Führer der Unschlüssigen

More Newuchim – Buch 1 – Kapitel 50 – Kapitel 53

Fünfzigstes Kapitel

Wisse, lieber Leser, dass der Glaube nicht etwas ist, was man bloß mit dem Munde auszusprechen hat, sondern was man sich in der Seele vorstellt, indem man davon überzeugt ist, dass es so sei, wie man es sich vorstellt. Wenn es dir hinsichtlich der wahren oder nach deiner Meinung für wahr gehaltenen Glaubenslehren genügt, sie bloß mündlich herzusagen, ohne dir sie vorzustellen und daran zu glauben, geschweige denn nach ihrer Wahrheit zu forschen, so ist dies sehr leicht; wie du ja viele Gedankenlose finden kannst, die an Glaubenslehren fest­halten, deren Sinn sie in keinerlei Weise erfasst haben. Wenn dich aber dein Geist befähigt, zu dieser obersten Stufe, nämlich der Stufe der Forschung, aufzusteigen, und du es als wahr er-kennst, dass Gott Einer ist, nämlich die wahre Einheit, so dass du einsiehst, es gebe in ihm schlechterdings keine Zusammen­setzung, und es sei auch bei ihm an keine Art von Teilbarkeit zu denken, dann wirst du erkennen müssen, dass Gott in keiner Weise und in keinem Sinne ein Wesensattribut zukommt, und aß es ebenso unmöglich ist, dass er ein Wesensattribut besitze, wie es unmöglich ist, dass er ein Körper sei. Wer aber glaubt, dass er Einer sei, dessen ungeachtet aber zahlreiche Eigenschaften besitze, der nennt ihn zwar mit seinem Worte Einen, hält ihn aber in seinem Denken für eine Vielheit, wie die Christen, welche sagen, Gott sei Einer, umfasse aber drei Personen, diese drei seien jedoch Einer. Dasselbe sagt nun derjenige, der be­hauptet, dass Gott Einer sei, aber viele Attribute besitze, dass jedoch er und seine Eigenschaften eine Einheit bilden, wiewohl er zugleich an die Unkörperlichkeit Gottes und an dessen voll­kommene Einheit glaubt. Es kommt ja bei unserem Denken und Untersuchen nicht darauf an, was wir sagen, sondern darauf, wovon wir überzeugt sind. Es gibt auch keinen Glauben, dem nicht eine Vorstellung vorhergeht; denn der Glaube besteht­darin, dass man hinsichtlich dessen, was man sich vorstellt, fUr wahr hält, es sei außerhalb des Denkens (in Wirklichkeit) so, wie man es sich im Denken vorstellt. Wenn nun mit diesem Glauben die Gewissheit verbunden ist, dass das Gegenteil des Geglaubten in keiner Weise möglich ist, wenn im Denken kein Raum zur Widerlegung dieses Glaubens vorhanden ist und man sich die Möglichkeit des Gegenteils nicht vorstellen kann, dann ist es ein wahrer Glaube. Und nur wenn du deine Leiden­schaften und Gewohnheiten ablegen kannst, dich im Besitze der reinen Vernunft befindest und auf das aufmerksam achtest, was ich in den folgenden Kapiteln über die Undenkbarkeit der Attribute zu sagen gedenke, dann wird das, was ich gesagt habe, als unbedingt wahr erscheinen, und dann wirst du einer derjenigen sein, die die Einheit Gottes denken, nicht aber einer von denen, die sie mit dem Munde bekennen und sich keinen Sinn in diesem Begriffe vorstellen, und die zu jener Klasse ge­hören, von denen der Tanach sagt: »Nahe bist du ihrem Munde, aber fern von ihrem Innern« [Jirm. 12, 2]. Der Mensch aber soll zu denen gehören, die die Wahrheit denken und be­greifen, auch wenn sie sie nicht aussprechen dürfen, wie es den Frommen befohlen wurde. Ihnen wurde gesagt: »Erwägt es in eurem Herzen auf eurer Lagerstätte und schweiget !« [Ps. 4, 5].

Einundfünfzigstes Kapitel

Im Sein gibt es viele an sich klare und offenkundige Tatsachen teils Gemein begriffe, teils Sinneswahrnehmungen, teils diesen nahekommende, so dass der Mensch, selbst wenn er in seinem natürlichen Zustande belassen bliebe, für sie keines Beweises bedürfte, wie das Dasein der Bewegung, die Tatsachen der Willensfreiheit des Menschen, das offensichtliche Werden und Vergehen oder die sinnlich wahrnehmbaren natürlichen Eigen­schaften der Dinge, wie die Wärme des Feuers und die Kälte des Wassers und zahlreiche diesen ähnliche Dinge. Als aber befremdliche Meinungen aufkamen, sei es von solchen, die in Irrtum verfallen waren, oder von solchen, die diese absichtlich zu einem fernliegenden Zwecke geltend machten, indem die­jenigen, die diesen Meinungen folgten, der Natur der Dinge widerstritten, das sinnlich Wahrnehmbare leugneten oder will­kürlich glaubhaft zu machen suchten, dass etwas Nichtseiendes wirklich vorhanden sei, wurden die Männer der Wissenschaft genötigt, jene offenkundigen Dinge festzustellen und das Dasein dieser, die nur als Wahngebilde existieren, zu widerlegen. So sehen wir, dass Aristoteles das Dasein der Bewegung erweisen musste, weil es geleugnet wurde, und einen Beweis für die Un­denkbarkeit des Atoms erbringen musste, weil man dessen Vor­handensein behauptet hatte.

Und zu dieser Gattung gehört auch die Lehre, dass Gott keine Wesenseigenschaften zugesprochen werden dürfen. Es ist nämlich unmittelbar einleuchtend, dass die Eigenschaft nicht das Wesen des Dinges ist, welches mit dieser Eigenschaft dar­gestellt wird, sondern ein zu seinem Wesen hinzukommendes Ding, somit ein Akzidens (Zustand). Wäre nämlich die Eigenschaft das Wesen des mit ihr Dargestellten, dann wäre sie nur eine Tautologie, etwa wie wenn man sagte: »Der Mensch ist ein Mensch«, oder eine Worterklärung, wie wenn man sagte: »Der Mensch ist das vernünftige Lebewesen«; denn »Lebewesen« und »Vernünftigsein« machen den Begriff und das wahre Wesen des Menschen aus. Es gibt da kein Drittes außer Leben und Vernunft, welches das Wesen des Menschen ausmacht, und dieser wird durch nichts als durch Leben und Vernunft dargestellt. Somit ist die Bedeutung dieses Attributes nichts als eine Worterklärung, nicht anders, als wenn man sagte, das Ding, welches Mensch genannt wird, ist das Ding, welches aus Leben und Vernunft zusammengesetzt ist.

Es ist also klar, dass das Attribut unbedingt nur eines von zwei Dingen sein kann. Entweder ist es das Wesen des damit Dargestellten, dann ist es eine bloße Namenserklärung – wenn wir eine solche in Beziehung auf Gott als unzulässig bezeichnen, geschieht dies allerdings nicht aus diesem Gesichtspunkte, sondern, wie weiterhin erörtert werden wird, aus einem anderen – oder die Eigenschaft ist nicht das mit ihr Darge­stellte, sondern etwas zu ihm Hinzukommendes; dann führt dies dahin, dass diese Eigenschaft nur eine zufällige Bestimmung zu jenem Wesen sein muss. Denn wenn man selbst den Ausdruck »zufällige Bestimmung« (Akzidens) von den Eigenschaften Gottes nicht gebraucht, so wird doch auch mit der Nicht­anwendung dieses Ausdrucks dessen Begriff nicht aufgehoben; denn alles, was zum Wesen eines Dinges hinzukommt, ist eine Bestimmung des Dinges, welche aber seine Wesenheit nicht zur Vollendung bringt, und dies eben ist die Bedeutung des Wortes »Akzidens«. Dazu kommt aber noch, dass notwendig, wenn es viele Eigenschaften Gottes gäbe, daraus folgen müsste, dass es viele ewige Dinge gibt. Es gibt aber überhaupt keinen Glauben an die Einheit Gottes außer dem Glauben an ein einziges, einfaches Wesen, bei dem keine Zusammensetzung und keine Vielheit von Bestimmungen denkbar ist, sondern nur Einen Begriff, welchen du, du magst ihn von welcher Seite immer betrachten oder von welchem Gesichtspunkte immer prüfen, nur als Einen befindest, der in keiner Weise und aus keinem Grunde in zwei Begriffe geteilt werden kann, und bei welchem es weder außerhalb noch innerhalb des Denkens eine Vielheit geben kann, wie in diesem Buch bewiesen werden soll.

Damit ist nun unsere Erörterung zu gewissen Forschem ge­langt, welche sagen, die Eigenschaften Gottes seien nicht sein Wesen, aber auch nicht etwas von seinem Wesen Verschie­denes. Dies ist ebenso, wie wenn andere sagen, die Begriffe, nämlich die Allgemeinbegriffe, seien weder seiend, noch nicht­seiend, oder wenn noch andere sagen, dass die einfache Substanz zwar nicht in einem Raume sei, aber dennoch eine Lage einnehme, oder dass dem Menschen zwar schlechterdings keine Handlung zustehe, dennoch aber ein Verdienst. Dies sind jedoch Dinge, die man nur sagen kann, die allerdings in den Worten, nicht aber in den Überzeugungen vorhanden sein, geschweige denn ein Dasein außerhalb des Denkens haben können. Aber wie du weißt und wie jeder weiß, der sich nicht selbst täuschen will, halten diese Leute an diesen Behauptungen fest, indem derjenige, der sie behauptet, beflissen ist, sie durch eine Fülle von Worten und durch sophistische Beispiele auf­rechtzuerhalten und ihre Wahrheit durch Geschrei und Schmähungen und mittelst vielerlei Methoden, die aus Pole­mik, Dialektik und Sophisterei zusammengesetzt sind, zu bekräftigen. Wenn aber derjenige, der sie ausgesprochen hat und sie durch diese Methoden geltend gemacht hat, bei sich selbst auf seinen Glauben zurückkommt, so wird er darin nichts finden als Verworrenheit und Unzulänglichkeit des Ver­standes, weil er bestrebt war, das Dasein eines nichtseienden Dinges zu behaupten und ein Mittelding zwischen zwei Gegen­sätzen zu erschaffen, zwischen denen es durchaus kein Mittel­ding geben kann. Gibt es denn ein Mittelding zwischen Seiendem und Nichtseiende oder zwischen der Identität und der Nicht­identität zweier Dinge? Zu diesen Irrtümern mussten aber jene notwendig deshalb gelangen, weil sie, wie wir sagten, an Fantasievorstellungen festhalten, und weil dasjenige, was man sich immer von allen existierenden Körpern vorstellt, irgendeine Substanz ist, deren jede notwendig gewisse Eigenschaften be­sitzen muss, und niemals eine körperliche Substanz ohne Attri­but zu finden ist. Und dieser Analogie folgend glaubten sie, dass Gott in dieser Weise aus einer Vielheit verschiedenartiger Dinge zusammengesetzt sei, aus seinem Wesen und zahlreichen zum Wesen hinzukommenden, Dingen. Einige aber gingen, der Analogie folgend, so weit, dass sie ihn für einen Körper hielten, der Attribute besitze; andere hingegen, die nicht bis zu diesem Tiefstand gelangten, verneinten wohl die Körper­lichkeit, ließen aber doch die Attribute bestehen. Zu alledem aber führte sie nur das hartnäckige Festhalten an der wört­lichen Auslegung der Tora, wie ich in den Kapiteln zeigen werde, die über diesen Gegenstand handeln.

Zweiundfünfzigstes Kapitel

Bei jedem Dinge, welchem eine Eigenschaft zugesprochen und von welchem gesagt wird, dass es so oder so beschaffen sei, muss diese Eigenschaft unbedingt einer der folgenden fünf Gruppen angehören. Die erste Gruppe bilden jene Urteile, in denen von dem Dinge seine Definition ausgesagt wird, z. B. von dem Menschen, er sei das vernünftige Lebewesen. Und ein derartiges Attribut, welches das Was des Dinges und sein wahres Wesen bezeichnet, ist, wie wir gezeigt haben, nichts als eine Namenserklärung. Diese Art von Attributen aber kann nach der Meinung jedes Menschen von Gott nicht ausgesagt werden, weil es für Gott keine vorhergehenden Ursachen gibt, die sein Dasein verursachen und durch die er bestimmt werden könnte. Und deshalb ist es bei jedem einzelnen der Forscher, die das erwägen, was sie sagen, allgemein anerkannt, dass Gott nicht definiert werden kann.

Die zweite Gruppe bilden diejenigen Aussprüche, in denen das Ding durch einen Teil seiner Begriffsmerkmale dargestellt wird, wie z. B. der Mensch durch das Leben oder durch die Vernunft. Dies bedeutet, dass dieses Attribut dem Dinge als ein notwendiges zuerkannt wird. Wenn wir nämlich sagen: Jeder Mensch ist ein vernünftiges Wesen, so bedeutet dies tatsächlich, dass jeder, bei welchem Menschentum vorhanden ist, auch Vernunft haben muss. Aber auch diese Art von Attributen kann nach der Meinung aller Menschen von Gott nicht ausgesagt werden, weil sein Wesen, wenn ihm ein teilweises Was zukäme, ein zusammengesetztes sein müsste. Diese Gruppe von Attributen ist also in Bezug auf Gott ebenso undenkbar wie die vorerwähnte.

Die dritte Gruppe ist diejenige, bei welcher ein Ding durch etwas dargestellt wird, was nicht zu seinem wahren Wesen und zu seiner Substanz gehört, in der Weise, dass diese Eigenschaft nicht zu denjenigen gehört, durch welche das Wesen des Dinges erst vollständig und zum Bestande gebracht wird, dieses vielmehr nur irgendeine Qualität an dem Dinge ist. Die Qualität aber, wenn sie auch oberster Gattungsbegriff ist, ist nichts als eine akzidentielle Bestimmung. Wäre aber in Gott eine Eigenschaft dieser Gruppe vorhanden, dann wäre Gott ja wechselnden Zuständen unterworfen. Dies genügt, um zu zeigen, dass das in Bezug auf das Wesen und die Substanz Gottes nicht ausgesagt werden kann, nämlich dass Gott Qua­litäten besitze. Aber merkwürdig ist es, dass es Leute gibt, welche behaupten, dass Gott Eigenschaften zukommen, die aber in Abrede stellen, dass er mit etwas verglichen oder qualifiziert werden könne. Wenn sie aber sagen: er kann nicht qualifiziert werden, so bedeutet dies doch nichts anderes, als dass er keine Qualitäten besitze. Jede Eigenschaft aber, welche einer Sub­stanz positiv als wesentlich beigelegt wird, ist entweder eine solche, die diese Substanz zum Bestande bringt, und dann ist sie mit dieser Substanz identisch, oder sie ist nur eine Qualität dieser Substanz. Es gibt nun, wie du weißt, vier Arten von Qualitäten. Ich will dir also in der Gestalt von Eigenschaften für jede dieser Arten ein Beispiel anführen, so dass es dir klar werden wird, dass das Vorhandensein dieser Art von Eigen­schaften in Gott unmöglich ist. Erstes Beispiel: Wenn du einen Menschen durch irgendeine seiner natürlichen, geistigen oder sittlichen Beschaffenheiten oder durch Anlagen darstellst, die ihm zukommen, insofern er eine Seele hat, wie wenn du von ihm sagst: der Betreffende ist ein Schreiner oder ein sitten­strenger Mann oder er ist krank. Dabei macht es keinen Unter­schied, ob du sagst, der Betreffende ist ein Schreiner, oder ob du sagst, er ist ein Gelehrter oder ein Arzt; denn alle diese Be­zeichnungen bedeuten einen Zustand der Seele. Ebenso macht es keinen Unterschied, ob du sagst, der Betreffende sei sitten­streng, oder ob du sagst, er sei barmherzig; denn jede Kunst und jede Wissenschaft und jede bleibende Charaktereigenschaft ist ein Zustand der Seele. Dies aber ist durchaus offenkundig für jeden, der sich auch nur ein wenig mit der Logik beschäftigt hat. Zweites Beispiel: Wenn du das Ding durch eine natür­liche Kraft darstellst, die es besitzt oder nicht besitzt, wie wenn du sagst, es sei weich oaer hart. Es ist in diesem Falle kein Unterschied, ob du sagst, etwas sei hart oder weich, oder ob du sagst, es sei stark oder schwach. Es sind dies alles physische Beschaffenheiten. Drittes Beispiel: Wenn du einen Mensehen durch eine in ihm bewirkte Qualität darstellst oder durch Affekte, wie wenn du sagst, der Betreffende sei aufgebracht oder zornig oder erschrocken oder barmherzig, insofern diese Eigenschaften nicht dauernde geworden sind. Und von dieser Gattung sind auch die Eigenschaften, wenn du das Ding nach seiner Farbe darstellst oder nach seinem Geschmack oder Geruch, oder wenn du von ihm sagst, es sei warm oder kalt, trocken oder feucht. Viertes Beispiel: Wenn du ein Ding durch etwas beschreibst, was ihm vom Gesichtspunkte der Quantität zukommt, insofern es eine Quantität ist, wie wenn du sagst, das Ding sei lang oder kurz, krumm oder gerade und dergleichen.

Betrachtest du nun alle diese und die ihnen ähnlichen Eigenschaften, so wirst du bemerken, dass sie alle in Beziehung auf Gott nicht ausgesagt werden können. Denn Gott besitzt keine Quantität, und es kann ihm keine Eigenschaft zukommen, die eine Quantität als solche in sich schließt. Er kann auch keine Einwirkung erleiden, als dass ihm die Eigenschaft des Affektes zukommen könnte. Er besitzt ferner keine Fähigkeiten, als dass ihm eine Kraft und dergleichen zukommen könnte. Er besitzt auch keine Seele, als dass er einen Seelenzustand haben und ihm Fähigkeiten oder Anlagen zukommen könnten wie Demut, Scham und dergleichen und auch nichts von dem, was dem Beseelten zukommt, insofern es eine Seele hat, nämlich Gesundheit oder Krankheit. Es ist dir also klar, dass bei Gott keine Eigenschaft vorhanden sein kann, die zur obersten Kategorie der Qualität gehört. Es ist somit bereits bewiesen, dass diese drei Gruppen von Aussagen in Beziehung auf Gott nicht anwendbar sind, und zwar diejenigen, die das Wesen oder einen Teil des Wesens oder eine gewisse in dem Wesen vor­handene Qualität bezeichnen; denn sie alle bezeichnen eine Zusammensetzung, von der wir zu beweisen gedenken, dass sie in Beziehung auf Gott nicht ausgesagt werden kann. Des­halb sagen wir von Gott, dass er eine vollkommene Einheit ist.

Die vierte Gruppe der Eigenschaften ist die, durch welche ein Ding in seiner Beziehung zu einem anderen Dinge darge­stellt wird, indem man es zu einer bestimmten Zeit, zu einem bestimmten Ort oder zu irgend einem Einzelding in Beziehung bringt, wie wenn du z. B. Ruben bezeichnest als den Vater des A, oder als Genossen des B, oder als denjenigen, der an dem und dem Ort gewohnt oder in der und der Zeit gelebt habe. Diese Art von Eigenschaften bedingt allerdings nicht eine Vielheit oder eine Veränderung im Wesen des damit Dargestellten. Denn dieser Ruben, der auf die oben angegebene Art bezeichnet wurde, kann zugleich der Genosse Simons, der Vater Henochs, der Herr Levis, der Freund Judas sein, und in einem Hause da und da wohnen und im Jahre so und so viel geboren sein. Diese Beziehungsverhältnisse machen aber sein Wesen nicht aus und sind auch nicht wie die Qualitäten etwas in seinem Wesen. Es könnte somit auf den ersten Blick scheinen, dass es begründet sei, Gott. mit Eigenschaften dieser Art zu be­zeichnen. Allein wenn man sich um die Wahrheit bemüht und sorgfältig nachdenkt, wird es klar, dass dies unmöglich ist. In der Tat gibt es keine Beziehung zwischen Gott und der Zeit oder zwischen Gott und dem Raume. Dies ist auch einleuch­tend. Denn die Zeit ist ein mit der Bewegung verbundenes Akzidens, insofern man bei ihr ein Vorher oder Nachher wahrnehmen kann und sie gezählt werden kann, wie an den für diesen Gegenstand vorbehaltenen Stellen dargelegt werden wird. Die Bewegung aber gehört zu den Begriffsmerkmalen der Körper. Gott aber ist kein Körper, und es gibt keine Be­ziehung zwischen ihm und der Zeit. Und ebenso besteht keine Beziehung zwischen Gott und dem Raume. Allerdings aber ist eine Gelegenheit zu untersuchen und zu forschen, ob es zwischen Gott und einem der von ihm geschaffenen Dinge, die zu den Substanzen gehören, irgendeine Art von wirklicher Beziehung geben kann, in der Weise, dass man Gott durch sie darstellen könnte. Dass es aber ein wahres gegenseitiges Verhältnis zwischen Gott und einem der von ihm er­schaffenen Dinge nicht geben kann, ist auch den Anfängern im Denken klar. Denn die Eigentümlichkeit zweier im Gegen­seitigkeitsverhältnisse stehenden Dinge ist die, dass sie mit­einander gleichwertig vertauscht werden können. Nun aber kommt Gott, wie wir zeigen werden, ein notwendiges, allen Wesen außer ihm jedoch nur ein mögliches Sein zu. Somit kann es eine gegenseitige Beziehung zwischen Gott und ihnen nicht geben H). Dass aber irgendeine Beziehung zwischen ihm und ihnen bestehe, halten manche für möglich. Es ist aber dennoch nicht möglich. Ist es doch unmöglich, sich ein Verhältnis zwischen Vernunft und Farbe vorzustellen, obgleich sie beide unserer Ansicht nach von einem und demselben Sein umfasst werden. Wie kann man sich also eine Beziehung vorstellen zwischen zwei Dingen, zwischen denen es schlechterdings kein Ding gibt, welches das eine mit dem andern in irgendeiner Weise umfassen könnte? Denn der Ausdruck »Dasein« kann nach unserer Ansicht, wenn er zugleich von Gott und von irgendetwas außer ihm gebraucht wird, doch nur in durchaus homonymer Weise angewendet werden. Ist dem aber so, so gibt es in Wahrheit durchaus keine Beziehung zwischen Gott und irgendeinen der von ihm erschaffenen Dinge.

Denn eine Beziehung kann in der Tat notwendig immer nur zwischen zwei Dingen bestehen, die einer Art im engsten Sinn angehören; tatsächlich aber besteht, wenn sie nur derselben Gattung unterstehen, zwischen ihnen keine Beziehung. Deshalb kann man ja auch nicht sagen: Dieses Rot ist stärker wie dieses Grün, oder es ist schwächer oder gleich stark als dieses Grün, obgleich beides unter denselben Gattungsbegriff fällt, nämlich unter den der Farbe. Vollends aber, wenn zwei Dinge zwei verschiedenen Gattungen angehören, besteht zweifellos zwischen ihnen in keiner Hinsicht eine Beziehung, selbst nicht für das einfache Denken des gewöhnlichen Men­schenverstandes, wenn sie auch unter einen und denselben obersten Begriff fallen. So z. B. wird kein Mensch darüber im Zweifel sein, dass es keine Beziehung gibt zwischen hundert Ellen und der Schärfe des Pfeffers; denn das eine gehört in die Kategorie der Qualität, das andere in die der Quantität. Ebenso gibt es auch keine Beziehung zwischen Weisheit und Süßigkeit oder zwischen Bescheidenheit und Bitterkeit, ob­gleich alle diese zur obersten Kategorie der Qualität gehören. Wie könnte nun wohl eine Beziehung bestehen zwischen Gott und irgendeinem der von ihm erschaffenen Dinge bei dem weiten Abstande der wahren Natur ihres Seins, der ein so großer ist, dass es neben ihm keinen weiteren geben kann? Bestünde aber zwischen ihnen eine Beziehung, so hätte dies notwendig zur Folge, dass Gott das Akzidens der Beziehung zukäme; und wenn dies auch nicht ein Akzidens in seinem Wesen bedeutet, so ist es doch immerhin im allgemeinen in· irgendeiner Hinsicht ein Akzidens. Man kann also in Wahrheit, wenn man Gott eine Eigenschaft positiv beilegt, und wäre es auch nur eine solche von Seiten der Beziehung, dem nicht entgehen, dass man von Gott etwas Unzulässiges aussagt. Allerdings ist diese Gruppe von Attributen noch die angemessenste unter allen, und man muss es nicht allzu strenge nehmen, wenn Gott mit einer solchen dargestellt wird, weil die Bezeichnung Gottes mit einer solchen nicht zur Folge hat, dass man eine Vielheit von ewigen Dingen annehmen muss, und weil sie auch nicht eine Veränderung im Wesen Gottes bedingt, die dadurch bewirkt wird, dass sich die auf Gott bezogenen Dinge ändern.

Die fünfte Gruppe der bejahenden Eigenschaften ist die, bei welcher das Ding durch seine Wirkung bezeichnet wird. Mit dem Ausdrucke »durch seine Wirkung« meine ich jedoch nicht eine in ihm vorhandene Fähigkeit zu einer Kunst, wie bei den Ausdrücken »Schreiner« oder »Schmied«, denn diese ge­hören, wie wir sagten, zur Art der Qualität; sondern ich meine damit die von ihm vollbrachte Wirkung, wie wenn man z. B. sagt: Ruben ist es, der diese Tür gemacht, diese Mauer gebaut oder dieses Kleid gewebt hat. Die Eigenschaften dieser Art haben mit dem Wesen des Dinges, welches mit ihnen in Beziehung gebracht wird, nichts zu schaffen, und deshalb ist es zulässig, sie von Gott auszusagen, nachdem du weißt, dass alle diese verschiedenartigen Wirkungen, wie gezeigt wer­den soll, nicht notwendig bedingen, dass sie durch mannigfache Zustände im Wesen des Bewirkenden hervorgebracht werden müssen, dass vielmehr alle die verschiedenartigen Werke Gottes nur durch sein Wesen, nicht aber, wie wir zeigen wollen, durch ein zu seinem Wesen hinzukommendes Ding vollbracht werden. Somit wird aus dem in diesem Kapitel Vorgebrachten klar werden, dass Gott von jedem Gesichtspunkte eine Einheit ist, dass es in ihm keine Vielheit gibt, und nichts, was zu seinem Wesen hinzugefügt werden könnte, dass die vielen, so ver­schiedenartigen Attribute, die sich in Beziehung auf Gott in den Büchern der Heiligen Schrift vorfinden, vom Gesichtspunkte seiner vielfachen Wirkungen, nicht aber wegen einer Vielfach­heit in seinem Wesen von ihm ausgesagt werden, und dass einige von ihnen, wie wir zeigten, dazu dienen, ihn in dem, was wir für Vollkommenheit halten, als vollkommen darzustellen. Allerdings ob es möglich ist, dass dies Eine und einfache Wesen, in welchem keine Vielheit ist, verschiedenartige Werke voll­bringen kann, soll später durch Beispiele klar gemacht werden.

Dreiundfünfzigstes Kapitel

Diejenigen, welche an das Dasein der Eigenschaften Gottes glauben, sind zu diesem Glauben durch etwas veranlaßt worden, was dem ähnlich ist, welches die Anhänger der Körperlichkeit Gottes bestimmt hat, an diese zu glauben. Wer an die Körper­lichkeit Gottes glaubt, den hat nicht die Forschung seines Ver­standes dazu gebracht, sondern der Umstand, dass er der wört­lichen Auffassung des Schriftwortes folgte. Und so verhält es sich auch mit den Eigenschaften Gottes. Da es in den Propheten­büchern und sogar in den Büchern des Pentateuchs vorkommt, dass die Propheten Gott mit Eigenschaften darstellen, nahmen diese Leute solche Stellen in wörtlicher Bedeutung und gelangten so zu dem Glauben, dass Gott Eigenschaften besitze. Sie hielten ihn also gewissermaßen für ein über der Körperlichkeit erha­benes Wesen, nicht aber für ein solches, welches über die Zu­stände des Körperlichen erhaben ist, nämlich über die Akzidenzien, d. i. die Beschaffenheiten der Seele, welche ja durchaus Qualitäten sind. Du wirst auch bemerken, dass jede Eigen­schaft, von welcher die Anhänger der Eigenschaften annehmen, dass sie zum Wesen Gottes gehören, ihrer wirklichen Bedeutung nach Qualitäten sind, wenn auch die Propheten dies nicht aus­drücklich sagen, ähnlich wie sie es in betreff der Zustände jedes beseelten, lebenden Körpers zu tun pflegen. Für all dieses aber gilt der Grundsatz: Die heilige Schrift spricht nach der Aus­drucksweise der Menschen. Allerdings hat man bei allen diesen Eigenschaften im Sinne, Gott eine Vollkommenheit beizulegen, nicht aber eben denselben Zustand, der für die beseelten er­schaffenen Dinge als Vollkommenheit gilt. Viele dieser Eigen­schaften aber sind Bezeichnungen seiner verschiedenartigen Wirkungen. Aber wenn auch die Wirkungen Gottes mannig­faltig sind, müssen deshalb nicht notwendig mannigfache Eigenschaften in Gott wirklich vorhanden sein.

Ich will dir nun hier ein Beispiel aus den bei uns vorhandenen Dingen anführen, nämlich ein Beispiel dafür, dass das Bewir­kende wohl nur Eines ist, dass aber von ihm, wenn es auch nicht ein mit Willen begabtes ist, verschiedene Wirkungen not­wendig verursacht werden, und dies musste um so mehr der Fall sein, wenn es ein mit seinem Willen Wirkendes ist. Dieses Beispiel ist das Feuer, welches manche Dinge zerschmelzen, andere gerinnen macht, welches sowohl kocht als auch ver­brennt, manche Dinge weiß und manche andere wieder schwarz macht. Wenn nun jemand vom Feuer aussagen würde, es sei das, welches weiß macht, welches schwärzt, welches verbrennt, kocht, welches gerinnen und schmelzen macht, so sagte er wohl die Wahrheit; aber jeder, welcher die Natur des Feuers nicht kennt, könnte glauben, dass im Feuer sechs verschiedene Dinge enthalten sind, ein Ding, wodurch es schwärzt, ein zweites, wodurch« es weiß macht, ein drittes, wodurch es kocht, ein viertes, wodurch es verbrennt, ein fünftes, wodurch es schmelzt, und ein sechstes, wodurch es härtet, weil ja diese Wirkungen alle einander entgegengesetzt sind, und keine von ihnen den nämlichen Begriff wie die anderen hat. Wer aber die Natur des Feuers kennt, der weiß, dass es alle diese Wirkungen nur durch eine einzige wirkende Qualität hervorbringt, nämlich durch seine Wärme. Wenn dies nun schon der Fall ist bei dem, was die Natur vollbringt, um wieviel mehr muss dies gelten von dem mit seinem Willen Wirkenden, und insbesondere von Gott, der über jede Schilderung erhaben ist? Wie können wir also, weil wir in uns selbst Beziehungen von verschiedener Be­deutung erkennen – denn der Begriff der Weisheit in uns ist nicht identisch mit dem der Macht, dieser wiederum nicht identisch mit dem des Wissens -, wie können wir also daraus schließen, dass in Gott verschiedene zu seinem Wesen gehörende Begriffe vorhanden sind, so dass er eine Eigenschaft besäße, vermöge welcher er erkennt, eine andere, vermöge welcher er will, und eine dritte, vermöge welcher er Macht ausübt? Denn dies ist ja die Bedeutung der Eigenschaften, die man von ihm aussagt. Einige sagen dies sogar ausdrücklich und zählen die Eigenschaften auf, die zum Wesen Gottes hinzu­kommen; andere hingegen sagen es wohl nicht ausdrücklich, sagen aber doch deutlich, dass sie daran glauben, wenn sie es auch nicht mit verständlichen Worten ausdrücken. So z. B. sagen einige: Gott ist seinem Wesen nach allmächtig, seinem Wesen nach weise, er lebt und will seinem Wesen nach.

Ich will aber auch ein Beispiel geben von dem im Menschen vorhandenen rationellen Vermögen, welches doch nur eine einzige Kraft ist und bei welchem es keine Vielheit gibt, mittelst dessen aber dennoch der Mensch alle Wissenschaften und Künste erlernen, mittelst dessen er, obwohl es das nämliche ist, nähen, sägen, weben und bauen wie auch Geometrie erlernen und einen Staat regieren kann. Und alle diese verschieden­artigen Wirkungen sind notwendig verursacht von einer ein­zigen und einfachen Kraft, bei der es keine Vielheit gibt.

Und diese verschiedenen Wirkungen sind überaus zahlreich, so dass sie kaum gezählt werden können, nämlich die Wir­kungen, welche das rationelle Vermögen hervorbringt. Und somit ist es auch in Beziehung auf Gott nicht undenkbar, dass alle diese mannigfachen Wirkungen von dem einzigen und ein­fachen Wesen herrühren können, in welchem es durchaus keine Vielheit und kein zu ihm Hinzukommendes geben kann.

Somit sind alle Eigenschaften Gottes, die in den göttlichen Büchern vorkommen, Darstellungen seiner Wirksamkeit, nicht aber Attribute seines Wesens, oder sie bezeichnen seine absolute Vollkommenheit. Diese Attribute, die in der Tora vorkommen, bedeuten aber nicht, dass Gott ein Wesen be­sitze, welches aus verschiedenen Dingen zusammengesetzt ist. Denn dadurch, dass die Anhänger der Attribute das Wort »Zusammensetzung« nicht zulassen, wird doch sein Begriff nicht aufgehoben, wenn sie eine Substanz annehmen, welche Attribute hat.

Nur ist hier eine Stelle, die den Zweifel verursacht, der sie zu diesem Irrtum geführt hat. Diese will ich dir jetzt deutlich machen. Diejenigen nämlich, welche an die Attribute glauben, glauben an diese nicht wegen der vielen Wirkungen Gottes, sondern sie bekennen der Wahrheit gemäß, dass das Eine Wesen mannigfache Wirkungen vollbringen kann. Sie sagen aber, dass die zum Wesen Gottes gehörenden Eigenschaften sich nicht auf seine Wirkungen beziehen können; denn es sei un­denkbar, zu glauben, dass Gott sich selbst erschaffen habe. Sie sind aber in betreff dieser Eigenschaften, die sie Wesens­eigenschaften nennen, miteinander uneinig, nämlich in betreff ihrer Zahl, denn sie richten sich hierin jeder nach irgendeiner Schriftstelle. Ich will dir nun diejenigen Eigenschaften an­führen, in betreff deren sie alle übereinstimmen, von denen sie aber glauben, dass sie sich aus dem Denken ergeben und dass sie sich bei ihrer Annahme nicht nach den Worten eines Propheten richten. Es sind folgende vier: Er lebt, er ist allmächtig, er ist allweise und er will. Sie sagen ferner: Es ist undenkbar, dass auch nur das Geringste von diesen verschiedenen Dingen und Vollkommenheiten in Gott nicht vorhanden sei, ebenso wie es unmöglich ist, dass diese zu seinen Wirkungen gehören. Dies also ist ihre deutlich ausgesprochene Ansicht.

Du musst aber wissen, dass der Begriff der Weisheit in Gott mit dem des Lebens identisch ist, da jeder, der sich selbst kennt, vorausgesetzt, dass wir unter Weisheit Erkenntnis un­serer selbst verstehen, zugleich mittelst eines und desselben Dinges lebendig und weise ist, da ohne Zweifel das erkennende Wesen selbst auch das erkannte ist«). Denn unserer Ansicht nach ist Gott nicht aus zwei Dingen zusammengesetzt, aus einem Dinge, welches denkt, und einem anderen, welches nicht denkt, wie der Mensch, welcher aus einer denkenden Seele und einem nicht denkenden Körper zusammengesetzt ist. Wenn wir also mit dem Worte »weise« meinen, dass er sich selbst kennt, so müssen Weisheit und Leben in ihm ein und das­selbe Ding sein. Jene haben aber nicht diese Bedeutung im Sinne, sondern die, dass er seine Geschöpfe kennt. Ebenso verhält es sich zweifellos mit der Macht und dem Willen Gottes; denn keines von diesen ist in Gott in Hinsicht auf sein Wesen vorhanden, da er nicht über sich selbst mächtig ist und nicht von ihm ausgesagt werden kann, dass er sich selbst wolle – dies wäre ja etwas, was sich kein Mensch vorstellen kann; viel­mehr denkt man diese Eigenschaften tatsächlich vom Gesichts­punkte verschiedener Beziehungen zwischen Gott und seinen Geschöpfen, nämlich, dass er allmächtig ist, in dem Sinne, dass er das erschaffen kann, was er erschaffen hat, und dass er will, in dem Sinne, dass er das Seiende so ins Dasein rief, wie er es ins Dasein gerufen, und dass er das kennt, was er ins Dasein gerufen hat. Es ist dir also klar, dass auch diese Eigenschaften nicht in Hinsicht auf sein Wesen, sondern in Hinsicht auf die Geschöpfe von ihm ausgesagt werden können. Und deshalb müssen wir, die Gemeinschaft derer, die Gott in Wahrheit als Einzigen bekennen, sagen, dass wir ebenso wenig, als wir von Gott behaupten können, es sei etwas zu seinem Wesen Hinzukommendes, mittelst dessen er die Himmel, ein anderes, mittelst dessen er die Elemente, und ein drittes, mittelst dessen er die stofflosen Vernunftwesen erschaffen hat, von ihm aussagen können, es sei etwas zu seinem Wesen Hinzukommendes, vermöge dessen er mächtig ist, ein anderes, vermöge dessen er will, und ein drittes, vermöge dessen er die von ihm er­schaffenen Dinge kennt; vielmehr ist sein Wesen ein einziges, einfaches, zu welchem durch aus nichts hinzukommt, und dieses Wesen hat alles Er­schaffene hervor gebracht und kennt es, aber keines­wegs durch etwas, was zu ihm hinzugekommen ist. Es ist auch zwischen diesen verschiedenen Eigenschaften kein Unterschied, ob sie seine Wirkungen oder die Beziehungen zwischen ihm und den von ihm verursachten Dingen betreffen, da gemäß dem, was wir vom Wesen der Beziehung gesagt haben, die Beziehungen Gottes zu den von ihm geschaffenen Dingen nur im Denken der Menschen vorhanden sind. Dies ist es, was man von den in den Prophetenbüchern angeführten Eigenschaften Gottes notwendig zu glauben hat, oder man muss glauben, dass manche von ihnen Attribute sind, mit denen die Propheten auf seine Vollkommenheit hinweisen, entsprechend dem, was wir als Vollkommenheit betrachten, wie wir noch dar­zulegen gedenken.


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