einer vergeblichen Beracha, wiederhole er, aber nicht die Berachot. Ebenso andere Berachot, die er dort gesprochen, selbst das Tischgebet, spreche er nicht noch einmal. — Wenn aber der Ort nicht derartig ist, dass man wegen Unrates unsicher sein müsste, so dass es also nicht leichtsinnig war, ist er auch vom Gebet geschehenenfalls befreit. Findet sich Abwasser, selbst wenn der Ort derart war, dass man zweifeln musste, ist er geschehenenfalls selbst vom Gebet befreit.

§11.

Hat er eine Blähung gehabt, ist ihm ein heiliges Wort verboten, bis der Geruch aufgehört hat; hat ein anderer eine Blähung gehabt, muss er ebenfalls warten; nur wenn er mit Thoralernen beschäftigt ist, braucht er nicht wegen einer Blähung, die ein anderer gehabt hat, zu warten.

§12.

Von einem Abort, selbst wenn er Wände hat und kein Unrat darin ist, muss man sich entfernen. Darum hat ein Stuhl, der mit einer Öffnung versehen ist, unter die man ein Gefäß stellt, um darauf die Notdurft zu verrichten, wenn man auch das Gefäß herausgenommen und die Öffnung mit einem Brett zugedeckt hat, doch die Eigenschaft eines Aborts, und man muss ihn aus dem Raume entfernen oder ganz zudecken. Wenn es aber ein Stuhl, zum Sitzen bestimmt und mit einem Kissen, darauf zu sitzen, bedeckt ist und nur, wenn es nötig, entfernt man das Kissen, verrichtet dort die Notdurft und legt dann das Kissen wieder darauf, dabei kann man erleichtern.

§15.

Ein Gefäß für Unrat und ein Behälter für Abwasser haben, wenn sie irden oder hölzern sind, die Eigenschaften eines Aborts, wenn sie auch sauber sind und keinen schlechten Geruch haben; selbst wenn man Wasser hineingetan oder sie auf ihre Öffnung umgestülpt hat, nützt es nichts; auch wenn man sie unter das Bett stellt, nützt es nichts, (denn unsere Betten bilden keine Scheidewand), sondern man muss sie aus dem Raume entfernen oder sie zudecken. Wenn sie von Metall oder Glas und gut gewaschen sind und kein schlechter Geruch in ihnen ist, braucht man sich nicht von ihnen zu entfernen. — Das Maul eines Schweines hat, weil es im Unrat zu wühlen pflegt, die Eigenschaft wie ein Gefäß für Unrat; selbst wenn es aus dem Fluss kommt, nützt für es das Wasser nichts.

§14.

Im Baderaum ist ebenfalls verboten, irgendein heiliges Wort zu sprechen oder darüber nachzudenken, und ist verboten, die für den Heiligen, gelobt sei Er, bestimmten Namen, selbst in unheiliger Sprache (wie Gott auf Deutsch oder Bog auf Polnisch und russisch) im Baderaum oder in unsauberen Gassen auszusprechen. Ebenso darf man dort seinen Nächsten nicht mit שלום begrüßen, denn שלום ist der Name des Heiligen, gelobt sei Er; so heißt es (Richt. 6,24), er nannte ihn: der Ewige ist der Friede! Wenn jemand Schalom heißt, verbieten manche, ihn dort mit seinem Namen zu nennen, manche erlauben es, da man dabei nicht an den Begriff Frieden denkt, sondern nur den Namen jenes Menschen erwähnen will. Und so ist auch der Gebrauch zu erleichtern; ein Gottesfürchtiger soll erschweren.

§15.

Es ist verboten, ein Wort der Thora oder der Heiligkeit vor einer Blöße auszusprechen, sei es der eigenen oder der eines anderen, selbst der eines kleinen Knaben oder kleinen Mädchens. (Nur wenn es für das Gebot der Beschneidung nötig ist, darf man vor der Blöße des Kindes die Beracha sprechen.) Selbst wenn man die Augen schließt, um die Blöße nicht zu sehen, nützt es nichts, da sie vor einem ist, sondern man wende sein Gesicht und seinen Körper ab.

§16.

Wenn vom Körper einer Frau, überall wo sie sich zu bedecken pflegt, soviel wie eine Handbreite aufgedeckt ist, ebenso wenn vom Haar einer verheirateten Frau, das sie (wie ja die Vorschrift ist) zu bedecken pflegt, etwas aufgedeckt ist, gilt es für den Mann als Blöße, und es ist kein Unterschied, ob es seine Frau oder eine andere Frau ist; aber für eine Frau gelten sie nicht als Blöße. Die Stimme einer Frau beim Singen gilt ebenfalls als Blöße. Im Notfall jedoch, wenn jemand Frauen singen hört, und er kann es nicht verwehren, versäume er deshalb nicht das Lesen des Schma, Gebet und Thoralernen, sondern gebe sich Mühe, sein ganzes Herz der Heiligkeit zuzuwenden, mit der er sich beschäftigt, und achte nicht darauf.

§17.

Wenn sein Herz seine eigene Blöße sieht, sogar wenn die Blöße bedeckt ist, wenn er z. B. mit einem Hemd bekleidet ist, ist ihm verboten, jedes heilige Wort auszusprechen; sondern man muss mit Beinkleidern, die sich (wie ein Gürtel) an den Körper anschließen, bekleidet sein oder sich mit einem Gurt umgürten oder die Arme über das Hemd legen, um zwischen dem Herzen und der Blöße zu trennen. Eine Frau braucht das nicht.



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