Mischna Berachot

Mischnah Berachot – Kapitel 4

Zeiten für das Morgen-, das Nachmittag-, das Abend-Gebet und die Zusatzgebete; ob man die Schmoneh Essre auch im Auszuge beten darf und unter welchen Umständen; Beten an einem gefährlichen Ort, beim Reiten oder Fahren; vom Zusatzgebet.

1.

Das Morgengebet ist Pflicht bis Mittag. R. Jehuda sagt: Bis vier Stunden. Das Mincha-Gebet bis zum Abend. R. Jehuda sagt: Bis zur Hälfte des Mincha. Das Abendgebet hat keine bestimmte Zeit; das von Mussaf darf man den ganzen Tag verrichten. (R. Jehuda sagt: Bis sieben Stunden).

2.

R.Nechunja ben Hakkana verrichtete gewöhnlich bei seinem Eintritt in das Lehrhaus und beim Herausgehen ein kurzes Gebet. [siehe unten]
Man fragte ihn: Was für Bewandtnis hat es mit diesem Gebete?
Er erwiderte:
Bei meinem Eintritt bete ich, dass kein Irrtum durch mich veranlasst werde; und bei meinem Weggehen danke ich HaSchem für meinen Beruf.

Das kurze Gebet

Im Talmud wird der gesamte Text dieses Gebets wiedergegeben. Siehe Berachot 29b:

ת“ר
בכניסתו מהו אומר
יהי רצון מלפניך ה‘ אלהי שלא יארע דבר תקלה על ידי ולא אכשל בדבר הלכה וישמחו בי חברי ולא אומר על טמא טהור ולא על טהור טמא ולא יכשלו חברי בדבר הלכה ואשמח בהם
ביציאתו מהו אומר
מודה אני לפניך ה‘ אלהי ששמת חלקי מיושבי בית המדרש ולא שמת חלקי מיושבי קרנות שאני משכים והם משכימים אני משכים לדברי תורה והם משכימים לדברים בטלים אני עמל והם עמלים
אני עמל ומקבל שכר והם עמלים ואינם מקבלים שכר
אני רץ והם רצים
אני רץ לחיי העולם הבא והם רצים לבאר שחת:

Die Rabbanan haben gelehrt:
Was spricht er beim Eintreten?
Es möge dein Wille sein, mein Herr und G-tt, dass durch mich nichts anstößiges komme und dass ich in einer Halachah nicht anstoße und dass meine Chawerim sich darüber freuen, dass ich nichts »Unreines« »Rein« und nichts »Reine« »Unrein« spreche; dass auch meine Chawerim in keiner Halachah anstoßen und dass ich mich freue. Was spricht er beim Herausgehen? Ich danke dir, Herr, mein G-tt, dass Du mir meinen Teil unter denen zugewiesen hast, die im Lehrhaus sitzen und nicht unter denen, die an den Ecken sitzen. Ich und sie stehen früh auf, ich aber zur Torah und sie zu eitlen Dingen. Ich und sie arbeiten; ich aber bekomme für meine Arbeit eine Belohnung und sie keine. Ich und sie laufen, ich aber zum ewigen Leben und sie zur Grube des Verderbens.

Richtung Jeruschalajim/Jerusalem

Die Tosefta (Berachot 3,16) gibt weitere Anweisungen dazu, in welche Richtung man beten sollte:

סוֹמֵא וּמִי שֶׁאֵינוֹ יָכוֹל לְכַוֵּין אֶת הָרוּחוֹת מְכַוְּונִין לִיבָּם לַמָּקוֹם וּמִתְפַּלְּלִין שֶׁנֶּאֱמַר וְהִתְפַּלְּלוּ אֶל ה‘.
הָעוֹמְדִים בְּחוּצָהלָאָרֶץ מְכַוְּונִין אֶת לִיבָּם כְּנֶגֶד אֶרֶץ יִשְׂרָאֵל וּמִתְפַּלְּלִין שֶׁנֶּאֱמַר וְהִתְפַּלְּלוּ אֵלֶיך דֶּרֶך אַרְצָם.
הָעוֹמְדִים בְּאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל מְכַוְּונִין לִיבָּם כְּנֶגֶד יְרוּשָׁלַיִם וּמִתְפַּלְּלִין שֶׁנֶּאֱמַר וְהִתְפַּלְּלוּ אֶל ה‘ דֶּרֶךְ הָעִיר אֲשֶׁר בָּחַרְתָּ בָּה. הָעוֹמְדִים בִּירוּשָׁלַיִם מְכַוְּונִין אֶת לִיבָּם כְּנֶגֶד בֵּית הַמִּקְדָּש וּמִתְפַּלְּלִין
שֶׁנֶּאֱמַר וְהִתְפַּלְּלוּ אֶל הַבַּית הַזֶּה.
הָעוֹמְדִים בַּמִּקְדָּש מְכַוְּונִין אֶת לִיבָּם כְּנֶגֶד בֵּית קָדְשֵׁי הָקֳּדָשִׁים וּמִתְפַּלְּלִין
שֶׁנֶּאֱמר יתְפַּלְּלוּ אֶל הַמָּקוֹם הַזֶּה.
נִמְצְאוּ הָעוֹמְדִין לַצָּפוֹן פְּנֵיהֶם לַדָּרוֹם
הָעוֹמְדִים בַּדָּרוֹם פְּנֵיהֶם לַצָּפוֹן
הָעוֹמְדִים בַּמִּזְרָח פְּנֵיהֶם לַמַּ עֲרָב
הָעוֹמְדִים לַמַּעֲרָב פְּנֵיהֶם לַמִּזְרָח
וְנִמְצְאו כָּל יִשְׂרָאֵל מִתְפַּלְּלִין
לְמָקוֹם אֶחָד.

Jemand, der blind ist, oder die Richtungen nicht weiß, sollte sein Herz zu G-tt richten und beten, wie es heißt »Und sie sollen zu HaSchem beten…« (1. Könige 8,44). Diejenigen, die außerhalb des Landes Israel stehen, sollten ihre Herzen Richtung Israel richten und dann beten, wie es heißt »die zu dir beten, zum Land hingewendet« (1. Könige 8,48). Diejenigen, die im Land Israel stehen, richten ihre Herzen Richtung Jeruschalajim und dann beten, wie es heißt »die zu dir beten, zur Stadt hingewendet, die du auerwählt hast« (1. Könige 8,44). Diejenigen, die in Jeruschalajim stehen, sollten ihre Herzen Richtung Tempel richten, wie es heißt »und sollen beten zu diesem Haus hin« (2. Chronik 6,32). Diejenigen, die im Tempel stehen, richten ihre Herzen in Richtung des Allerheiligsten, wie es heißt »und sie zu diesem Ort beten« (1. Könige 8,30). Diejenigen im Süden, werden nach Norden schauen, die im Osten schauen nach Westen und die im Westen werden nach Osten schauen und ganz Israel wird in Richtung eines einzigen Ortes beten.

3.

R.Gamliel sagt: Jeden Tag betet man die achtzehn Segenssprüche, R. Josua sagt: Den Inhalt der achtzehn R. Akiba sagt: Wem das Gebet geläufig ist, der bete die achtzehn; wenn nicht, dann nur den Inhalt der achtzehn.

4.

R. Elieser sagt: Wer sein Gebet nur als eine festgesetzte Pflicht betrachtet, dessen Gebet ist kein andächtiges Flehen.— R. Josua sagt: Wer an einen gefährlichen Ort geht, verrichte ein kurzes Gebet, er sage: Hilf, o HaSchem! deinem Volke, dem Überreste Israels; auf jedem Scheidewege seien ihre Bedürfnisse vor dir! Gelobt seist du HaSchem, Erhörer des Gebetes!

5.

Wer auf einem Esel reitet, steige ab; wenn er nicht absteigen kann, wende er sein Angesicht; und wenn er sein Angesicht nicht wenden kann, richte er seinen Sinn gegen das Allerheiligste (des Tempels zu Jerusalem). [zur Richtung, siehe unten die Tosefta]

6.

Wer auf einem Schiff sitzt, oder auf einem Karren, oder auf einem Floß,(And.: Wagen), richte seinen Sinn nach dem Allerheiligsten.

7.

R.Elasar b. Asarja sagt: Das Mussafgebet wird nur verrichtet in einer Gemeindeversammlung der Stadt. Die Weisen sagen: Mit und ohne Gemeindeversammlung. R. Je-huda sagt im Namen des R. Elasar: überall, wo eine Stadtversammlung sich befindet, ist der Einzelne frei vom Mussafgebet.