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Hilchot Teschuwah in deutscher Übersetzung

Kapitel 1

§ 1

כָּל מִצְוֹת שֶׁבַּתּוֹרָה בֵּין עֲשֵׂה בֵּין לֹא תַּעֲשֶׂה אִם עָבַר אָדָם עַל אַחַת מֵהֶן בֵּין בְּזָדוֹן בֵּין בִּשְׁגָגָה כְּשֶׁיַּעֲשֶׂה תְּשׁוּבָה וְיָשׁוּב מֵחֶטְאוֹ חַיָּב לְהִתְוַדּוֹת לִפְנֵי הָאֵל בָּרוּךְ הוּא שֶׁנֶּאֱמַר (במדבר ה ו) „אִישׁ אוֹ אִשָּׁה כִּי יַעֲשׂוּ“ וְגוֹ‘ (במדבר ה ז) „וְהִתְוַדּוּ אֶת חַטָּאתָם אֲשֶׁר עָשׂוּ“ זֶה וִדּוּי דְּבָרִים. וִדּוּי זֶה מִצְוַת עֲשֵׂה. כֵּיצַד מִתְוַדִּין. אוֹמֵר אָנָּא הַשֵּׁם חָטָאתִי עָוִיתִי פָּשַׁעְתִּי לְפָנֶיךָ וְעָשִׂיתִי כָּךְ וְכָךְ וַהֲרֵי נִחַמְתִּי וּבֹשְׁתִּי בְּמַעֲשַׂי וּלְעוֹלָם אֵינִי חוֹזֵר לְדָבָר זֶה. וְזֶהוּ עִקָּרוֹ שֶׁל וִדּוּי. וְכָל הַמַּרְבֶּה לְהִתְוַדּוֹת וּמַאֲרִיךְ בְּעִנְיָן זֶה הֲרֵי זֶה מְשֻׁבָּח. וְכֵן בַּעֲלֵי חַטָּאוֹת וַאֲשָׁמוֹת בְּעֵת שֶׁמְּבִיאִין קָרְבְּנוֹתֵיהֶן עַל שִׁגְגָתָן אוֹ עַל זְדוֹנָן אֵין מִתְכַּפֵּר לָהֶן בְּקָרְבָּנָם עַד שֶׁיַּעֲשׂוּ תְּשׁוּבָה וְיִתְוַדּוּ וִדּוּי דְּבָרִים שֶׁנֶּאֱמַר (ויקרא ה ה) „וְהִתְוַדָּה אֲשֶׁר חָטָא עָלֶיהָ“. וְכֵן כָּל מְחֻיְּבֵי מִיתוֹת בֵּית דִּין וּמְחֻיְּבֵי מַלְקוֹת אֵין מִתְכַּפֵּר לָהֶן בְּמִיתָתָן אוֹ בִּלְקִיָּתָן עַד שֶׁיַּעֲשׂוּ תְּשׁוּבָה וְיִתְוַדּוּ. וְכֵן הַחוֹבֵל בַּחֲבֵרוֹ וְהַמַּזִּיק מָמוֹנוֹ אַף עַל פִּי שֶׁשִּׁלֵּם לוֹ מַה שֶּׁהוּא חַיָּב לוֹ אֵינוֹ מִתְכַּפֵּר עַד שֶׁיִּתְוַדֶּה וְיָשׁוּב מִלַּעֲשׂוֹת כָּזֶה לְעוֹלָם שֶׁנֶּאֱמַר (במדבר ה ו) „מִכָּל חַטֹּאת הָאָדָם“:

[Die Pflicht bei der Teschuwa ein Sündenbekenntnis abzulegen]
Alle Vorschriften der heiligen Schrift, seien es Gebote oder Verbote — erheischen, dass Derjenige, Der, sei es wissentlich, oder ohne es zu wissen, sich eine Übertretung derselben zu Schulden kommen lässt, und dieselbe nachher bereut, vor Gott, gelobt sei Er, ein Bekenntnis derselben ablege; denn es heißt (Num. 5:6-7): »Wenn ein Mann, oder eine Frau etwas tut u. s. w., so müssen sie die Sünde (Awera), die sie begangen, vor Gott bekennen«. Dies deutet nun auf ein mündliche Sündenbekenntnis, weshalb dieselbe auch Gebots-Vorschrift ist. — Man legt das Sündenbekenntnis folgendermaßen ab:
»Ich flehe Dich an, o Ewiger; ich habe gefehlt, bin abgewichen, habe übertreten (die Gebote) vor Deinem Angesichte; ich habe dies und jenes getan. —Jetzt aber bereue ich es, schäme mich meiner Missetaten, und werde niemals dergleichen wieder begehen.«
Dieses ist die Grundlage des Sündenbekenntnisses; wer aber seine Bekenntnisse noch mehr ausdehnt, und sich bei dieser Handlung länger verweilt, ein Solcher ist nur zu loben. Ebenso haben auch alle Diejenigen, welche Sünd- und Schuldopfer darbringen, durch das bloße Opfer keine Vergebung ihrer wissentlichen Vergehen zu gewärtigen, so lange sie nicht Buße (Teschuwa) getan und ihre Sündenbekenntnisse ausgesprochen haben, wie es auch geschrieben steht: »Und er soll bekennen beim Opfer, was er gefehlt« (Lev. 5:5). In gleicher Weise wird allen Denjenigen, welche den Tod durch das Gericht verwirkt, oder eine Züchtigung (Malkot) verdient haben, durch die bloßes Züchtigung noch keine Verzeihung erwirkt, bevor sie nicht Teschuwa getan und ihr Bekenntnis abgelegt haben. Ebenso wird Demjenigen, der seinem Nächsten Schaden an seinem Leibe oder Vermögen zufügt, wenn er ihn auch nachher dafür entschädigt, dennoch nicht verziehen, es sei denn, dass er zugleich seine Sünden bekennt und als Büßender den festen Vorsatz fasst, nie wieder dergleichen zu begehen; wie auch auch geschrieben steht: »Über alle Vergehen der Menschen«… (Num. 5:6).

§ 2

שָׂעִיר הַמִּשְׁתַּלֵּחַ לְפִי שֶׁהוּא כַּפָּרָה עַל כָּל יִשְׂרָאֵל כֹּהֵן גָּדוֹל מִתְוַדֶּה עָלָיו עַל לְשׁוֹן כָּל יִשְׂרָאֵל שֶׁנֶּאֱמַר (ויקרא טז כא) „וְהִתְוַדָּה עָלָיו אֶת כָּל עֲוֹנֹת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל“. שָׂעִיר הַמִּשְׁתַּלֵּחַ מְכַפֵּר עַל כָּל עֲבֵרוֹת שֶׁבַּתּוֹרָה, הַקַּלּוֹת וְהַחֲמוּרוֹת, בֵּין שֶׁעָבַר בְּזָדוֹן בֵּין שֶׁעָבַר בִּשְׁגָגָה, בֵּין שֶׁהוֹדַע לוֹ בֵּין שֶׁלֹּא הוֹדַע לוֹ, הַכּל מִתְכַּפֵּר בְּשָׂעִיר הַמִּשְׁתַּלֵּחַ. וְהוּא שֶׁעָשָׂה תְּשׁוּבָה. אֲבָל אִם לֹא עָשָׂה תְּשׁוּבָה אֵין הַשָּׂעִיר מְכַפֵּר לוֹ אֶלָּא עַל הַקַּלּוֹת. וּמַה הֵן הַקַּלּוֹת וּמַה הֵן הַחֲמוּרוֹת. הַחֲמוּרוֹת הֵן שֶׁחַיָּבִין עֲלֵיהֶם מִיתַת בֵּית דִּין אוֹ כָּרֵת. וּשְׁבוּעַת שָׁוְא וָשֶׁקֶר אַף עַל פִּי שֶׁאֵין בָּהֶן כָּרֵת הֲרֵי הֵן מִן הַחֲמוּרוֹת. וּשְׁאָר מִצְוֹת לֹא תַּעֲשֶׂה וּמִצְוֹת עֲשֵׂה שֶׁאֵין בָּהֶן כָּרֵת הֵם הַקַּלּוֹת:

[Der Sündenbock]
Bei der Abschickung des Sündenbocks hatte der Hohepriester das Sünden-Bekenntnis im Namen des ganzen Israelitischen Volks abzulegen, weil diese Handlung als Sühnopfer für die Gesamtheit desselben galt; wie auch geschrieben steht: »Er soll über ihn das Bekenntnis aller Sünden der Kinder Israels ablegen«, (Lev. 16:21). Durch diesen, in die Wüste abgeschickten Sündenbock, wurden alle Gesetzesübertretungen, deren in der Tora Erwähnung geschieht, gesühnt, mochten es nun leichte oder schwere, vorwissentlich oder ohne Wissen begangene sein und solche, deren man sich bei jener Handlung schon bewusst war, oder auch nicht. Jedoch ward nur Demjenigen Verzeihung zu Teil, der bei dieser Gelegenheit auch Teschuwa getan. Demjenigen aber, der keine Teschuwa getan, wurden durch den Sündenbock nur die leichten Sünden vergeben. Leichte und schwere Sünden werden aber folgendermaßen eingeteilt. Schwere Sünden sind diejenigen, auf welche die Hinrichtung, oder der frühe Tod durch die Vorsehung steht; dergleichen ein falscher Schwur und eine Lüge, obgleich darauf kein früher Tod durch die Vorsehung steht. Leichte Sünden hingegen sind Übertretungen, oder Unterlassungen aller Gebots- oder Verbots-Vorschriften, auf welche kein früher Tod steht.

§ 3

בַּזְּמַן הַזֶּה שֶׁאֵין בֵּית הַמִּקְדָּשׁ קַיָּם וְאֵין לָנוּ מִזְבַּח כַּפָּרָה אֵין שָׁם אֶלָּא תְּשׁוּבָה. הַתְּשׁוּבָה מְכַפֶּרֶת עַל כָּל הָעֲבֵרוֹת. אֲפִלּוּ רָשָׁע כָּל יָמָיו וְעָשָׂה תְּשׁוּבָה בָּאַחֲרוֹנָה אֵין מַזְכִּירִין לוֹ שׁוּם דָּבָר מֵרִשְׁעוֹ שֶׁנֶּאֱמַר (יחזקאל לג יב) „רִשְׁעַת הָרָשָׁע לֹא יִכָּשֶׁל בָּהּ בְּיוֹם שׁוּבוֹ מֵרִשְׁעוֹ“. וְעַצְמוֹ שֶׁל יוֹם הַכִּפּוּרִים מְכַפֵּר לַשָּׁבִים שֶׁנֶּאֱמַר (ויקרא טז ל) „כִּי בַיּוֹם הַזֶּה יְכַפֵּר עֲלֵיכֶם“:

[Sühne der Sünden]
In unseren Tagen, wo kein Tempel mehr existiert und wir keinen Sühnealtar besitzen, ist uns nur die Teschuwa geblieben. Die Teschuwa aber sühnt aller Übertretungen und selbst Demjenigen, der sein ganzen Leben lang ein Bösewicht gewesen wäre und nur zuletzt Teschuwa täte, würde im Himmel seiner früheren Sünden nicht gedacht; wie es geschrieben steht: (Ezechiel 33:12) »Und der Sünder wird nicht seiner Sünden wegen straucheln, an dem Tage, wo er Buße tut«. Die Eigentümlichkeit des Versöhnungstages besteht darin, dass an demselben, dem Teschuwa Tuenden Vergebung zu Teil wird, wie es geschrieben steht (Lev. 16:30): »Denn an diesem Tage wird er euch verzeihen«.

§ 4

אַף עַל פִּי שֶׁהַתְּשׁוּבָה מְכַפֶּרֶת עַל הַכּל וְעַצְמוֹ שֶׁל יוֹם הַכִּפּוּרִים מְכַפֵּר. יֵשׁ עֲבֵרוֹת שֶׁהֵן מִתְכַּפְּרִים לִשְׁעָתָן וְיֵשׁ עֲבֵרוֹת שֶׁאֵין מִתְכַּפְּרִים אֶלָּא לְאַחַר זְמַן. כֵּיצַד. עָבַר אָדָם עַל מִצְוַת עֲשֵׂה שֶׁאֵין בָּהּ כָּרֵת וְעָשָׂה תְּשׁוּבָה אֵינוֹ זָז מִשָּׁם עַד שֶׁמּוֹחֲלִין לוֹ, וּבְאֵלּוּ נֶאֱמַר (ירמיה ג כב) „שׁוּבוּ בָּנִים שׁוֹבָבִים אֶרְפָּה מְשׁוּבֹתֵיכֶם“ וְגוֹ‘. עָבַר עַל מִצְוַת לֹא תַּעֲשֶׂה שֶׁאֵין בָּהּ כָּרֵת וְלֹא מִיתַת בֵּית דִּין וְעָשָׂה תְּשׁוּבָה, תְּשׁוּבָה תּוֹלָה וְיוֹם הַכִּפּוּרִים מְכַפֵּר, וּבְאֵלּוּ נֶאֱמַר (ויקרא טז ל) „כִּי בַיּוֹם הַזֶּה יְכַפֵּר עֲלֵיכֶם“. עָבַר עַל כְּרֵתוֹת וּמִיתוֹת בֵּית דִּין וְעָשָׂה תְּשׁוּבָה, תְּשׁוּבָה וְיוֹם הַכִּפּוּרִים תּוֹלִין וְיִסּוּרִין הַבָּאִין עָלָיו גּוֹמְרִין לוֹ הַכַּפָּרָה. וּלְעוֹלָם אֵין מִתְכַּפֵּר לוֹ כַּפָּרָה גְּמוּרָה עַד שֶׁיָּבוֹאוּ עָלָיו יִסּוּרִין, וּבְאֵלּוּ נֶאֱמַר (תהילים פט לג) „וּפָקַדְתִּי בְשֵׁבֶט פִּשְׁעָם וּבִנְגָעִים עֲוֹנָם“. בַּמֶּה דְּבָרִים אֲמוּרִים בְּשֶׁלֹּא חִלֵּל אֶת הַשֵּׁם בְּשָׁעָה שֶׁעָבַר אֲבָל הַמְחַלֵּל אֶת הַשֵּׁם אַף עַל פִּי שֶׁעָשָׂה תְּשׁוּבָה וְהִגִּיעַ יוֹם הַכִּפּוּרִים וְהוּא עוֹמֵד בִּתְשׁוּבָתוֹ וּבָאוּ עָלָיו יִסּוּרִין אֵינוֹ מִתְכַּפֵּר לוֹ כַּפָּרָה גְּמוּרָה עַד שֶׁיָּמוּת. אֶלָּא תְּשׁוּבָה יוֹם הַכִּפּוּרִים וְיִסּוּרִין שְׁלָשְׁתָּן תּוֹלִין וּמִיתָה מְכַפֶּרֶת שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה כב יד) „וְנִגְלָה בְאָזְנָי ה‘ צְבָאוֹת“ וְגוֹ‘ (ישעיה כב יד) „אִם יְכֻפַּר הֶעָוֹן הַזֶּה לָכֶם עַד תְּמֻתוּן“:

Obgleich aber die Teschuwa für Alles Vergebung erwirkt und das Wesen des Versöhnungstages ebenfalls zur Vergebung der Sünden beiträgt, so gibt es dennoch Verbrechen, welche bald und wieder andere, welche erst nach längerer Zeit verziehen werden; hat Jemand z.B. eine Gebotsvorschrift übertreten, auf welche kein früher Tod folgt und er bereut sie, so wird ihm auf der Stelle verziehen. Von solchen Fällen heißt es in der Schrift: »Kehret zurück (tut Teschuwa), ihr Kinder mit verkehrtem Herzen, Ich werde eure Verkehrtheit heilen« (Jer. 22:3), hat aber Jemand eine Verbotsvorschrift übertreten, worauf weder früher Tod noch Hinrichtung steht; und er bereut es, so wirkt die Teschuwa fort bis zum Versöhnungstage, wo ihm dann verziehen wird.— Von dergleichen Fällen heißt es in der Schrift: »Denn an diesem Tage wird Er euch verzeihen« (Lev. 16:30).
Hat aber Jemand solche Verbote übertreten, auf welche früher Tod oder Hinrichtung steht, und er bereut seine Sünde, so tuen die Teschuwa und der Versöhnungstag indes ihre Wirkung, aber erst die körperlichen Leiden, welche über ihn verhängt sind, machen die Verzeihung vollkommen. Niemals aber wird einem Solchen eine vollkommene Verzeihung zu Teil, bevor er von körperlichen Leiden heimgesucht worden. Von dergleichen Fällen heißt es: »Ich werde mit Ruten ihre Sünden ahnden und mit Plagen ihre Verbrechen« (Ps. 89:33).
Dieses Alles hat aber seine Gültigkeit nur dann, wenn der Name des Herrn bei Ausübung der Sünde nicht geschmäht worden war. Wer aber den Namen des Herrn geschändet, dem wird keine vollkommene Verzeihung zu Teil; wenn er auch Teschuwa tut, der Versöhnungstag herankommt, er ins seiner Reue beständig ist und körperliche Leiden über ihn kommen, so wird ihm dennoch keine Verzeihung, als nur durch den Tod. Nämlich Teschuwa, Versöhnungstag und körperliche Leiden tun ihre Wirkung, bis der Tod kommt und versöhnt; wie geschrieben steht: »Solches ist vor den Ohren des Herrn Zebaot offenbar. Was gilt es, ob euch diese Missetat soll vergeben werden, bis ihr sterbet? spricht der Herr Zebaoth.« (Jes. 22:14).

Kapitel 2

§ 1

אֵי זוֹ הִיא תְּשׁוּבָה גְּמוּרָה. זֶה שֶׁבָּא לְיָדוֹ דָּבָר שֶׁעָבַר בּוֹ וְאֶפְשָׁר בְּיָדוֹ לַעֲשׂוֹתוֹ וּפֵרַשׁ וְלֹא עָשָׂה מִפְּנֵי הַתְּשׁוּבָה. לֹא מִיִּרְאָה וְלֹא מִכִּשְׁלוֹן כֹּחַ. כֵּיצַד. הֲרֵי שֶׁבָּא עַל אִשָּׁה בַּעֲבֵרָה וּלְאַחַר זְמַן נִתְיַחֵד עִמָּהּ וְהוּא עוֹמֵד בְּאַהֲבָתוֹ בָּהּ וּבְכֹחַ גּוּפוֹ וּבַמְּדִינָה שֶׁעָבַר בָּהּ וּפָרַשׁ וְלֹא עָבַר זֶהוּ בַּעַל תְּשׁוּבָה גְּמוּרָה. הוּא שֶׁשְּׁלֹמֹה אָמַר (קהלת יב א) „וּזְכֹר אֶת בּוֹרְאֶיךָ בִּימֵי בְּחוּרֹתֶיךָ“. וְאִם לֹא שָׁב אֶלָּא בִּימֵי זִקְנוּתוֹ וּבְעֵת שֶׁאִי אֶפְשָׁר לוֹ לַעֲשׂוֹת מַה שֶּׁהָיָה עוֹשֶׂה אַף עַל פִּי שֶׁאֵינָהּ תְּשׁוּבָה מְעֵלָּה מוֹעֶלֶת הִיא לוֹ וּבַעַל תְּשׁוּבָה הוּא. אֲפִלּוּ עָבַר כָּל יָמָיו וְעָשָׂה תְּשׁוּבָה בְּיוֹם מִיתָתוֹ וּמֵת בִּתְשׁוּבָתוֹ כָּל עֲוֹנוֹתָיו נִמְחָלִין שֶׁנֶּאֱמַר (קהלת יב ב) „עַד אֲשֶׁר לֹא תֶחְשַׁךְ הַשֶּׁמֶשׁ וְהָאוֹר וְהַיָּרֵחַ וְהַכּוֹכָבִים וְשָׁבוּ הֶעָבִים אַחַר הַגֶּשֶׁם“ שֶׁהוּא יוֹם הַמִּיתָה. מִכְּלָל שֶׁאִם זָכַר בּוֹרְאוֹ וְשָׁב קֹדֶם שֶׁיָּמוּת נִסְלַח לוֹ:

[Die Teschuwa und ihre Bestandteile]
Als vollkommene Teschuwa darf es bezeichnet werden, wenn z. B. Jemanden derselbe Gegenstand zu Händen kommt, der ihn früher zur Sünde verleitete, es auch in seiner Macht steht dieselbe Sünde wieder zu begehen, und er sich derselben dennoch enthält, sie nicht ausführt, wegen der Kraft seiner Teschuwa, nicht bloß aus Furcht oder Ohnmacht.
So wenn Jemand einer Frau auf sündhafte Weise beiwohnt, nach einiger Zeit sich wieder mit ihr allein befindet, sie noch immer mit derselben Leidenschaft liebt, seine ungeschwächte Körperkraft noch besitzt, auch in derselben Stadt sich befindet, wo er früher die Sünde begangen, — und er enthält sich reuig der Sünde, so heißt er ein vollkommene Teschuwa Tuender. Dieses wollte Salomo sagen mit den Worten: »Und erinnere dich deines Schöpfers in deinen Jugendjahren« (Koh. 12:1).
Tut er aber erst in späterem Alter Teschuwa oder überhaupt in einer Zeit, wo es ihm nicht mehr möglich ist zu tun, was er früher zu tun pflegte, so ist zwar die Teschuwa keine vollkommene, doch dient dieselbe ihm des ungeachtet zum Heil, und er wird auch ein Büßender (Baal Teschuwah) genannt (Joma 86b). Ist ein Solcher auch sein Leben lang ein Sünder gewesen und er tut an seinem Sterbetage Teschuwa und stirbt in derselben , so werden ihm alle seine Sünden dennoch vergeben, wie auch weiter geschrieben steht, (Koh. 12:2) »Ehe denn die Sonne und das Licht, Mond und Sterne finster werden und Wolken wieder kommen nach dem Regen«, welche Worte eigentlich den Sterbetag andeuten sollen und woraus zu schließen ist, dass ihm verziehen werden soll, wenn er seines Schöpfers noch vor seinem Tode gedacht und Teschuwa getan.

§ 2

וּמַה הִיא הַתְּשׁוּבָה. הוּא שֶׁיַּעֲזֹב הַחוֹטֵא חֶטְאוֹ וִיסִירוֹ מִמַּחֲשַׁבְתּוֹ וְיִגְמֹר בְּלִבּוֹ שֶׁלֹּא יַעֲשֵׂהוּ עוֹד שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה נה ז) „יַעֲזֹב רָשָׁע דַּרְכּוֹ“ וְגוֹ‘. וְכֵן יִתְנַחֵם עַל שֶׁעָבַר שֶׁנֶּאֱמַר (ירמיה לא יח) „כִּי אַחֲרֵי שׁוּבִי נִחַמְתִּי“. וְיָעִיד עָלָיו יוֹדֵעַ תַּעֲלוּמוֹת שֶׁלֹּא יָשׁוּב לְזֶה הַחֵטְא לְעוֹלָם שֶׁנֶּאֱמַר (הושע יד ד) „וְלֹא נֹאמַר עוֹד אֱלֹהֵינוּ לְמַעֲשֵׂה יָדֵינוּ“ וְגוֹ‘. וְצָרִיךְ לְהִתְוַדּוֹת בִּשְׂפָתָיו וְלוֹמַר עִנְיָנוֹת אֵלּוּ שֶׁגָּמַר בְּלִבּוֹ:

Das eigentliche Wesen der Teschuwa besteht darin, dass der Sünder von seinen Sünden lasse, sie aus seinen Gedanken entferne und in seinem Herzen den festen Entschluss fasse, sie ferner nicht mehr zu begehen; wie geschrieben steht (Jes. 55:7): »Mag der Sünder von seinem Weg abstehen und der Übeltäter von seinen Gedanken und sich zum Herrn bekehren, so wird Er sich feiner erbarmen.« Desgleichen hat er auch das früher Begangene zu bereuen, wie es heißt: »Da ich Teschuwa tat, habe ich bereut« (Jer. 31:19) auch schwöre er bei Dem, Der alles Verborgene kennt, dass er nie zu dieser Sünde wiederkehren wolle, wie geschrieben steht »Nehmet diese Worte mit Euch, und kehret Euch zu dem Herrn und sprechet zu ihm: vergib uns alle Sünden und empfang, Gütiger, unsere Worte wie Opfer. Aschur wird uns nicht helfen, wir wollen nicht mehr auf Rossen reiten, auch nicht mehr sagen zu den Werken unserer Hände: Ihr seid unser Gott«, (Hos. 14:3-4). Er muss also mit seinem Munde das Bekenntnis ablegen und in Worten es aussprechen, was er in seinem Herzen empfindet.

§ 3

כָּל הַמִּתְוַדֶּה בִּדְבָרִים וְלֹא גָּמַר בְּלִבּוֹ לַעֲזֹב הֲרֵי זֶה דּוֹמֶה לְטוֹבֵל וְשֶׁרֶץ בְּיָדוֹ שֶׁאֵין הַטְּבִילָה מוֹעֶלֶת לוֹ עַד שֶׁיַּשְׁלִיךְ הַשֶּׁרֶץ. וְכֵן הוּא אוֹמֵר וּמוֹדֶה וְעֹזֵב יְרֻחָם. וְצָרִיךְ לִפְרֹט אֶת הַחֵטְא שֶׁנֶּאֱמַר (שמות לב לא) „אָנָּא חָטָא הָעָם הַזֶּה חֲטָאָה גְדלָה וַיַּעֲשׂוּ לָהֶם אֱלֹהֵי זָהָב“:

Wer aber in bloßen Worten sein Bekenntnis ablegt, im Herzen aber nicht beschlossen hat, von der Sünde zu lassen, der gleicht Demjenigen, welcher die Reinigungstauchung vollzieht aber dabei ein unreines Tier in der Hand hält, da doch die Tauchung ihm nur dann hilft, wenn er das unreine Tier weggeworfen; so steht es auch geschrieben: (Prov. 28:13) »Wer seine Missetat leugnet, dem wird es nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.« — Auch ist es notwendig der begangenen Sünde ausdrücklich zu erwähnen, wie es auch geschrieben steht (Ex. 32:31): »Als nun Mose wieder zum Herrn kam, sprach er: ach, das Volk hat eine große Sünde begangen, sie haben sich Götter aus Gold gemacht.«

§ 4

מִדַּרְכֵי הַתְּשׁוּבָה לִהְיוֹת הַשָּׁב צוֹעֵק תָּמִיד לִפְנֵי הַשֵּׁם בִּבְכִי וּבְתַחֲנוּנִים וְעוֹשֶׂה צְדָקָה כְּפִי כֹּחוֹ וּמִתְרַחֵק הַרְבֵּה מִן הַדָּבָר שֶׁחָטָא בּוֹ וּמְשַׁנֶּה שְׁמוֹ כְּלוֹמַר אֲנִי אַחֵר וְאֵינִי אוֹתוֹ הָאִישׁ שֶׁעָשָׂה אוֹתָן הַמַּעֲשִׂים וּמְשַׁנֶּה מַעֲשָׂיו כֻּלָּן לְטוֹבָה וּלְדֶרֶךְ יְשָׁרָה וְגוֹלֶה מִמְּקוֹמוֹ. שֶׁגָּלוּת מְכַפֶּרֶת עָוֹן מִפְּנֵי שֶׁגּוֹרֶמֶת לוֹ לְהִכָּנַע וְלִהְיוֹת עָנָו וּשְׁפַל רוּחַ:

[Das Wesen der Teschuwa]
Es gehört zu dem Wesen der Teschuwa, dass der Teschuwa Tuende immer vor Gott im Gebet uns in Tränen flehe, Almosen austeile, wie er nur vermag, und sich weit entferne von dem Gegenstande seiner Sünde, auch seinen Namen verändere; gleichsam als wollte er sagen, dass er ein anderer geworden und nicht mehr Derselbe sei, der jene schlechten Handlungen begangen; der Teschuwa Tuende kehrt auch alle seinen Handlungen zum Besten, sucht nur den geraden Weg zu wandeln, und wandert von seinem Wohnorte aus, weil die Verbannung auch die Kraft der Sündenvergebung hat, indem sie ihn demütigt und ihn zugleich bewegt, nachgiebig und unterwürfig zu werden.

§ 5

וְשֶׁבַח גָּדוֹל לַשָּׁב שֶׁיִּתְוַדֶּה בָּרַבִּים וְיוֹדִיעַ פְּשָׁעָיו לָהֶם וּמְגַלֶּה עֲבֵרוֹת שֶׁבֵּינוֹ לְבֵין חֲבֵרוֹ לַאֲחֵרִים וְאוֹמֵר לָהֶם אָמְנָם חָטָאתִי לִפְלוֹנִי וְעָשִׂיתִי לוֹ כָּךְ וְכָךְ וַהֲרֵינִי הַיּוֹם שָׁב וּמִתְנַחֵם. וְכָל הַמִּתְגָּאֶה וְאֵינוֹ מוֹדִיעַ אֶלָּא מְכַסֶּה פְּשָׁעָיו אֵין תְּשׁוּבָתוֹ גְּמוּרָה שֶׁנֶּאֱמַר (משלי כח יג) „מְכַסֶּה פְשָׁעָיו לֹא יַצְלִיחַ“. בַּמֶּה דְּבָרִים אֲמוּרִים בַּעֲבֵרוֹת שֶׁבֵּין אָדָם לַחֲבֵרוֹ אֲבָל בַּעֲבֵרוֹת שֶׁבֵּין אָדָם לַמָּקוֹם אֵינוֹ צָרִיךְ לְפַרְסֵם עַצְמוֹ וְעַזּוּת פָּנִים הִיא לוֹ אִם גִּלָּם. אֶלָּא שָׁב לִפְנֵי הָאֵל בָּרוּךְ הוּא וּפוֹרֵט חֲטָאָיו לְפָנָיו וּמִתְוַדֶּה עֲלֵיהֶם לִפְנֵי רַבִּים סְתָם. וְטוֹבָה הִיא לוֹ שֶׁלֹּא נִתְגַּלָּה עֲוֹנוֹ שֶׁנֶּאֱמַר (תהילים לב א) „אַשְׁרֵי נְשׂוּי פֶּשַׁע כְּסוּי חֲטָאָה“:

Sehr rühmenswert ist es, wenn der Teschuwa Tuende öffentlich beichtet, und seine Sünden bekennt vor den Leuten, indem er das Unrecht, welches er seinen Nächsten getan vor den Anderen aufdeckt, und zu ihnen spricht: »Wohl habe ich gegen diesen oder jenen unrecht gehandelt, habe so und so (schlecht) gegen ihn verfahren; jetzt aber bereue ich dieses und tue Teschuwa«. Wer aber stolz ist, ein solches Bekenntnis nicht ablegt, sondern seine Sünden zu verdecken sucht, dessen Teschuwa ist keine vollkommene, wie auch geschrieben steht: (Prov. 28:13) »Wer seine Sünden verdeckt, dem wird es nicht gelingen«.
Dieses alles bezieht sich aber nur auf Sünden, die ein Mensch gegen den andern begangen, die Sünden, die der Mensch gegen Gott begangen, darf er nicht öffentlich bekennen; im Gegenteil wäre es eine Frechheit, wenn er dieselben laut werden ließe, sondern er hat bloß vor dem Allmächtigem gelobt Sei Sein Name, Teschuwa zu tun, vor Ihm seine Sünden aufzuzählen, sie reuig zu bekennen. Vor Menschen kann er dies nur im Allgemeinen tun und es ist ihm heilsam, dass solche Sünden nicht veröffentlicht werden; wie es geschrieben steht: (Ps. 32:1) »Wohl Dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dessen Sünde bedeckt ist.«

§ 6

אַף עַל פִּי שֶׁהַתְּשׁוּבָה וְהַצְּעָקָה יָפָה לָעוֹלָם. בַּעֲשָׂרָה הַיָּמִים שֶׁבֵּין רֹאשׁ הַשָּׁנָה וְיוֹם הַכִּפּוּרִים הִיא יָפָה בְּיוֹתֵר וּמִתְקַבֶּלֶת הִיא מִיָּד שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה נה ו) „דִּרְשׁוּ ה‘ בְּהִמָּצְאוֹ“. בַּמֶּה דְּבָרִים אֲמוּרִים בְּיָחִיד אֲבָל צִבּוּר כָּל זְמַן שֶׁעוֹשִׂים תְּשׁוּבָה וְצוֹעֲקִין בְּלֵב שָׁלֵם הֵם נַעֲנִין שֶׁנֶּאֱמַר (דברים ד ז) „כַּה‘ אֱלֹהֵינוּ בְּכָל קָרְאֵנוּ אֵלָיו“:

[Vorteil der zehn Tage]
Obgleich nun Teschuwa und Gebet zu jeder Stunde heilbringend sind, so sind die zehn Tage, vom Neujahrstage bis zum Versöhnungsfeste, dennoch ganz besonders dafür geeignet, wodann auch die Teschuwa alsbald von Gott erhört wird, wie auch geschrieben steht: (Jes. 55:6) »Suchet den Herrn, da Er zu finden ist, rufet Ihn an, da Er nahe ist« Dieses aber lässt sich nur von einem einzelnen Menschen sagen. Eine ganze Gemeinde hingegen wird zu jeder Zeit erhört, wenn sie nur Teschuwa tun und von ganzen Herzen beten will, wie auch geschrieben steht: (Deut 4:7) »Wer ist … als der Ewige, unser Gott, so oft wir Ihn anrufen.«

§ 7

יוֹם הַכִּפּוּרִים הוּא זְמַן תְּשׁוּבָה לַכּל לַיָּחִיד וְלָרַבִּים וְהוּא קֵץ מְחִילָה וּסְלִיחָה לְיִשְׂרָאֵל. לְפִיכָךְ חַיָּבִים הַכּל לַעֲשׂוֹת תְּשׁוּבָה וּלְהִתְוַדּוֹת בְּיוֹם הַכִּפּוּרִים. וּמִצְוַת וִדּוּי יוֹם הַכִּפּוּרִים שֶׁיַּתְחִיל מֵעֶרֶב הַיּוֹם קֹדֶם שֶׁיֹּאכַל שֶׁמָּא יֵחָנֵק בַּסְּעֻדָּה קֹדֶם שֶׁיִּתְוַדֶּה. וְאַף עַל פִּי שֶׁהִתְוַדָּה קֹדֶם שֶׁיֹּאכַל חוֹזֵר וּמִתְוַדֶּה בְּלֵילֵי יוֹם הַכִּפּוּרִים עַרְבִית וְחוֹזֵר וּמִתְוַדֶּה בְּשַׁחֲרִית וּבְמוּסָף וּבְמִנְחָה וּבִנְעִילָה. וְהֵיכָן מִתְוַדֶּה. יָחִיד אַחַר תְּפִלָּתוֹ וּשְׁלִיחַ צִבּוּר בְּאֶמְצַע תְּפִלָּתוֹ בִּבְרָכָה רְבִיעִית:

Der Versöhnungstag (Jom Kippur) ist die eigentliche Bußzeit für Alle, so für den einzelnen Menschen, wie für die Gemeinde im Allgemeinen. An ihm erfolgt der Schluss der Israel erteilten Vergebung und Verzeihung der Sünden; daher müssen allesamt an diesem Tage Teschuwa tun und ihr Sündenbekenntnis ablegen. Es ist aber nötig, dass das Sündenbekenntnis, welches für den Versöhnungstag bestimmt ist, schon am vorhergehenden Tage Nachmittags seinen Anfang nehme, bevor die Schlussmahlzeit eingenommen ist; damit er nicht etwa, wenn er während des Essens sich erwürgen sollte, ganz, ohne Sündenbekenntnis hinsterbe. Wenn er aber nun auch vor der Schlussmahlzeit gebeichtet, so muss er dieses dennoch beim Abendgebet am Versöhnungstage, wie auch beim Morgen-, Musaf-, Mincha- und Schluss-Gebet wiederholen. Die Stelle für das Sündenbekenntnis ist für den einzelnen Mann nach dem Gebet, (der sogenannten achtzehn Segnungen), und für den Gemeindevorbeter in der Mitte des Gebets, beim vierten Segensspruch.

§ 8

הַוִּדּוּי שֶׁנָּהֲגוּ בּוֹ כָּל יִשְׂרָאֵל אֲבָל אֲנַחְנוּ חָטָאנוּ (כֻּלָּנוּ) וְהוּא עִקַּר הַוִּדּוּי. עֲבֵרוֹת שֶׁהִתְוַדָּה עֲלֵיהֶם בְּיוֹם הַכִּפּוּרִים זֶה חוֹזֵר וּמִתְוַדֶּה עֲלֵיהֶן בְּיוֹם הַכִּפּוּרִים אַחֵר אַף עַל פִּי שֶׁהוּא עוֹמֵד בִּתְשׁוּבָתוֹ שֶׁנֶּאֱמַר (תהילים נא ה) „כִּי פְשָׁעַי אֲנִי אֵדָע וְחַטָּאתִי נֶגְדִּי תָמִיד“:

Das Sündenbekenntnis, welches ganz Israel seit langer Zeit angenommen, ist: »Wir aber haben gesündigt…« dies ist das Wesentlichste der Sündenbekenntnis. Sünden, über welche er an einem Versöhnungstage das Bekenntnis abgelegt, müssen am nächsten Versöhnungstage doch wieder in der Sündenbekenntnis mit erwähnt werden, obgleich er als frommer Büßender, vom vorigen Jahre an noch dasteht; wie es geschrieben steht: (Ps. 51:5) »Denn meine Sünden kenne ich und meine Vergehungen sind mir stets vor Augen.«

§ 9

אֵין הַתְּשׁוּבָה וְלֹא יוֹם הַכִּפּוּרִים מְכַפְּרִין אֶלָּא עַל עֲבֵרוֹת שֶׁבֵּין אָדָם לַמָּקוֹם כְּגוֹן מִי שֶׁאָכַל דָּבָר אָסוּר אוֹ בָּעַל בְּעִילָה אֲסוּרָה וְכַיּוֹצֵא בָּהֶן. אֲבָל עֲבֵרוֹת שֶׁבֵּין אָדָם לַחֲבֵרוֹ כְּגוֹן הַחוֹבֵל אֶת חֲבֵרוֹ אוֹ הַמְקַלֵּל חֲבֵרוֹ אוֹ גּוֹזְלוֹ וְכַיּוֹצֵא בָּהֶן אֵינוֹ נִמְחַל לוֹ לְעוֹלָם עַד שֶׁיִּתֵּן לַחֲבֵרוֹ מַה שֶּׁהוּא חַיָּב לוֹ וִירַצֵּהוּ. אַף עַל פִּי שֶׁהֶחֱזִיר לוֹ מָמוֹן שֶׁהוּא חַיָּב לוֹ צָרִיךְ לְרַצּוֹתוֹ וְלִשְׁאל מִמֶּנּוּ שֶׁיִּמְחל לוֹ. אֲפִלּוּ לֹא הִקְנִיט אֶת חֲבֵרוֹ אֶלָּא בִּדְבָרִים צָרִיךְ לְפַיְּסוֹ וְלִפְגֹּעַ בּוֹ עַד שֶׁיִּמְחל לוֹ. לֹא רָצָה חֲבֵרוֹ לִמְחל לוֹ מֵבִיא לוֹ שׁוּרָה שֶׁל שְׁלֹשָׁה בְּנֵי אָדָם מֵרֵעָיו וּפוֹגְעִין בּוֹ וּמְבַקְּשִׁין מִמֶּנּוּ. לֹא נִתְרַצָּה לָהֶן מֵבִיא לוֹ שְׁנִיָּה וּשְׁלִישִׁית. לֹא רָצָה מְנִיחוֹ וְהוֹלֵךְ לוֹ וְזֶה שֶׁלֹּא מָחַל הוּא הַחוֹטֵא. וְאִם הָיָה רַבּוֹ הוֹלֵךְ וּבָא אֲפִלּוּ אֶלֶף פְּעָמִים עַד שֶׁיִּמְחל לוֹ:

[Besänftigung und Verzeihung]
Die Teschuwa, wie auch der Versöhnungstag, haben nur die Kraft, Sünden zu vergeben, welche der Mensch gegen Gott begangen, wie z. B. wenn Jemand eine verbotene Speise gegessen oder einen verbotenen Umgang mit Frauen gepflogen, und dergl. mehr. — Aber das Unrecht, welches ein Mensch dem Andern zugefügt — z. B wenn Jemand seinem Nächsten Schaden zufügt, ihn beschimpft oder beraubt, u. dergl. — wird ihm nie und nimmermehr verziehen, bevor er seinen Nächsten nicht entschädigt, in wie fern er sich ihm verschuldet, und ihn besänftigt; hat er ihm aber nun auch das Geld zurückgegeben, was er ihm schuldet, so muss er ihm dennoch zu besänftigen suchen und ihn um Verzeihung bitten.
Sogar wenn Jemand seinen Nächsten nur mit Worten beleidigt, muss er ihm so lange Abbitte tun und um Verzeihung angehen, bis der Beleidigte ihm wirklich verziehen hat. Wollte dieser ihm jedoch auf seine bloße Bitte nicht verzeihen, so bringe er zu ihm eine Versammlung von drei befreundeten Menschen, die ihn darum ersuchen und für den Flehenden den um Verzeihung bitten. Wenn er aber durch sie auch nicht besänftigt wird, so führt ihm jener eine solche zweite und dritte Versammlung zu. Willigt er jedoch selbst dann nicht ein, so kann der Beleidiger von ihm abstehen, wo dann aber die Schuld auf den nicht Verzeihenden lastet; war dieser aber sein Lehrer, so muss er immer wieder zu ihm kommen, wenn auch tausend Male.

§ 10

אָסוּר לָאָדָם לִהְיוֹת אַכְזָרִי וְלֹא יִתְפַּיֵּס אֶלָּא יְהֵא נוֹחַ לִרְצוֹת וְקָשֶׁה לִכְעֹס וּבְשָׁעָה שֶׁמְּבַקֵּשׁ מִמֶּנּוּ הַחוֹטֵא לִמְחל מוֹחֵל בְּלֵב שָׁלֵם וּבְנֶפֶשׁ חֲפֵצָה. וַאֲפִלּוּ הֵצֵר לוֹ וְחָטָא לוֹ הַרְבֵּה לֹא יִקֹּם וְלֹא יִטֹּר. וְזֶהוּ דַּרְכָּם שֶׁל זֶרַע יִשְׂרָאֵל וְלִבָּם הַנָּכוֹן. אֲבָל הָעוֹבְדֵי כּוֹכָבִים עַרְלֵי לֵב אֵינָן כֵּן אֶלָּא (וְעֶבְרָתָן) [וְעֶבְרָתוֹ] שְׁמָרָה נֶצַח. וְכֵן הוּא אוֹמֵר עַל הַגִּבְעוֹנִים לְפִי שֶׁלֹּא מָחֲלוּ וְלֹא נִתְפַּיְּסוּ וְהַגִּבְעֹנִים לֹא מִבְּנֵי יִשְׂרָאֵל הֵמָּה:

Es ist dem Menschen aber verboten hartherzig und unerbittlich zu sein, sondern er muss leicht zu besänftigen und schwer zu erzürnen sein und muss von ganzem Herzen und mit williger Seele verzeihen, wenn der Beleidiger ihn um Verzeihung bittet; mag dieser ihm auch noch so viel Böses zugefügt und gegen ihn verbrochen haben, so soll er dennoch weder Rache nehmen noch jenem nachtragen. Dieses sei die eigentümliche Weise der Kinder Israel und ihres gottgestärkten Herzens. Diejenigen Heiden aber, welcher verstockten Herzens sind, benehmen sich nicht so, sondern ihr Zorn dauert ewig. So steht auch geschrieben von den Gibeoniten, welche nicht verzeihen und sich nicht aussöhnen lassen wollten. (2 Sam. 21:2) »Die Gibeoniter aber waren nicht von den Kindern Israel.«

§ 11

הַחוֹטֵא לַחֲבֵרוֹ וּמֵת חֲבֵרוֹ קֹדֶם שֶׁיְּבַקֵּשׁ מְחִילָה מֵבִיא עֲשָׂרָה בְּנֵי אָדָם וּמַעֲמִידָן עַל קִבְרוֹ וְיֹאמַר בִּפְנֵיהֶם חָטָאתִי לַה‘ אֱלֹהֵי יִשְׂרָאֵל וְלִפְלוֹנִי זֶה שֶׁכָּךְ וְכָךְ עָשִׂיתִי לוֹ. וְאִם הָיָה חַיָּב לוֹ מָמוֹן יַחֲזִירוֹ לַיּוֹרְשִׁים. לֹא הָיָה יוֹדֵעַ לוֹ יוֹרְשִׁין יַנִּיחֶנּוּ בְּבֵית דִּין וְיִתְוַדֶּה:

Wenn Jemand gegen seinen Nächsten sich vergangen und dieser gestorben, bevor noch jener ihn um Verzeihung gebeten, so muss jener zehn Männer herbringen, sie an das Grab des Toten hinführen, und öffentlich vor ihnen sagen: ich habe mich vergangen gegen den Ewigen, den Gott Israels und gegen N. N., indem ich ihm auf diese Weise Unrecht zugefügt. Ist er ihm Geld schuldig, so muss er es seinen Erben abgeben; ist es ihm nicht bekannt ob er Erben habe, so muss er den schuldigen Betrag bei Gericht deponieren und dann sein Bekenntnis ablegen.

Kapitel 3

§ 1

כָּל אֶחָד וְאֶחָד מִבְּנֵי הָאָדָם יֵשׁ לוֹ זְכֻיּוֹת וַעֲוֹנוֹת. מִי שֶׁזְּכֻיּוֹתָיו יְתֵרוֹת עַל עֲוֹנוֹתָיו צַדִּיק. וּמִי שֶׁעֲוֹנוֹתָיו יְתֵרוֹת עַל זְכֻיּוֹתָיו רָשָׁע. מֶחֱצָה לְמֶחֱצָה בֵּינוֹנִי. וְכֵן הַמְּדִינָה אִם הָיוּ זְכֻיּוֹת כָּל יוֹשְׁבֶיהָ מְרֻבּוֹת עַל עֲוֹנוֹתֵיהֶן הֲרֵי זוֹ צַדֶּקֶת. וְאִם הָיוּ עֲוֹנוֹתֵיהֶם מְרֻבִּין הֲרֵי זוֹ רְשָׁעָה. וְכֵן כָּל הָעוֹלָם כֻּלּוֹ:

[Der Mittelmäßige und der Frevler]
Jeder Mensch begeht gute Handlungen und Sünden. Derjenige, bei dem die Zahl der guten Handlungen die Zahl der Sünden übertrifft, ist fromm — und Derjenige, dessen Sünden seine guten Handlungen überwiegen, ist ein Frevler. Denjenigen Menschen, bei dem die guten und die bösen Handlungen sich die Waage halten, nennt man mittelmäßig; so wird auch eine Stadt, wenn die Gesamtheit der guten Taten ihrer Einwohner die Gesamtheit ihrer Sünden überwiegt, eine fromme genannt; hat aber die Zahl der Sünden dort das Übergewicht, so wird sie eine frevelhafte genannt; und so verhält es sich auch mit der ganzen Welt.

§ 2

אָדָם שֶׁעֲוֹנוֹתָיו מְרֻבִּין עַל זְכֻיּוֹתָיו מִיָּד הוּא מֵת בְּרִשְׁעוֹ שֶׁנֶּאֱמַר עַל רֹב עֲוֹנֵךְ. וְכֵן מְדִינָה שֶׁעֲוֹנוֹתֶיהָ מְרֻבִּין מִיָּד הִיא אוֹבֶדֶת שֶׁנֶּאֱמַר (בראשית יח כ) „זַעֲקַת סְדֹם וַעֲמֹרָה כִּי רָבָּה“ וְגוֹ‘. וְכֵן כָּל הָעוֹלָם כֻּלּוֹ אִם הָיוּ עֲוֹנוֹתֵיהֶם מְרֻבִּין מִזְּכֻיּוֹתֵיהֶן מִיָּד הֵן נִשְׁחָתִין שֶׁנֶּאֱמַר (בראשית ו ה) „וַיַּרְא ה‘ כִּי רַבָּה רָעַת הָאָדָם“. וְשִׁקּוּל זֶה אֵינוֹ לְפִי מִנְיַן הַזְּכֻיּוֹת וְהָעֲוֹנוֹת אֶלָּא לְפִי גָּדְלָם. יֵשׁ זְכוּת שֶׁהִיא כְּנֶגֶד כַּמָּה עֲוֹנוֹת שֶׁנֶּאֱמַר (מלכים א יד יג) „יַעַן נִמְצָא בוֹ דָּבָר טוֹב“. וְיֵשׁ עָוֹן שֶׁהוּא כְּנֶגֶד כַּמָּה זְכֻיּוֹת שֶׁנֶּאֱמַר (קהלת ט יח) „וְחוֹטֶא אֶחָד יְאַבֵּד טוֹבָה הַרְבֵּה“. וְאֵין שׁוֹקְלִין אֶלָּא בְּדַעְתּוֹ שֶׁל אֵל דֵּעוֹת וְהוּא הַיּוֹדֵעַ הֵיאַךְ עוֹרְכִין הַזְּכֻיּוֹת כְּנֶגֶד הָעֲוֹנוֹת:

Derjenige, dessen Sünden entschieden seine guten Taten überwiegen, der verfällt seiner Sünden halber dem Tode, wie geschrieben steht (Hos. 9:7): »Durch die Zahl seiner Sünden«. — So geht auch eine Stadt zu Grunde, deren Sünden entschieden ihre guten Taten überwiegen, wie geschrieben steht: (Gen. 18:20) »das Geschrei von Sedom und Gmora, da es groß ist, und ihre Sünden, derer sehr viele sind«. Desgleichen müsste auch die ganze Welt untergehn, wenn ihre Sünden entschieden die guten Taten überwiegen, wie geschrieben steht: (Gen. 6:5) »und der Ewige sah, dass zu groß die Sünde des Menschen auf der Erde«. Diese Abschätzung der Sünden und guten Taten geschieht nun nicht nach der Zahl, sondern nach der Größe derselben. Es gibt manche gute Tat, die viele Sünden aufwiegt, wie geschrieben steht (1 Kön. 14:13): »Weil an ihm eine gute Tat gefunden ward«. So gibt es auch manche Sünde, die viele gute Taten aufwiegt, wie geschrieben steht (Prov. 9:18): »Und ein Sünder verdirbt viel Gutes.« Das Abwägen aber kann nur in der Weisheit des Allwissenden und Allmächtigen erfolgen. Er allein weiß, wie die guten Taten mit den Sünden zu vergleichen sind.

§ 3

כָּל מִי שֶׁנִּחַם עַל הַמִּצְוֹת שֶׁעָשָׂה וְתָהָה עַל הַזְּכֻיּוֹת וְאָמַר בְּלִבּוֹ וּמַה הוֹעַלְתִּי בַּעֲשִׂיָּתָן הַלְוַאי לֹא עָשִׂיתִי אוֹתָן הֲרֵי זֶה אִבֵּד אֶת כֻּלָּן וְאֵין מַזְכִּירִים לוֹ שׁוּם זְכוּת בָּעוֹלָם שֶׁנֶּאֱמַר (יחזקאל לג יב) „וְצִדְקַת הַצַּדִּיק לֹא תַצִּילֶנּוּ בְּיוֹם רִשְׁעוֹ“, אֵין זֶה אֶלָּא בְּתוֹהֶה עַל הָרִאשׁוֹנוֹת. וּכְשֵׁם שֶׁשּׁוֹקְלִין זְכֻיּוֹת אָדָם וַעֲוֹנוֹתָיו בִּשְׁעַת מִיתָתוֹ כָּךְ בְּכָל שָׁנָה וְשָׁנָה שׁוֹקְלִין עֲוֹנוֹת כָּל אֶחָד וְאֶחָד מִבָּאֵי הָעוֹלָם עִם זְכֻיּוֹתָיו, בְּיוֹם טוֹב שֶׁל רֹאשׁ הַשָּׁנָה. מִי שֶׁנִּמְצָא צַדִּיק נֶחְתָּם לְחַיִּים. וּמִי שֶׁנִּמְצָא רָשָׁע נֶחְתָּם לְמִיתָה. וְהַבֵּינוֹנִי תּוֹלִין אוֹתוֹ עַד יוֹם הַכִּפּוּרִים אִם עָשָׂה תְּשׁוּבָה נֶחְתָּם לְחַיִּים וְאִם לָאו נֶחְתָּם לְמִיתָה:

Derjenige, der seine guten Taten bereut, seine Rechtschaffenheit bedauert und bei sich denkt: »Was habe ich davon, dass ich sie vollzogen, besser wäre es, wenn ich sie gar nicht vollbracht hätte«, hat auch alle jene guten Taten dadurch wertlos gemacht, und keiner derselben wird zu seinen Gunsten Erwähnung geschehen, wie geschrieben steht: (Ezech. 33:12) »und die Gerechtigkeit des Gerechten wird ihn nicht retten an dem Tage seiner Sünde«, was sich nur auf Jemand beziehen kann, der seine früheren guten Taten bereut. Und ebenso wie man die guten Taten des Menschen in seiner Sterbestunde gegen seine Missetaten abwägt, so werden auch jedes Jahr die Sünden eines jeden Erdensohnes gegen seine guten Taten am Feiertage des Neujahrs abgewogen. Wer also fromm befunden wird, der wird für weiteres Leben besiegelt; wer frevelhaft befunden wird, verfällt dem Tode. Über den Mittelmäßigen aber bleibt der Urteilsspruch aufgeschoben, bis zum Versöhnungstage, wo er dann zum Leben oder auch zum Tode geführt wird, je nachdem er Teschuwa getan oder nicht.

§ 4

אַף עַל פִּי שֶׁתְּקִיעַת שׁוֹפָר בְּרֹאשׁ הַשָּׁנָה גְּזֵרַת הַכָּתוּב רֶמֶז יֵשׁ בּוֹ כְּלוֹמַר עוּרוּ יְשֵׁנִים מִשְּׁנַתְכֶם וְנִרְדָּמִים הָקִיצוּ מִתַּרְדֵּמַתְכֶם וְחַפְּשׂוּ בְּמַעֲשֵׂיכֶם וְחִזְרוּ בִּתְשׁוּבָה וְזִכְרוּ בּוֹרַאֲכֶם. אֵלּוּ הַשּׁוֹכְחִים אֶת הָאֱמֶת בְּהַבְלֵי הַזְּמַן וְשׁוֹגִים כָּל שְׁנָתָם בְּהֶבֶל וָרִיק אֲשֶׁר לֹא יוֹעִיל וְלֹא יַצִּיל, הַבִּיטוּ לְנַפְשׁוֹתֵיכֶם וְהֵיטִיבוּ דַּרְכֵיכֶם וּמַעַלְלֵיכֶם וְיַעֲזֹב כָּל אֶחָד מִכֶּם דַּרְכּוֹ הָרָעָה וּמַחֲשַׁבְתּוֹ אֲשֶׁר לֹא טוֹבָה. לְפִיכָךְ צָרִיךְ כָּל אָדָם שֶׁיִּרְאֶה עַצְמוֹ כָּל הַשָּׁנָה כֻּלָּהּ כְּאִלּוּ חֶצְיוֹ זַכַּאי וְחֶצְיוֹ חַיָּב. וְכֵן כָּל הָעוֹלָם חֶצְיוֹ זַכַּאי וְחֶצְיוֹ חַיָּב. חָטָא חֵטְא אֶחָד הֲרֵי הִכְרִיעַ אֶת עַצְמוֹ וְאֶת כָּל הָעוֹלָם כֻּלּוֹ לְכַף חוֹבָה וְגָרַם לוֹ הַשְׁחָתָה. עָשָׂה מִצְוָה אַחַת הֲרֵי הִכְרִיעַ אֶת עַצְמוֹ וְאֶת כָּל הָעוֹלָם כֻּלּוֹ לְכַף זְכוּת וְגָרַם לוֹ וְלָהֶם תְּשׁוּעָה וְהַצָּלָה שֶׁנֶּאֱמַר (משלי י כה) „וְצַדִּיק יְסוֹד עוֹלָם“ זֶה שֶׁצָּדַק הִכְרִיעַ אֶת כָּל הָעוֹלָם לִזְכוּת וְהִצִּילוֹ. וּמִפְּנֵי עִנְיָן זֶה נָהֲגוּ כָּל בֵּית יִשְׂרָאֵל לְהַרְבּוֹת בִּצְדָקָה וּבְמַעֲשִׂים טוֹבִים וְלַעֲסֹק בְּמִצְוֹת מֵרֹאשׁ הַשָּׁנָה וְעַד יוֹם הַכִּפּוּרִים יֶתֶר מִכָּל הַשָּׁנָה. וְנָהֲגוּ כֻּלָּם לָקוּם בַּלַּיְלָה בַּעֲשָׂרָה יָמִים אֵלּוּ וּלְהִתְפַּלֵּל בְּבָתֵּי כְּנֵסִיּוֹת בְּדִבְרֵי תַּחֲנוּנִים וּבְכִבּוּשִׁין עַד שֶׁיֵּאוֹר הַיּוֹם:

[Der Schofar am Rosch haSchana und die Teschuwa]
Obgleich der Posaunenschall (das Schofar-Blasen) eine einfache Vorschrift des Gesetzes ist, so ist doch auch eine tiefere Bedeutung damit verbunden, als wollte man damit sagen: »Erwachet, ihr Schlummernden, von eurem Schlummer, und ihr Schlafenden, von eurem tiefen Schlafe, untersucht eure Taten, kehrt wieder in Buße und erinnert euch eures Schöpfers! Lasset euch ermahnen, ihr, die ihr der Wahrheit in den Nichtigkeiten der Zeit vergesset, und eure Lebensjahre verbringet in Eitelkeit und Leere, was nicht hilft und nicht rettet. Richtet eure Blicke auf eure Seelen; verbessert eure Wege und eure Taten, und möge ein Jeder unter euch seinen sündhaften Pfad verlassen, und von seinen bösen Gedanken abstehen«.
Daher muss jeder Mensch sich stets so betrachten, als wäre er halb gerecht und halb schuldig oder frevelhaft, ebenso die ganze Welt halb gerecht und halb schuldig. Begeht er nun eine Sünde, so fällt die Sünde entscheidend auf die Waagschale des Bösen, für ihn sowohl wie für die ganze Menschheit und verursacht Verderben. Begeht er hingegen eine gute Tat, so hat er nicht nur für sich, sondern auch für die ganze Welt den Ausschlag zum Guten gegeben, und verschafft sich und allen Menschen Hilfe und Rettung, wie geschrieben steht: (Prov. 10:25): »Und der Fromme ist eine Stütze (die Grundlage) der Welt« dieses soll nämlich heißen: Der Fromme kann bei der Entscheidung für die ganze Menschheit den Ausschlag geben, und sie retten. Daher besteht auch im ganzen Hause Israel die Sitte, sich namentlich der Wohltätigkeit und Almosenspendung zu befleißigen, viele heilige Gebote auszuüben, und in der Zwischenzeit vom Neujahrs- und Versöhnungstage noch mehr als das ganze Jahr hindurch. Auch hat man allgemein die Sitte angenommen, während dieser zehn Tage noch in der Nacht aufzustehen, um in den Synagogen zu beten, mit Buße und Reueworten, bis der Tag anbricht.

§ 5

בְּשָׁעָה שֶׁשּׁוֹקְלִין עֲוֹנוֹת אָדָם עִם זְכֻיּוֹתָיו אֵין מְחַשְּׁבִין עָלָיו עָוֹן שֶׁחָטָא בּוֹ תְּחִלָּה וְלֹא שֵׁנִי אֶלָּא מִשְּׁלִישִׁי וְאֵילָךְ. אִם נִמְצְאוּ עֲוֹנוֹתָיו מִשְּׁלִישִׁי וְאֵילָךְ מְרֻבִּין עַל זְכֻיּוֹתָיו אוֹתָם שְׁתֵּי עֲוֹנוֹת מִצְטָרְפִים וְדָנִין אוֹתוֹ עַל הַכּל. וְאִם נִמְצְאוּ זְכֻיּוֹתָיו כְּנֶגֶד עֲוֹנוֹתָיו אֲשֶׁר מֵעָוֹן שְׁלִישִׁי וְאֵילָךְ מַעֲבִירִים כָּל עֲוֹנוֹתָיו רִאשׁוֹן רִאשׁוֹן. לְפִי שֶׁהַשְּׁלִישִׁי נֶחְשָׁב רִאשׁוֹן שֶׁכְּבָר נִמְחֲלוּ הַשְּׁנַיִם. וְכֵן הָרְבִיעִי הֲרֵי הוּא רִאשׁוֹן שֶׁכְּבָר נִמְחַל הַשְּׁלִישִׁי וְכֵן עַד סוֹפָן. בַּמֶּה דְּבָרִים אֲמוּרִים בְּיָחִיד שֶׁנֶּאֱמַר (איוב לג כט) „הֶן כָּל אֵלֶּה יִפְעַל אֵל פַּעֲמַיִם שָׁלוֹשׁ עִם גָּבֶר“. אֲבָל הַצִּבּוּר תּוֹלִין לָהֶן עָוֹן רִאשׁוֹן שֵׁנִי וּשְׁלִישִׁי שֶׁנֶּאֱמַר (עמוס ב ו) „עַל שְׁלֹשָׁה פִּשְׁעֵי יִשְׂרָאֵל וְעַל אַרְבָּעָה לֹא אֲשִׁיבֶנּוּ“. וּכְשֶׁמְּחַשְּׁבִין לָהֶן עַל דֶּרֶךְ זֶה מְחַשְּׁבִין לָהֶן מֵרְבִיעִי וְאֵילָךְ. הַבֵּינוֹנִים אִם הָיָה בִּכְלַל מֶחֱצָה עֲוֹנוֹת שֶׁלָּהֶן שֶׁלֹּא הֵנִיחַ תְּפִלִּין מֵעוֹלָם דָּנִין אוֹתוֹ כְּפִי חֶטְאוֹ וְיֵשׁ לוֹ חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא. וְכֵן כָּל הָרְשָׁעִים שֶׁעֲוֹנוֹתֵיהֶן מְרֻבִּים דָּנִין אוֹתָן כְּפִי חֲטָאֵיהֶם וְיֵשׁ לָהֶן חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא שֶׁכָּל יִשְׂרָאֵל יֵשׁ לָהֶם חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא אַף עַל פִּי שֶׁחָטְאוּ שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה ס כא) „וְעַמֵּךְ כֻּלָּם צַדִּיקִים לְעוֹלָם יִירְשׁוּ אָרֶץ“. אֶרֶץ זוֹ מָשָׁל כְּלוֹמַר אֶרֶץ הַחַיִּים וְהוּא הָעוֹלָם הַבָּא. וְכֵן חֲסִידֵי אֻמּוֹת הָעוֹלָם יֵשׁ לָהֶם חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא:

[Vergebung der Sünden im einzelnen]
Wenn die Sünden des Menschen gegen seine guten Taten abgewogen werden, so kommt dabei diejenige Sünde gar nicht in Betracht, die zum ersten oder zweiten Male begangen worden ist. Ist aber eine solche Sünde zum dritten Male begangen worden und die Gesamtheit aller Sünden überwiegt die der guten Taten, so kommen auch die beiden ersten Übertretungsfälle dann noch mit in Anrechnung und die Strafe erstreckt sich auf alle drei Male. Sind aber seine guten Taten überwiegend befunden worden, nachdem der dritte Übertretungsfall nur allein in Anrechnung gekommen, so werden ihm alle Sünden einzeln verziehen, indem jedes Vergehen, vom dritten Male an gerechnet, immer nur als erster Übertretungsfall angerechnet wird; dieser wird nämlich als erster betrachtet, weil die beiden vorhergehenden schon verziehen waren; dann ist der vierte Fall als der erste zu betrachten, weil die beiden vorhergehenden schon verziehen sind, und so weiter. Dies aber hat nur Bezug auf den einzelnen Menschen, wie geschrieben steht (Hiob 33:29-30): »Siehe, das Alles tut Gott zwei oder drei Mal mit einem jeglichen Mann, auf dass er seine Seele erlöse aus dem Verderben, und ihn erleuchte mit dem Lichte der Lebendigen«.
Einer ganzen Gemeinde hingegen bleiben drei Vergehungsfälle vorbehalten, wie auch geschrieben steht: (Amos 2:4-6) »auf drei Sünden Israels, (hatte ich keine Strafe gesetzt), aber wegen der vierten muss ich Israel nicht verzeihen«. Erst dann also unterliegt eine Gemeinde der fernern Bestimmung, indem ihr erst der vierte Vergehensfall in Anrechnung kommt. Der Mittelmäßige aber, wenn auch unter der Zahl seiner Sünden sogar die vorkommen sollte, dass er niemals Tefillin anlegte, wird gerichtet nach seinen Sünden, geht aber dabei nicht seines Anteils am Paradiese verlustig. Desgleichen werden auch alle Frevler, deren Sünden mehr sind als ihrer guten Taten, zwar nach ihren Sünden gerichtet, bekommen aber dennoch ihren Anteil am Paradiese, denn alle Israeliten, wenn sie auch gesündigt haben, erhalten ihren Anteil am Paradies, wie geschrieben steht: (Jes. 60:21) »und Dein ganzes Volk besteht aus Gerechten, die das Erdreich ewig besitzen werden«. Das Wort Erdreich ist hier nur beispielsweise gegeben, als sollte damit »das Land des Lebens bezeichnet werden«, was eigentlich das ewige Leben bedeutet. Desgleichen haben auch fromme Heiden Anteil am künftigen Leben (Paradiese — Auch diese Stelle beweist klar, um wie viel mehr wir unsere jetzigen Mitbürger achten und lieben müssen).

§ 6

וְאֵלּוּ הֵן שֶׁאֵין לָהֶן חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא אֶלָּא נִכְרָתִים וְאוֹבְדִין וְנִדּוֹנִין עַל גֹּדֶל רִשְׁעָם וְחַטָּאתָם לְעוֹלָם וּלְעוֹלְמֵי עוֹלָמִים. הַמִּינִים. וְהָאֶפִּיקוֹרוֹסִין. וְהַכּוֹפְרִים בַּתּוֹרָה. וְהַכּוֹפְרִים בִּתְחִיַּת הַמֵּתִים וּבְבִיאַת הַגּוֹאֵל. הַמּוֹרְדִים. וּמַחֲטִיאֵי הָרַבִּים. וְהַפּוֹרְשִׁין מִדַּרְכֵי צִבּוּר. וְהָעוֹשֶׂה עֲבֵרוֹת בְּיָד רָמָה בְּפַרְהֶסְיָא כִּיהוֹיָקִים. וְהַמּוֹסְרִים. וּמַטִּילֵי אֵימָה עַל הַצִּבּוּר שֶׁלֹּא לְשֵׁם שָׁמַיִם. וְשׁוֹפְכֵי דָּמִים. וּבַעֲלֵי לָשׁוֹן הָרַע. וְהַמּוֹשֵׁךְ עָרְלָתוֹ:

[Ausrottung großer Frevler]
Folgende hingegen werden ihres Anteils am zukünftigen Leben ganz verlustig; sie sind verloren, dem Verderben oder der richterlichen Züchtigung je nach der Größe ihrer Frevel und Misstaten Preis gegeben, bis auf ewige Zeiten.

Die Sektierer,
die Epikureer,
Diejenigen, welche die Wahrheit der Tora, die Auferstehung der Toten, oder die Ankunft eines Erlösers leugnen,
die Gesetz-Verächter,
die Volks-Verführer,
Diejenigen, welche von der Gemeinde abgefallen und
Diejenigen, welche öffentlich, mit Frechheit, sündigen (wie z.B. Jehojakim),
Diejenigen, welche einer Gemeinde Furcht einflößen, ohne dabei eine fromme Absicht im Auge zu haben,
die Blutvergießer,
die Verleumder,
so wie auch Diejenigen, welche sich der Beschneidung schämen.

§ 7

חֲמִשָּׁה הֵן הַנִּקְרָאִים מִינִים. הָאוֹמֵר שֶׁאֵין שָׁם אֱלוֹהַּ וְאֵין לָעוֹלָם מַנְהִיג. וְהָאוֹמֵר שֶׁיֵּשׁ שָׁם מַנְהִיג אֲבָל הֵן שְׁנַיִם אוֹ יוֹתֵר. וְהָאוֹמֵר שֶׁיֵּשׁ שָׁם רִבּוֹן אֶחָד אֲבָל שֶׁהוּא גּוּף וּבַעַל תְּמוּנָה. וְכֵן הָאוֹמֵר שֶׁאֵינוֹ לְבַדּוֹ הָרִאשׁוֹן וְצוּר לַכּל. וְכֵן הָעוֹבֵד כּוֹכָב אוֹ מַזָּל וְזוּלָתוֹ כְּדֵי לִהְיוֹת מֵלִיץ בֵּינוֹ וּבֵין רִבּוֹן הָעוֹלָמִים. כָּל אֶחָד מֵחֲמִשָּׁה אֵלּוּ הוּא מִין:

Die Sektierer teilt man in fünf Klassen:

  1. Diejenigen, die da behaupten es gäbe gar keinen Gott, der die Welt regiert;
  2. Diejenigen, die da sagen, dass die Welt wohl regiert werde, dass es aber zwei Regierer oder deren noch mehrere gäbe;
  3. Diejenigen, welche wohl zugeben, dass es einen Herrn der Welt gibt aber dagegen behaupten, dass dieser Körper und Gestalt besitze,
  4. Diejenigen, welche den Grundsatz aufstellen wollen, dass Gott nicht Urwesen und (erster) Schöpfer des Alls sei;
  5. Diejenigen, die da einen Himmelskörper oder einen Stern anbeten, damit er zwischen ihnen und dem Herrn der Welt Vermittler sei. Jeder, der einen dieser fünf Klassen angehört, ist ein Sektierer.

§ 8

שְׁלֹשָׁה הֵן הַנִּקְרָאִים אֶפִּיקוֹרְסִין. הָאוֹמֵר שֶׁאֵין שָׁם נְבוּאָה כְּלָל וְאֵין שָׁם מַדָּע שֶׁמַּגִּיעַ מֵהַבּוֹרֵא לְלֵב בְּנֵי הָאָדָם. וְהַמַּכְחִישׁ נְבוּאָתוֹ שֶׁל משֶׁה רַבֵּנוּ. וְהָאוֹמֵר שֶׁאֵין הַבּוֹרֵא יוֹדֵעַ מַעֲשֵׂה בְּנֵי הָאָדָם. כָּל אֶחָד מִשְּׁלֹשָׁה אֵלּוּ הֵן אֶפִּיקוֹרוֹסִים. שְׁלֹשָׁה הֵן הַכּוֹפְרִים בַּתּוֹרָה. הָאוֹמֵר שֶׁאֵין הַתּוֹרָה מֵעִם ה‘ אֲפִלּוּ פָּסוּק אֶחָד אֲפִלּוּ תֵּבָה אַחַת אִם אָמַר משֶׁה אֲמָרוֹ מִפִּי עַצְמוֹ הֲרֵי זֶה כּוֹפֵר בַּתּוֹרָה. וְכֵן הַכּוֹפֵר בְּפֵרוּשָׁהּ וְהוּא תּוֹרָה שֶׁבְּעַל פֶּה וְהַמַּכְחִישׁ מַגִּידֶיהָ כְּגוֹן צָדוֹק וּבַיְתּוֹס. וְהָאוֹמֵר שֶׁהַבּוֹרֵא הֶחֱלִיף מִצְוָה זוֹ בְּמִצְוָה אַחֶרֶת וּכְבָר בָּטְלָה תּוֹרָה זוֹ אַף עַל פִּי שֶׁהִיא הָיְתָה מֵעִם ה‘ כְּגוֹן הָהַגְרִים. כָּל אֶחָד מִשְּׁלֹשָׁה אֵלּוּ כּוֹפֵר בַּתּוֹרָה:

Dreierlei Arten von Epikureer gibt es:

  1. Diejenigen, die da sagen, dass es gar keinen Propheten und kein höheres Wissen gebe, das vom Schöpfer ins menschliche Herz gelegt worden sei;
  2. Diejenigen, die das Prophetentum unsres Lehrers Moses in Abrede stellen, und
  3. Diejenigen, welche behaupten, dass der Schöpfer die Taten der Menschen nicht wisse. Ein Jeder von diesen dreien gehört unter die Kategorie der Epikureer.

Dreierlei Arten von Leugnern der Tora gibt es:

  1. Diejenigen, die da sagen, dass Moses auch nur ein einziges Wort der Tora aus eigenem Antriebe (ohne göttliche Eingebung) geschrieben, wenn sie auch behaupten, dass alles Übrige von Gott herrühre;
  2. Diejenigen, welche die Erklärung der Tora, die Überlieferung, nicht anerkannt; ebenso Diejenigen, welche ihren Lehrer Lügen strafen, wie z.B. Zadok und Baithos;
  3. Diejenigen, welche da behaupten wollen, dass der Schöpfer irgend ein Gebot durch ein anderes ersetzt, und dass die Tora schon aufgehört zu gelten, obgleich sie von Gott herrührt, wie z.B. die Hagariden (Muhamedaner).

Ein jeder von diesen Dreien heißt Toraleugner.

§ 9

שְׁנַיִם הֵם הַמּוּמָרִים מִיִּשְׂרָאֵל. הַמּוּמָר לַעֲבֵרָה אַחַת וְהַמּוּמָר לְכָל הַתּוֹרָה כֻּלָּהּ. מוּמָר לַעֲבֵרָה אַחַת זֶה שֶׁהֶחֱזִיק עַצְמוֹ לַעֲשׂוֹת אוֹתָהּ עֲבֵרָה בְּזָדוֹן וְהֻרְגָּל וְנִתְפַּרְסֵם בָּהּ אֲפִלּוּ הָיְתָה מִן הַקַּלּוֹת כְּגוֹן שֶׁהֻחְזַק תָּמִיד לִלְבֹּשׁ שַׁעַטְנֵז אוֹ לְהַקִּיף פֵּאָה וְנִמְצָא כְּאִלּוּ בָּטְלָה מִצְוָה זוֹ מִן הָעוֹלָם אֶצְלוֹ הֲרֵי זֶה מוּמָר לְאוֹתוֹ דָּבָר וְהוּא שֶׁיַּעֲשֶׂה לְהַכְעִיס. מוּמָר לְכָל הַתּוֹרָה כֻּלָּהּ כְּגוֹן הַחוֹזְרִים לְדָתֵי הָעוֹבְדֵי כּוֹכָבִים בְּשָׁעָה שֶׁגּוֹזְרִין גְּזֵרָה וְיִדְבַּק בָּהֶם וְיֹאמַר מַה בֶּצַע לִי לְהִדַּבֵּק בְּיִשְׂרָאֵל שֶׁהֵם שְׁפָלִים וְנִרְדָּפִים טוֹב לִי שֶׁאֶדַּבֵּק בְּאֵלּוּ שֶׁיָּדָם תַּקִּיפָה. הֲרֵי זֶה מוּמָר לְכָל הַתּוֹרָה כֻּלָּהּ:

Zwei Arten von Gesetz-Verächter gibt es:

  1. Derjenige, der ein einziges Gesetz, nur auf Veranlassung einer einzigen Sünde, verachtet.
  2. Diejenigen, welche die ganze Tora verachten.

— Ein einziges Gesetz verachten heißt: Eine Sünde mutwilliger Weise und mit Vorsatz begehen, sich daran gewöhnen, und überall öffentlich damit auftreten; ganz gleich ist es hierbei, wenn jene Sünde auch nur zu den leichteren gehörte; wie z.B. allgemein bekannt ist, dass Derjenige, der sich in Schatnez (Gemisch aus Wolle und Flachs) kleidet, oder sein Haar rund herum geschoren trägt und dadurch die Meinung hervorrufen müsste, als wenn diese Verbote gar nicht für ihn existieren, als Verächter des Gesetzes, in Bezug auf das übertretene Gebot, angesehen werden muss. Dieses findet jedoch nur auf diejenigen Fälle Anwendung, wo mit den eben bezeichneten Gesetzübertretungen die Absicht verbunden war, den Ewigen zu erzürnen. — Verächter der ganzen Tora sind z.B. Diejenigen, welche zum Schein den Glauben der Heiden annehmen, mit ihnen gemeinsame Sache machen, wenn diese es gebieten und bei sich denken: was haben wir davon, wenn wir mit den Israeliten eine Gemeinde bilden, die doch jetzt überall unterdrückt und verfolgt sind, besser wir schlagen uns auf die Seite Derjenigen, die dermaßen eine große Übermacht besitzen. Wer so denkt, heißt ein Verächter der ganzen Tora.

§ 10

מַחֲטִיאֵי הָרַבִּים כֵּיצַד. אֶחָד שֶׁהֶחְטִיא בְּדָבָר גָּדוֹל כְּגוֹן יָרָבְעָם וְצָדוֹק וּבַיְתּוֹס. וְאֶחָד שֶׁהֶחְטִיא בְּדָבָר קַל אֲפִלּוּ לְבַטֵּל מִצְוַת עֲשֵׂה. וְאֶחָד הָאוֹנֵס אֲחֵרִים עַד שֶׁיֶּחְטְאוּ כִּמְנַשֶּׁה שֶׁהָיָה הוֹרֵג אֶת יִשְׂרָאֵל עַד שֶׁיַּעַבְדוּ עֲבוֹדַת כּוֹכָבִים, אוֹ שֶׁהִטְעָה אֲחֵרִים וְהִדִּיחָם:

Ein Volks-Verführer heißt entweder Derjenige, welcher eine Gemeinde zu einer großen Sünde verleitet; wie z.B. Jerabeam, Zadoc und Baithos, wie auch zur Aufhebung eines einfachen Gebots, oder Derjenige, welcher auch Andere zum Sündigen zwingt, wie Menasche, der die Israeliten so lange mit dem Tode bedrohte, bis sie sich dem Götzendienst hingaben; endlich auch Derjenige, der Irrlehren unter andere verbreitet, und sie dadurch vom rechten Wege ableitet.

§ 11

הַפּוֹרֵשׁ מִדַּרְכֵי צִבּוּר אַף עַל פִּי שֶׁלֹּא עָבַר עֲבֵרוֹת אֶלָּא נִבְדָּל מֵעֲדַת יִשְׂרָאֵל וְאֵינוֹ עוֹשֶׂה מִצְוֹת בִּכְלָלָן וְלֹא נִכְנָס בְּצָרָתָן וְלֹא מִתְעַנֶּה בְּתַעֲנִיתָן אֶלָּא הוֹלֵךְ בְּדַרְכּוֹ כְּאֶחָד מִגּוֹיֵי הָאָרֶץ וּכְאִלּוּ אֵינוֹ מֵהֶן אֵין לוֹ חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא. הָעוֹשֶׂה עֲבֵרוֹת בְּיָד רָמָה כִּיהוֹיָקִים בֵּין שֶׁעָשָׂה קַלּוֹת בֵּין שֶׁעָשָׂה חֲמוּרוֹת אֵין לוֹ חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא. וְזֶהוּ הַנִּקְרָא מְגַלֶּה פָּנִים בַּתּוֹרָה מִפְּנֵי שֶׁהֵעֵז מִצְחוֹ וְגִלָּה פָּנָיו וְלֹא בּוֹשׁ מִדִּבְרֵי תּוֹרָה:

Als von der Gemeinde abgefallen gilt ein Solcher, der, wenn auch ohne Frevel, dennoch im Allgemeinen nicht Anteil nimmt an der Erfüllung der Gebote der Israelitischen Gemeinde, nicht Teil nimmt an ihren Leiden und ihre Festtage nicht beachtet, sondern einen Privatweg wandelt, wie einer von den Völkern der Erde und als wenn er gar nicht Israelit wäre. Ein solcher Mensch hat auch keinen Anteil an der zukünftigen Welt zu gewärtigen. Unter »öffentlich sündigen« wie Jehojakim getan, versteht man ebenso die öffentliche Übertretung von Haupt- wie Neben-Geboten. Wer sich dessen schuldig macht, wird als ein Solcher angesehen, der sein Haupt dem Gesetz gegenüber entblößt (Ein orientalischer Ausdruck für den Leichtsinn), indem er dasselbe mit frecher Stirn und mit unverschämtem Angesicht verhöhnt.

§ 12

שְׁנַיִם הֵם הַמּוֹסְרִין. הַמּוֹסֵר חֲבֵרוֹ בְּיַד עַכּוּ“ם לְהָרְגוֹ אוֹ לְהַכּוֹתוֹ. וְהַמּוֹסֵר מָמוֹן חֲבֵרוֹ בְּיַד עַכּוּ“ם אוֹ בְּיַד אַנָּס שֶׁהוּא כְּעַכּוּ“ם. וּשְׁנֵיהֶם אֵין לָהֶם חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא:

Als Verräter gilt ein Solcher, der einen Juden an die Nichtjuden verrät, damit sie ihn schlagen oder töten und ein Solcher, der Geld eines Juden an einen Nichtjuden gibt oder einen Vollzieher. Keiner von beiden hat Anteil am zukünftigen Leben.

§ 13

מַטִּילֵי אֵימָה עַל הַצִּבּוּר שֶׁלֹּא לְשֵׁם שָׁמַיִם זֶה הָרוֹדֶה צִבּוּר בְּחָזְקָה וְהֵם יְרֵאִים וּמְפַחֲדִים מִמֶּנּוּ וְכַוָּנָתוֹ לִכְבוֹד עַצְמוֹ וְכָל חֲפָצָיו שֶׁלֹּא לִכְבוֹד שָׁמַיִם כְּגוֹן מַלְכֵי הָעַכּוּ“ם:

Als Solche welche einer Gemeinde, ohne einen guten Zweck im Auge zu haben, Furcht einjagen, betrachtet man Diejenigen, welche eine Gemeinde mit Gewalt beherrschen, so dass Alle Furcht vor ihnen hegen und sich vor ihnen entsetzen müssen, wobei aber nur ihre eigene Ehrfurcht und nichts weniger als ein frommes Ziel sie anspornt; wie z.B. Antiochus und die anderen Syrischen Tyrannen.

§ 14

כָּל אֶחָד וְאֶחָד מֵעֶשְׂרִים וְאַרְבָּעָה אֲנָשִׁים אֵלּוּ שֶׁמָּנִינוּ אַף עַל פִּי שֶׁהֵן מִיִּשְׂרָאֵל אֵין לָהֶם חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא. וְיֵשׁ עֲבֵרוֹת קַלּוֹת מֵאֵלּוּ וְאַף עַל פִּי כֵן אָמְרוּ חֲכָמִים שֶׁהָרָגִיל בָּהֶן אֵין לָהֶם חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא (וּכְדֵי) [וּכְדַאי] הֵן לְהִתְרַחֵק מֵהֶן וּלְהִזָּהֵר בָּהֶן. וְאֵלּוּ הֵן. הַמְכַנֶּה שֵׁם לַחֲבֵרוֹ. וְהַקּוֹרֵא לַחֲבֵרוֹ בְּכִנּוּיוֹ. וְהַמַּלְבִּין פְּנֵי חֲבֵרוֹ בָּרַבִּים. וְהַמִּתְכַּבֵּד בִּקְלוֹן חֲבֵרוֹ. וְהַמְבַזֶּה תַּלְמִידֵי חֲכָמִים. וְהַמְבַזֶּה רַבּוֹתָיו. וְהַמְבַזֶּה אֶת הַמּוֹעֲדוֹת. וְהַמְחַלֵּל אֶת הַקָּדָשִׁים. בַּמֶּה דְּבָרִים אֲמוּרִים שֶׁכָּל אֶחָד מֵאֵלּוּ אֵין לוֹ חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא כְּשֶׁמֵּת בְּלֹא תְּשׁוּבָה אֲבָל אִם שָׁב מֵרִשְׁעוֹ וּמֵת וְהוּא בַּעַל תְּשׁוּבָה הֲרֵי זֶה מִבְּנֵי הָעוֹלָם הַבָּא שֶׁאֵין לְךָ דָּבָר שֶׁעוֹמֵד בִּפְנֵי הַתְּשׁוּבָה. אֲפִלּוּ כָּפַר בָּעִקָּר כָּל יָמָיו וּבָאַחֲרוֹנָה שָׁב יֵשׁ לוֹ חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה נז יט) „שָׁלוֹם שָׁלוֹם לָרָחוֹק וְלַקָּרוֹב אָמַר ה‘ וּרְפָאתִיו“. כָּל הָרְשָׁעִים וְהַמּוּמָרִים וְכַיּוֹצֵא בָּהֶן שֶׁחָזְרוּ בִּתְשׁוּבָה בֵּין בְּגָלוּי בֵּין בְּמַטְמוֹנִיּוֹת מְקַבְּלִין אוֹתָן שֶׁנֶּאֱמַר (ירמיה ג יד) „שׁוּבוּ בָּנִים שׁוֹבָבִים“. אַף עַל פִּי שֶׁעֲדַיִן שׁוֹבָב הוּא שֶׁהֲרֵי בַּסֵּתֶר שָׁב וְלֹא בְּגָלוּי מְקַבְּלִין אוֹתוֹ בִּתְשׁוּבָה:

Ein Jeder, der zu einer der hier aufgeführten vierundzwanzig Arten von Sündern gehört, mag er sich immerhin Israelit nennen, geht seines Anteils an der zukünftigen Welt verlustig. Es gibt aber auch noch Sünden, welche leichter als die früher genannten sind; dennoch aber sagten unsere Weisen, dass Derjenige, welcher sich dieselben zur Gewohnheit macht, ebenfalls keinen Anteil am zukünftigen Leben zu gewärtigen habe, weshalb wohl einem Jeden dringend angeraten werden muss, sich von denselben fern zu halten und dieselben nicht zu begehen. Dergleichen Gesetzübertreter sind folgende: Derjenige, welcher seinem Nächsten einen Spitznamen gibt; der, welcher ihn mit einem solchen Spitznamen nennt; wer ihn öffentlich beschämt; wer die Schande seines Nächsten zu seinem eigenen Vorteil ausbeutet; wer sich über Gelehrte lustig macht; wer seinen Lehrer beschimpft; wer den Feiertag geringschätzt und die Heiligtümer entweiht. — Alle diese aber werden nur dann ihres Anteils am ewigen Leben verlustig, wenn sie ohne Teschuwa gestorben. Hat ein solcher aber Teschuwa getan, und stirbt als Büßender, so gehört er zur Zahl derjenigen, welche in das Paradies kommen; denn es gibt keine Sünde, welche nicht durch die Teschuwa gesühnt werden könnte. Sogar wenn Jemand die Gottheit sein ganzes Leben hindurch geleugnet hätte, bereute dies aber am Ende seines Lebens, so hätte er dennoch seinen Anteil am zukünftigen Leben, wie geschrieben steht: (Jes. 57:19) »Friede, Friede, denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der Herr und Ich will sie heilen« – Alle Sünder und alle Gottesverächter, wenn sie Teschuwa tuend zurückkehren, sei es öffentlich oder im Verborgenen, werden jeder Zeit wieder aufgenommen, wie geschrieben steht: (Jer. 3:14, 22) »Kehret wieder, ihr abtrünnigen Kinder«. Selbst wer nur im Stillen Teschuwa tat, nicht öffentlich und darum auch noch als abtrünnig gelten musste, wird dennoch als Büßender wieder aufgenommen.

Kapitel 4

§ 1

אַרְבָעָה וְעֶשְׂרִים דְּבָרִים מְעַכְּבִין אֶת הַתְּשׁוּבָה. אַרְבָּעָה מֵהֶן עָוֹן גָּדוֹל וְהָעוֹשֶׂה אֶחָד מֵהֶן אֵין הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא מַסְפִּיק בְּיָדוֹ לַעֲשׂוֹת תְּשׁוּבָה לְפִי גֹּדֶל חֶטְאוֹ. וְאֵלּוּ הֵן. א) הַמַּחְטִיא אֶת הָרַבִּים וּבִכְלַל עָוֹן זֶה הַמְעַכֵּב אֶת הָרַבִּים מִלַּעֲשׂוֹת מִצְוָה. ב) וְהַמַּטֶּה אֶת חֲבֵרוֹ מִדֶּרֶךְ טוֹבָה לְרָעָה כְּגוֹן מֵסִית וּמַדִּיחַ. ג) הָרוֹאֶה בְּנוֹ יוֹצֵא לְתַרְבּוּת רָעָה וְאֵינוֹ מְמַחֶה בְּיָדוֹ. הוֹאִיל וּבְנוֹ בִּרְשׁוּתוֹ אִלּוּ מִחָה בּוֹ הָיָה פּוֹרֵשׁ וְנִמְצָא כְּמַחְטִיאוֹ. וּבִכְלַל עָוֹן זֶה כָּל שֶׁאֶפְשָׁר בְּיָדוֹ לִמְחוֹת בַּאֲחֵרִים בֵּין יָחִיד בֵּין רַבִּים וְלֹא מִחָה אֶלָּא יַנִּיחֵם בְּכִשְׁלוֹנָם. ד) וְהָאוֹמֵר אֶחְטָא וְאָשׁוּב וּבִכְלַל זֶה הָאוֹמֵר אֶחְטָא וְיוֹם הַכִּפּוּרִים מְכַפֵּר:

[Hinderns der Teschuwa]
Vier und Zwanzig Verbrechen hindern die Teschuwa. Vier derselben sind so bedeutend, dass der Heilige, gelobt sei Er, Demjenigen, der eines derselben begeht, je nach der Größe seines Vergehens, die Zeit nicht lässt Teschuwa zu tun. Dies sind folgende.

1. Wenn jemand eine Gemeinde zur Sünde verleitet; worunter auch Derjenige mit inbegriffen ist, der dieselbe von guten Taten abhält.
2. Wenn jemand seinen Nächsten von guten Wandel zum schlechten verleitet, wie z. B. die in der Tora erwähnten Aufhetzer und Verführer.
3. Wenn jemand seinen Sohn einem schlechten Lebenswandel sich hingeben sieht, ohne ihn davon abzuhalten; denn weil der Sohn unter der väterlichen Gewalt steht und wenn ihm der Vater gewehrt hätte, von der Sünde sich losgesagt haben würde, so ist letzterer als ein Verführer zu betrachten. Zu dieser Kategorie gehört auch Jeder, in dessen Macht es gelegen hätte, seinen Nächsten von der Sünde abzuhalten und er es dennoch nicht tut; dies gilt in Bezug auf einen einzelnen Menschen, aber auch in Betreff einer ganzen Gemeinde, wenn er sie der Sünde anheim fallen ließ.
4. Wenn Jemand sagt: Ich werde sündigen und dann Teschuwa tun. Diesem ist auch Derjenige gleich zu achten, der da sagt: Ich werde sündigen und der Versöhnungstag wird mir Vergebung meiner Sünden bewirken.

§ 2

וּמֵהֶן חֲמִשָּׁה דְּבָרִים הַנּוֹעֲלִים דַּרְכֵי הַתְּשׁוּבָה בִּפְנֵי עוֹשֵׂיהֶן. וְאֵלּוּ הֵן. א) הַפּוֹרֵשׁ מִן הַצִּבּוּר, לְפִי שֶׁבִּזְמַן שֶׁיַּעֲשׂוּ תְּשׁוּבָה לֹא יִהְיֶה עִמָּהֶן וְאֵינוֹ זוֹכֶה עִמָּהֶן בִּזְכוּת שֶׁעוֹשִׂין. ב) וְהַחוֹלֵק עַל דִּבְרֵי חֲכָמִים, לְפִי שֶׁמַּחְלָקְתוֹ גּוֹרֶמֶת לוֹ לִפְרשׁ מֵהֶן וְאֵינוֹ יוֹדֵעַ דַּרְכֵי הַתְּשׁוּבָה. ג) וְהַמַּלְעִיג עַל הַמִּצְוֹת, שֶׁכֵּיוָן שֶׁנִּתְבַּזּוּ בְּעֵינָיו אֵינוֹ רוֹדֵף אַחֲרֵיהֶן וְלֹא עוֹשָׂן וְאִם לֹא יַעֲשֶׂה בַּמֶּה יִזְכֶּה. ד) וְהַמְבַזֶּה רַבּוֹתָיו, שֶׁדָּבָר זֶה גּוֹרֵם לוֹ לְדָחֳפוֹ וּלְטָרְדוֹ כְּגֵיחֲזִי וּבִזְמַן שֶׁנִּטְרָד לֹא יִמְצָא מְלַמֵּד וּמוֹרֶה לוֹ דֶּרֶךְ הָאֱמֶת. ה) וְהַשּׂוֹנֵא אֶת הַתּוֹכָחוֹת שֶׁהֲרֵי לֹא הִנִּיחַ לוֹ דֶּרֶךְ תְּשׁוּבָה. שֶׁהַתּוֹכָחָה גּוֹרֶמֶת לִתְשׁוּבָה שֶׁבִּזְמַן שֶׁמּוֹדִיעִין לוֹ לָאָדָם חֲטָאָיו וּמַכְלִימִין אוֹתוֹ חוֹזֵר בִּתְשׁוּבָה כְּמוֹ שֶׁכָּתוּב בַּתּוֹרָה (דברים ט ז) „זְכֹר (וְ) אַל תִּשְׁכַּח“. (דברים ט ז) „מַמְרִים הֱיִיתֶם“. (דברים כט ג) „וְלֹא נָתַן ה‘ לָכֶם לֵב“. (דברים לב ו) „עַם נָבָל וְלֹא חָכָם“. וְכֵן יְשַׁעְיָהוּ הוֹכִיחַ אֶת יִשְׂרָאֵל וְאָמַר (ישעיה א ד) „הוֹי גּוֹי חֹטֵא“. (ישעיה א ג) „יָדַע שׁוֹר קֹנֵהוּ“. (ישעיה מח ד) „מִדַּעְתִּי כִּי קָשֶׁה אָתָּה“. וְכֵן צִוָּהוּ הָאֵל לְהוֹכִיחַ לַחַטָּאִים שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה נח א) „קְרָא בְגָרוֹן אַל תַּחְשֹׂךְ“. וְכֵן כָּל הַנְּבִיאִים הוֹכִיחוּ לְיִשְׂרָאֵל עַד שֶׁחָזְרוּ בִּתְשׁוּבָה. לְפִיכָךְ צָרִיךְ לְהַעֲמִיד בְּכָל קָהָל וְקָהָל מִיִּשְׂרָאֵל חָכָם גָּדוֹל וְזָקֵן וִירֵא שָׁמַיִם מִנְּעוּרָיו וְאָהוּב לָהֶם שֶׁיְּהֵא מוֹכִיחַ לָרַבִּים וּמַחֲזִירָן בִּתְשׁוּבָה, וְזֶה שֶּׁשּׂוֹנֵא אֶת הַתּוֹכָחוֹת אֵינוֹ בָּא לַמּוֹכִיחַ וְלֹא שׁוֹמֵעַ דְּבָרָיו לְפִיכָךְ יַעֲמֹד בְּחַטֹּאתָיו שֶׁהֵם בְּעֵינָיו טוֹבִים:

[Verschluss der Teschuwa]
Folgende fünf Sünden wiederum verschließen dem Täter die Pforten der Teschuwa:

1. Wenn jemand sich von der Gemeinde absondert; denn auf diese Weise hat er weder die Gelegenheit an der allgemeinen Teschuwa teilzunehmen, noch kann er der guten Taten teilhaftig werden.
2. Wenn Jemand auf die Worte der Weisen nicht achtet und eine förmliche Losreißung von denselben bewirkt: indem er Meinungen hegt, die den ihrigen widersprechen, so dass ihm auch die Wege der Teschuwa unbekannt bleiben.
3. Wenn Jemand der Gebote spottet; denn sobald dieselben in seinen Augen verächtlich werden, so strebt er ihnen nicht mehr nach, vollzieht keins derselben und hat auf diese Weise auch seine Mittel zum Guten zu gelangen.
4. Wenn Jemand seine Lehrer beschimpft; denn dies kann Veranlassung sein, dass diese ihn von sich weisen und förmlich verstoßen aber ist er erst auf diese Weise verstoßen, so findet er auch nicht leicht einen anderen Lehrer, der ihm den Weg der Wahrheit zeigen könnte.
5. Wenn jemand die Ermahnungsreden hasst; denn auf diese Weise schneidet er sich selbst die Rückkehr ab, da die Ermahnung immer die Vorgängerin der Teschuwa ist und der Mensch, dem man seine Sünden vorführt und ihn auf diese Weise beschämt, sich auch unwillkürlich der Teschuwa zuwendet; wie auch geschrieben steht: »Gedenke und vergesse nicht; widerspenstig waret ihr gegen Gott« (Deut. 9:7) »und Gott gab euch kein Herz, zu verstehen« (Deut. 29:4) »unwürdiges und unverständiges Volk« (Deut. 32:6). So finden wir auch, dass der Prophet Jesaias den Isaeliten Strafpredigten hält, indem er sagt: »O du sündhaft Volk! Der Ochs kennt seinen Herrn« (Jes. 1:3- 4) »da ich weiß, dass du hartnäckig bist« (Jes. 48:4). So auch gebot ihm Gott den Sündern Strafpredigten zu halten, indem er ihm sagt: »Rufe aus vollem Halse, spare keine Worte« (Jes. 48:1); und so ermahnten auch alle Propheten die Kinder Israel so lange, bis sie in Reue und Teschuwa zu Gott wiederkehrten. Daher ist es auch Pflicht in jeder Israelitischen Gemeinde einen großen Gelehrten, der schon bejahrt ist, von Jugend auf immer gottesfürchtig war und sich bei der Gemeinde beliebt gemacht, als Prediger anzustellen zu suchen, damit er die Menge ermahne und sie zur Teschuwa bekehre. Wer aber die Strafpredigten hasst, geht auch nicht zum Prediger hin, hört auch nicht auf seine Worte und bleibt immer bei seinen Sünden, die ihm behagen.

§ 3

וּמֵהֶם חֲמִשָּׁה דְּבָרִים הָעוֹשֶׂה אוֹתָן אִי אֶפְשָׁר לוֹ שֶׁיָּשׁוּב בִּתְשׁוּבָה גְּמוּרָה לְפִי שֶׁהֵם עֲוֹנוֹת שֶׁבֵּין אָדָם לַחֲבֵרוֹ וְאֵינוֹ יוֹדֵעַ חֲבֵרוֹ שֶׁחָטָא לוֹ כְּדֵי שֶׁיַּחֲזִיר לוֹ אוֹ יִשְׁאַל מִמֶּנּוּ לִמְחל לוֹ. וְאֵלּוּ הֵן. א) הַמְקַלֵּל אֶת הָרַבִּים וְלֹא קִלֵּל אָדָם יָדוּעַ כְּדֵי שֶׁיִּשְׁאַל מִמֶּנּוּ כַּפָּרָה. ב) וְהַחוֹלֵק עִם גַּנָּב, שֶׁלְּפִי שֶׁאֵינוֹ יוֹדֵעַ גְּנֵבָה זוֹ שֶׁל מִי הִיא אֶלָּא הַגַּנָּב גּוֹנֵב לָרַבִּים וּמֵבִיא לוֹ וְהוּא לוֹקֵחַ. וְעוֹד שֶׁהוּא מַחֲזִיק יַד הַגַּנָּב וּמַחְטִיאוֹ. ג) וְהַמּוֹצֵא אֲבֵדָה וְאֵינוֹ מַכְרִיז עָלֶיהָ עַד שֶׁיַּחֲזִירָהּ לִבְעָלֶיהָ, לְאַחַר זְמַן כְּשֶׁיַּעֲשֶׂה תְּשׁוּבָה אֵינוֹ יוֹדֵעַ לְמִי יַחֲזִיר. ד) וְהָאוֹכֵל שׁוֹר עֲנִיִּים וִיתוֹמִים וְאַלְמָנוֹת. אֵלּוּ בְּנֵי אָדָם אֻמְלָלִין הֵם וְאֵינָן יְדוּעִים וּמְפֻרְסָמִים וְגוֹלִים מֵעִיר לְעִיר וְאֵין לָהֶם מַכִּיר כְּדֵי שֶׁיֵּדַע שׁוֹר זֶה שֶׁל מִי הוּא וְיַחֲזִירֶנּוּ לוֹ. ה) וְהַמְקַבֵּל שֹׁחַד לְהַטּוֹת דִּין אֵינוֹ יוֹדֵעַ עַד הֵיכָן הִגִּיעַ הַטָּיָה זוֹ וְכַמָּה הִיא כֹּחָהּ כְּדֵי שֶׁיַּחֲזִיר, שֶׁהַדָּבָר יֵשׁ לוֹ רַגְלַיִם. וְעוֹד שֶׁהוּא מַחֲזִיק יַד זֶה וּמַחְטִיאוֹ:

[Mangel an Besänftigung und Verzeihung]
Noch fünf Sünden gibt es, welche Demjenigen, der sie begangen, es unmöglich machen, vollkommene Teschuwa zu tun, weil es Vergehen gegen Nebenmenschen sind und zwar der Art, dass der Täter die beleidigte Person nicht kennt und sonach auch außer Stand ist, sie zu entschädigen, oder um Verzeihung zu bitten. Es sind nämlich folgende:

1. Wenn jemand die Menge verflucht, nicht aber einen bestimmten Menschen, von dem er Verzeihung erbitten könnte.
2. Wer mit Dieben Geschäfte macht, da er nicht weiß, wem das gestohlene Gut angehört, indem der Dieb von Verschiedenen stiehlt, ihm das Gestohlene bringt, und er es annimmt. Außerdem aber hat er eine große Sünde begangen, indem er den Dieb dadurch unterstützt und so noch mehr zur Sünde verleitet.
3. Wenn jemand etwas Verlorenes findet, ohne es öffentlich auszubieten, um es dem Eigentümer zurückzuerstatten. Tut er erst nach längerer Zeit Teschuwa, so kann er nicht wissen, wem das verlorene Gut angehörte.
4. Wenn jemand das armen Weisen und Witwen geraubte sich zu Nutze zieht; namentlich wenn sie zu der Klasse jener unglücklichen Menschen gehören, welche, weder bekannt noch renommiert, von Stadt zu Stadt herumirren, wo dann auch sich Niemand finden würde, der wissen konnte, dass das Geraubte diesem oder jenem gehöre und uns in den Stand setzen könnte, es dem rechtmäßigen Eigentümer wieder zu erstatten.
5. Wenn Jemand sich zu einem falschen Gerichtsurteil bestechen läßt; da er nicht wissen kann, welchen Schaden dieses ungerechte Urteil anrichtet und welche Folgen es hatte, sonach auch nicht im Stande ist, den Schaden zu ersetzen. Besonders wirkt hier erschwerend ein, dass der Richter den Ungerechten in seinem Unrecht bestärkt, und ihn noch mehr verleitet.

§ 4

וּמֵהֶן חֲמִשָּׁה דְּבָרִים הָעוֹשֶׂה אוֹתָן אֵין חֶזְקָתוֹ לָשׁוּב מֵהֶן. לְפִי שֶׁהֵם דְּבָרִים קַלִּים בְּעֵינֵי רֹב הָאָדָם וְנִמְצָא חוֹטֵא וְהוּא יְדַמֶּה שֶׁאֵין זֶה חֵטְא. וְאֵלּוּ הֵן. א) הָאוֹכֵל מִסְּעֻדָּה שֶׁאֵינָהּ מַסְפֶּקֶת לִבְעָלֶיהָ שֶׁזֶּה אֲבַק גֵּזֶל הוּא. וְהוּא מְדַמֶּה שֶׁלֹּא חָטָא וְיֹאמַר כְּלוּם אָכַלְתִּי אֶלָּא בִּרְשׁוּתוֹ. ב) הַמִּשְׁתַּמֵּשׁ בַּעֲבוֹטוֹ שֶׁל עָנִי שֶׁהָעֲבוֹט שֶׁל עָנִי אֵינוֹ אֶלָּא כְּגוֹן קוֹרְדוֹם וּמַחֲרֵשָׁה וְיֹאמַר בְּלִבּוֹ אֵינָן חֲסֵרִים וַהֲרֵי לֹא גָּזַלְתִּי אוֹתוֹ. ג) הַמִּסְתַּכֵּל בַּעֲרָיוֹת מַעֲלֶה עַל דַּעְתּוֹ שֶׁאֵין בְּכָךְ כְּלוּם שֶׁהוּא אוֹמֵר וְכִי בָּעַלְתִּי אוֹ קָרַבְתִּי אֶצְלָהּ. וְהוּא אֵינוֹ יוֹדֵעַ שֶׁרְאִיַּת הָעֵינַיִם עָוֹן גָּדוֹל שֶׁהִיא גּוֹרֶמֶת לְגוּפָן שֶׁל עֲרָיוֹת שֶׁנֶּאֱמַר (במדבר טו לט) „וְלֹא תָתֻרוּ אַחֲרֵי לְבַבְכֶם וְאַחֲרֵי עֵינֵיכֶם“. ד) הַמִּתְכַּבֵּד בִּקְלוֹן חֲבֵרוֹ אוֹמֵר בְּלִבּוֹ שֶׁאֵינוֹ חֵטְא לְפִי שֶׁאֵין חֲבֵרוֹ עוֹמֵד שָׁם וְלֹא הִגִּיעַ לוֹ בּשֶׁת וְלֹא בִּיְּשׁוֹ אֶלָּא עָרַךְ מַעֲשָׂיו הַטּוֹבִים וְחָכְמָתוֹ לְמוּל מַעֲשֵׂה חֲבֵרוֹ אוֹ חָכְמָתוֹ כְּדֵי שֶׁיֵּרָאֶה מִכְּלָלוֹ שֶׁהוּא מְכֻבָּד וַחֲבֵרוֹ בָּזוּי. ה) וְהַחוֹשֵׁד כְּשֵׁרִים אוֹמֵר בְּלִבּוֹ שֶׁאֵינוֹ חֵטְא לְפִי שֶׁהוּא אוֹמֵר מֶה עָשִׂיתִי לוֹ וְכִי יֵשׁ שָׁם אֶלָּא חֲשָׁד שֶׁמָּא עָשָׂה אוֹ לֹא עָשָׂה וְהוּא אֵינוֹ יוֹדֵעַ שֶׁזֶּה עָוֹן שֶׁמֵּשִׂים אָדָם כָּשֵׁר בְּדַעְתּוֹ כְּבַעַל עֲבֵרָה:

[Unbedeutend erscheinende Sünden]
Wieder fünf andere Sünden gibt es, bei denen anzunehmen ist, dass, wenn Jemand sie begangen, dieser aller Wahrscheinlichkeit nach nicht Teschuwa tun wird; weil sie den meisten Menschen als zu unbedeutend erscheinen und dieselben solche Sünden begehen, indem sie dabei den Glauben hegen, gar nicht gesündigt zu haben.

1. Wenn jemand Teil nimmt an einer Mahlzeit, welche für die Wirte nicht hinreicht. Dieses wird Geheimraub genannt; denn jener denkt, dass er Nichts damit verbrochen indem er doch mit der Erlaubnis des Wirts gegessen.
2. Wenn Jemand das Pfand eines Armen benutzt; da doch ein solches Unterpfand nur ein sehr unbedeutender Gegenstand sein kann, wie z. B. ein Beil, ein Pflug u.s.w. und er bei sich denkt: diese werden ja nicht dadurch verdorben, ich begehe also keineswegs einen Raub an den Armen.
3. Wenn Jemand die Frau seines Nächsten mit lüsternen Blicken ansieht, aber dabei denkt: es hat ja nichts zu sagen, denn ich übe ja doch deshalb noch kein Vergehen mit ihr aus. Ein solcher bedenkt nicht, dass solche Blicke schon darum als Sünde anzusehen sind, weil sie zu einem Verbrechen führen können; wie geschrieben steht »und ihr sollt nicht nachgehen eurem Herzen und euren Augen« (Num. 15:39)
4. Wenn Jemand durch die Herabsetzung seines Nächsten sich Ehre verschaffen will. Ein Solcher denkt bei sich, dass er nicht gesündigt, indem sein Nächster nicht zugegen war, folglich auch nicht beschämt wurde oder dass er ihn überhaupt gar nicht beschämen wollte, indem er bloß eine Vergleichung seiner eigenen Taten und seiner eigenen Kenntnisse, mit denen seines Nächsten angestellt, woraus man aber schließen kann, wie ehrenwert er, und wie verächtlich sein Nächster sei.
5. Wenn Jemand gegen Unschuldige Argwohn hegt: indem er ebenfalls bei sich denkt, dass er damit keine Sünde begehe, weil er Jenem nichts Wesentlichens zu Leide tue, vielmehr nur einen Argwohn gegen ihn hege, welcher ja an und für sich schon die Möglichkeit der Unschuld bedingt. Ein solcher bedenkt nicht, dass es eine sehr große Sünde ist, einen Unschuldigen in Gedanken als Sünder anzusehen.

§ 5

וּמֵהֶן חֲמִשָּׁה דְּבָרִים הָעוֹשֶׂה אוֹתָם יִמָּשֵׁךְ אַחֲרֵיהֶם תָּמִיד וְקָשִׁים הֵם לִפְרשׁ מֵהֶן. לְפִיכָךְ צָרִיךְ אָדָם לְהִזָּהֵר מֵהֶן שֶׁמָּא יִדְבַּק בָּהֶן וְהֵן כֻּלָּן דֵּעוֹת רָעוֹת עַד מְאֹד. וְאֵלּוּ הֵן. רְכִילוּת. וְלָשׁוֹן הָרַע. וּבַעַל חֵמָה. וּבַעַל מַחֲשָׁבָה רָעָה. וְהַמִּתְחַבֵּר לָרָשָׁע מִפְּנֵי שֶׁהוּא לוֹמֵד מִמַּעֲשָׂיו וְהֵן נִרְשָׁמִים בְּלִבּוֹ. הוּא שֶׁאָמַר שְׁלֹמֹה (משלי יג כ) „וְרֹעֶה כְסִילִים יֵרוֹעַ“. וּכְבָר בֵּאַרְנוּ בְּהִלְכוֹת דֵּעוֹת דְּבָרִים שֶׁצָּרִיךְ כָּל אָדָם לִנְהֹג בָּהֶן תָּמִיד, קַל וָחֹמֶר לְבַעַל תְּשׁוּבָה:

[Schlechte Gewohnheiten von denen es schwer zu abzulassen ist]
Weitere fünf Sünden gibt es, an welche der Täter sich bald so gewöhnt, dass es ihm später schwer wird von ihnen zu lassen. Darum muss auch der Mensch sich sorgfältig hüten, dieselben nicht zur Gewohnheit werden zu lassen, denn es sind unglückliche Neigungen, nämlich: Klatscherei, böser Leumund, Zorn, unreine Gedanken und der Umgang mit einem Bösewicht, weil man seine Taten leicht nachahmen, und dieselben dem Herzen einprägen könnte; wie auch der weise Salomo sagt: »Wer mit Toren Umgang pflegt, wird selbst schlecht«, (Prov. 13:20). Wir haben schon in der Sittenlehre Alles dargestellt, was jeder Mensch zu jeder Zeit beobachten muss; um wie viel mehr lässt sich dies vom Büßenden fordern.

§ 6

כָּל אֵלּוּ הַדְּבָרִים וְכַיּוֹצֵא בָּהֶן אַף עַל פִּי שֶׁמְּעַכְּבִין אֶת הַתְּשׁוּבָה אֵין מוֹנְעִין אוֹתָהּ אֶלָּא אִם עָשָׂה אָדָם תְּשׁוּבָה מֵהֶן הֲרֵי זֶה בַּעַל תְּשׁוּבָה וְיֵשׁ לוֹ חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא:

Obgleich nun alle diese Sünden die Teschuwa erschweren, so hindern sie dieselbe dennoch nicht und machen dieselbe nicht unmöglich. — Vielmehr wird Derjenige, welcher sie aufrichtig bereut, und Teschuwa tut, nichts desto weniger ein Büßender genannt und hat seinen Anteil an der zukünftigen Welt.

Kapitel 5

§ 1

רְשׁוּת לְכָל אָדָם נְתוּנָה. אִם רָצָה לְהַטּוֹת עַצְמוֹ לְדֶרֶךְ טוֹבָה וְלִהְיוֹת צַדִּיק הָרְשׁוּת בְּיָדוֹ. וְאִם רָצָה לְהַטּוֹת עַצְמוֹ לְדֶרֶךְ רָעָה וְלִהְיוֹת רָשָׁע הָרְשׁוּת בְּיָדוֹ. הוּא שֶׁכָּתוּב בַּתּוֹרָה (בראשית ג כב) „הֵן הָאָדָם הָיָה כְּאַחַד מִמֶּנּוּ לָדַעַת טוֹב וָרָע“. כְּלוֹמַר הֵן מִין זֶה שֶׁל אָדָם הָיָה יָחִיד בָּעוֹלָם וְאֵין מִין שֵׁנִי דּוֹמֶה לוֹ בְּזֶה הָעִנְיָן שֶׁיְּהֵא הוּא מֵעַצְמוֹ בְּדַעְתּוֹ וּבְמַחֲשַׁבְתּוֹ יוֹדֵעַ הַטּוֹב וְהָרַע וְעוֹשֶׂה כָּל מַה שֶּׁהוּא חָפֵץ וְאֵין מִי שֶׁיְּעַכֵּב בְּיָדוֹ מִלַּעֲשׂוֹת הַטּוֹב אוֹ הָרַע. וְכֵיוָן שֶׁכֵּן הוּא פֶּן יִשְׁלַח יָדוֹ:

[Der Freie Wille und die Verantwortung des Menschen]
Jedem Menschen ist die völlige Freiheit des Willens eigen, d. h. wenn er sich dem guten Wege zuwenden und fromm sein will, so kann er es auch; nicht minder steht es auch in seiner Macht, sich dem Bösen zuzuwenden und ein Sünder zu sein. Darauf deuten auch die Worte der Schrift: »Siehe der Mensch ist geworden wie unser Einer, zu erkennen, was gut und was böse ist« (Gen. 3:22); was so viel sagen will, als: das menschliche Geschlecht ist auch einzig in der Welt, so daß kein zweites in dieser Hinsicht sich ihm gleich stellen kann. Darum besitzt auch der Mensch in seinem eigenen Wissen und in seinen Gedanken, die Fähigkeit, dass Gute wie das Böse als solches zu erkennen und das zu vollführen, was er will, so dass ihn Niemand hindern kann, das Gute oder das Böse zu wählen. Demzufolge »vielleicht streckt er seine Hand aus.«

§ 2

אַל יַעֲבֹר בְּמַחֲשַׁבְתְּךָ דָּבָר זֶה שֶׁאוֹמְרִים טִפְּשֵׁי אֻמּוֹת הָעוֹלָם וְרֹב גָּלְמֵי בְּנֵי יִשְׂרָאֵל שֶׁהַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא גּוֹזֵר עַל הָאָדָם מִתְּחִלַּת בְּרִיָּתוֹ לִהְיוֹת צַדִּיק אוֹ רָשָׁע. אֵין הַדָּבָר כֵּן אֶלָּא כָּל אָדָם רָאוּי לוֹ לִהְיוֹת צַדִּיק כְּמשֶׁה רַבֵּנוּ אוֹ רָשָׁע כְּיָרָבְעָם אוֹ חָכָם אוֹ סָכָל אוֹ רַחֲמָן אוֹ אַכְזָרִי אוֹ כִּילַי אוֹ שׁוּעַ וְכֵן שְׁאָר כָּל הַדֵּעוֹת. וְאֵין לוֹ מִי שֶׁיִּכְפֵּהוּ וְלֹא גּוֹזֵר עָלָיו וְלֹא מִי שֶׁמּוֹשְׁכוֹ לְאֶחָד מִשְּׁנֵי הַדְּרָכִים אֶלָּא הוּא מֵעַצְמוֹ וּמִדַּעְתּוֹ נוֹטֶה לְאֵי זוֹ דֶּרֶךְ שֶׁיִּרְצֶה. הוּא שֶׁיִּרְמְיָהוּ אָמַר (איכה ג לח) „מִפִּי עֶלְיוֹן לֹא תֵצֵא הָרָעוֹת וְהַטּוֹב“. כְּלוֹמַר אֵין הַבּוֹרֵא גּוֹזֵר עַל הָאָדָם לִהְיוֹת טוֹב וְלֹא לִהְיוֹת רַע. וְכֵיוָן שֶׁכֵּן הוּא נִמְצָא זֶה הַחוֹטֵא הוּא הִפְסִיד אֶת עַצְמוֹ. וּלְפִיכָךְ רָאוּי לוֹ לִבְכּוֹת וּלְקוֹנֵן עַל חֲטָאָיו וְעַל מַה שֶּׁעָשָׂה לְנַפְשׁוֹ וּגְמָלָהּ רָעָה. הוּא שֶׁכָּתוּב אַחֲרָיו (איכה ג לט) „מַה יִּתְאוֹנֵן אָדָם חָי“ וְגוֹ‘. וְחָזַר וְאָמַר הוֹאִיל וּרְשׁוּתֵנוּ בְּיָדֵינוּ וּמִדַּעְתֵּנוּ עָשִׂינוּ כָּל הָרָעוֹת רָאוּי לָנוּ לַחֲזֹר בִּתְשׁוּבָה וְלַעֲזֹב רִשְׁעֵנוּ שֶׁהָרְשׁוּת עַתָּה בְּיָדֵינוּ. הוּא שֶׁכָּתוּב אַחֲרָיו (איכה ג מ) „נַחְפְּשָׂה דְרָכֵינוּ וְנַחְקֹרָה וְנָשׁוּבָה“ וְגוֹ‘:

Lasse in Dir den Gedanken nicht auftauchen, den auch die im Irrtum begangenen Heidenvölker, so wie viele ungebildete Israeliten, gelten machen wollten, dass nämlich der Heilige, gelobt sie Er, den Menschen in seinem Entstehen voraus bestimmt habe, ob er fromm oder sündhaft sein soll. Dem ist keineswegs so; sondern jeder Mensch kann so fromm sein, wie unser Lehrer Moses oder so sündhaft wie Jerobeam; er kann weise oder unvernünftig, erbarmungsvoll oder hartherzig, geizig oder freigiebig handeln; auf gleiche Weise steht es in seiner Macht, nach eigener Wahl alle Neigungen (zu hegen oder) zu beherrschen. — Niemand kann ihn nötigen, Niemand zwingen, Niemand hinziehen zu einem von diesen beiden Lebenspfaden, sondern er selbst, geleitet durch sein eigenes Bewußtsein, wendet sich nach welchem Wege er will. Darauf zielen auch die Worte des Propheten Jeremias, der da sagt: (Klagelieder 3:38): »Aus dem Munde des Ewigen geht nicht hervor das Böse und das Gute«, als wollte er damit sagen: der Schöpfer befehle keineswegs dem Menschen, gut oder sündhaft zu sein. Bei diesem Verhältnis der Dinge aber, bleibt also der Sünder selbst schuld an seinem Unglücke, weshalb er auch weinen und klagen muß über seine Sünden und das Böse, das er seiner eigenen Seele zugefügt; wie es auch im folgenden Verse heißt: »Was murrt der lebendige Mensch, der sich durch seine eigenen Sünden ins Unglück gestürzt.« (Klagelieder 3:39). Dann aber setzt der Prophet fort, indem er spricht: da wir die freie Wahl in unserer Macht haben, und wir mit unserm Bewußtsein das Böse ausgeübt, — so ziemt es uns auch Teschuwa zu tun und die Sünde zu lassen, indem wir es vermögen; wie es heißt (ebendas. 5:40): Wollen wir unsere Wege untersuchen, u. s. w.

§ 3

וְדָבָר זֶה עִקָּר גָּדוֹל הוּא וְהוּא עַמּוּד הַתּוֹרָה וְהַמִּצְוָה שֶׁנֶּאֱמַר (דברים ל טו) „רְאֵה נָתַתִּי לְפָנֶיךָ הַיּוֹם אֶת הַחַיִּים“. וּכְתִיב (דברים יא כו) „רְאֵה אָנֹכִי נֹתֵן לִפְנֵיכֶם הַיּוֹם“. כְּלוֹמַר שֶׁהָרְשׁוּת בְּיֶדְכֶם. וְכָל שֶׁיַּחְפֹּץ הָאָדָם לַעֲשׂוֹת מִמַּעֲשֵׂה בְּנֵי הָאָדָם עוֹשֶׂה בֵּין טוֹבִים בֵּין רָעִים. וּמִפְּנֵי זֶה הָעִנְיָן נֶאֱמַר (דברים ה כו) „מִי יִתֵּן וְהָיָה לְבָבָם זֶה לָהֶם“. כְּלוֹמַר שֶׁאֵין הַבּוֹרֵא כּוֹפֶה בְּנֵי הָאָדָם וְלֹא גּוֹזֵר עֲלֵיהֶן לַעֲשׂוֹת טוֹבָה אוֹ רָעָה אֶלָּא הַכּל מָסוּר לָהֶם:

Dieser Gegenstand ist ein Hauptprinzip und eine Stütze der Tora und des Gebotes, denn es heißt: »Siehe, ich habe vor dich heute hingelegt das Leben und den Tod usw.« (Deut 30:15) ebenso heißt es: »Siehe ich lege vor dich hin heute Segen und Fluch« (Deut. 11:26); was soviel sagen will als: »Ihr habt die freie Wahl und Alles, was der Mensch in menschlichen Dingen nur tun will, das kann er auch vollbringen, sei es schlecht oder gut. Daher heißt es auch (Deut. 5:29): «O möchte ihr Herz immer so bleiben u. s. w.«; als sollte dadurch angedeutet werden, dass der Schöpfer den Menschen nicht zwinge, noch im Voraus bestimme, ob sie Gutes oder Schlechtes tun sollen, sondern Alles ihrer eigenen freien Wahl überlässt.

§ 4

אִלּוּ הָאֵל הָיָה גּוֹזֵר עַל הָאָדָם לִהְיוֹת צַדִּיק אוֹ רָשָׁע אוֹ אִלּוּ הָיָה שָׁם דָּבָר שֶׁמּוֹשֵׁךְ אֶת הָאָדָם בְּעִקַּר תּוֹלַדְתּוֹ לְדֶרֶךְ מִן הַדְּרָכִים אוֹ לְמַדָּע מִן הַמַּדָּעוֹת אוֹ לְדֵעָה מִן הַדֵּעוֹת אוֹ לְמַעֲשֶׂה מִן הַמַּעֲשִׂים כְּמוֹ שֶׁבּוֹדִים מִלִּבָּם הַטִּפְּשִׁים הֹבְרֵי שָׁמַיִם הֵיאַךְ הָיָה מְצַוֶּה לָנוּ עַל יְדֵי הַנְּבִיאִים עֲשֵׂה כָּךְ וְאַל תַּעֲשֶׂה כָּךְ הֵיטִיבוּ דַּרְכֵיכֶם וְאַל תֵּלְכוּ אַחֲרֵי רִשְׁעֲכֶם וְהוּא מִתְּחִלַּת בְּרִיתוֹ כְּבָר נִגְזַר עָלָיו אוֹ תּוֹלַדְתּוֹ תִּמְשֹׁךְ אוֹתוֹ לְדָבָר שֶׁאִי אֶפְשָׁר לָזוּז מִמֶּנּוּ. וּמַה מָּקוֹם הָיָה לְכָל הַתּוֹרָה כֻּלָּהּ וּבְאֵי זֶה דִּין וְאֵיזֶה מִשְׁפָּט נִפְרָע מִן הָרָשָׁע אוֹ מְשַׁלֵּם שָׂכָר לַצַּדִּיק. הֲשֹׁפֵט כָּל הָאָרֶץ לֹא יַעֲשֶׂה מִשְׁפָּט. וְאַל תִּתְמַהּ וְתֹאמַר הֵיאַךְ יִהְיֶה הָאָדָם עוֹשֶׂה כָּל מַה שֶּׁיַּחְפֹּץ וְיִהְיוּ מַעֲשָׂיו מְסוּרִים לוֹ וְכִי יֵעָשֶׂה בָּעוֹלָם דָּבָר שֶׁלֹּא בִּרְשׁוּת קוֹנוֹ וְלֹא חֶפְצוֹ וְהַכָּתוּב אוֹמֵר (תהילים קלה ו) „כּל אֲשֶׁר חָפֵץ ה‘ עָשָׂה בַּשָּׁמַיִם וּבָאָרֶץ“. דַּע שֶׁהַכּל כְּחֶפְצוֹ יֵעָשֶׂה וְאַף עַל פִּי שֶׁמַּעֲשֵׂינוּ מְסוּרִין לָנוּ. כֵּיצַד. כְּשֵׁם שֶׁהַיּוֹצֵר חָפֵץ לִהְיוֹת הָאֵשׁ וְהָרוּחַ עוֹלִים לְמַעְלָה וְהַמַּיִם וְהָאָרֶץ יוֹרְדִים לְמַטָּה וְהַגַּלְגַּל סוֹבֵב בְּעִגּוּל וְכֵן שְׁאָר בְּרִיּוֹת הָעוֹלָם לִהְיוֹת כְּמִנְהָגָן שֶׁחָפֵץ בּוֹ. כָּכָה חָפֵץ לִהְיוֹת הָאָדָם רְשׁוּתוֹ בְּיָדוֹ וְכָל מַעֲשָׂיו מְסוּרִין לוֹ וְלֹא יִהְיֶה לוֹ לֹא כּוֹפֶה וְלֹא מוֹשֵׁךְ אֶלָּא הוּא מֵעַצְמוֹ וּבְדַעְתּוֹ שֶׁנָּתַן לוֹ הָאֵל עוֹשֶׂה כָּל שֶׁהָאָדָם יָכוֹל לַעֲשׂוֹת. לְפִיכָךְ דָּנִין אוֹתוֹ לְפִי מַעֲשָׂיו. אִם עָשָׂה טוֹבָה מֵיטִיבִין לוֹ וְאִם עָשָׂה רָעָה מְרֵעִין לוֹ. הוּא שֶׁהַנָּבִיא אוֹמֵר מִיֶּדְכֶם הָיְתָה זֹּאת לָכֶם. גַּם הֵמָּה בָּחֲרוּ בְּדַרְכֵיהֶם. וּבְעִנְיָן זֶה אָמַר שְׁלֹמֹה (קהלת יא ט) „שְׂמַח בָּחוּר בְּיַלְדוּתֶיךָ“ (קהלת יא ט) „וְדָע כִּי עַל כָּל אֵלֶּה יְבִיאֲךָ הָאֱלֹהִים בַּמִּשְׁפָּט“. כְּלוֹמַר דַּע שֶׁיֵּשׁ בְּיָדְךָ כֹּחַ לַעֲשׂוֹת וְעָתִיד אַתָּה לִתֵּן אֶת הַדִּין:

[Gottes gerechtes Gericht]
Hätte der Allmächtige dem Menschen vorherbestimmt, fromm oder sündhaft zu sein oder wäre irgendein Anlass vorhanden, der den Menschen schon bei seinem Entstehen zu einem bestimmten Lebenspfade, zu einer Wissenschaft, zu einer Neigung, zu einer Tat hinlenken könnte, wie die dummen Astrologen fantasieren, so hätte uns doch Gott nicht durch Seine Propheten geboten: »Tut so und nicht anders, bessert euren Lebenswandel und geht nicht der Sünde nach«, — da der Mensch schon bei seinem Entstehen im Voraus seine Bestimmung gehabt hatte oder seine Geburt ihn zu einer Richtung hingeführt hätte, von welcher er in keiner Weise abweichen kann. Die ganze Tora wäre ja ohne feste Stütze und mit welchem Recht und nach welchem Ratschlüsse könnte Gott den Bösewicht strafen und den Frommen belohnen? »Sollte denn der Richter der ganzen Erde kein Recht ergehen lassen?« (Gen. 18:25). Man wundere sich aber nicht, wie der Mensch im Stande sein kann, alles das zu tun, was er will und vollkommen Herr seiner Taten zu sein, — da er Nichts ohne den Willen und die Erlaubnis seines Schöpfers auszuführen vermag: — wie auch die Schrift sagt: »Gott tut Alles, was Er will, im Himmel und auf Erden«, (Ps. 135:6). Denn wisse, dass Er (Gott) Alles nach seinem Willen tut, obgleich unsere Taten unserer freien Wahl überlassen sind. Gleichwie nämlich der Schöpfer angeordnet hat, dass Feuer und Luft nach oben steigen, Wasser und Erde aber nach unten fallen, die Sphären in der Runde kreisen und die anderen Geschöpfe in der Welt, je nach der ihnen zugeteilten Natur, existieren — ganz so ist es auch Sein Wille, dass der Mensch die freie Wahl habe und Herr seiner Taten sei, so dass für ihn nichts Bindendes oder Nötigendes vorhanden sei; er vielmehr durch sich selbst und durch sein ihm vom Allmächtigen erteiltes Wissen Alles vollziehe, was er im Allgemeinen zu tun im Stande ist. Darum wird aber auch der Mensch nach seinen Taten gerichtet; hat er gut gehandelt, so vergilt es ihm Gott mit Gutem; hat er schlecht gehandelt, so widerfährt ihm Schlechtes. So heißt es auch beim Propheten Maleachi: »Aus euren eigenen Händen habt ihr es« (Mel. 1:9), — »Denn auch sie haben ihre Lebenspfade erwählt u. s. w.«. (Jes. 66:3) und auf diese Weise spricht Salomo: »Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend …, wisse aber, daß über alles dieses der Ewige von dir Rechenschaft verlangen wird«, (Prediger 11:9) womit er sagen will: Wisse, dass es in deiner Macht steht zu handeln wie du willst, dass du aber in Zukunft Rechenschaft darüber ablegen wirst.

§ 5

שֶׁמָּא תֹּאמַר וַהֲלֹא הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא יוֹדֵעַ כָּל מַה שֶּׁיִּהְיֶה וְקֹדֶם שֶׁיִּהְיֶה יֵדַע שֶׁזֶּה יִהְיֶה צַדִּיק אוֹ רָשָׁע אוֹ לֹא יֵדַע. אִם יֵדַע שֶׁהוּא יִהְיֶה צַדִּיק אִי אֶפְשָׁר שֶׁלֹּא יִהְיֶה צַדִּיק וְאִם תֹּאמַר שֶׁיֵּדַע שֶׁיִּהְיֶה צַדִּיק וְאֶפְשָׁר שֶׁיִּהְיֶה רָשָׁע הֲרֵי לֹא יֵדַע הַדָּבָר עַל בֻּרְיוֹ. דַּע שֶׁתְּשׁוּבַת שְׁאֵלָה זוֹ אֲרֻכָּה מֵאֶרֶץ מִדָּה וּרְחָבָה מִנִּי יָם וְכַמָּה עִקָּרִים גְּדוֹלִים וַהֲרָרִים רָמִים תְּלוּיִים בָּהּ אֲבָל צָרִיךְ אַתָּה לֵידַע וּלְהָבִין בְּדָבָר זֶה שֶׁאֲנִי אוֹמֵר. כְּבָר בֵּאַרְנוּ בְּפֶרֶק שֵׁנִי מֵהִלְכוֹת יְסוֹדֵי הַתּוֹרָה שֶׁהַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא אֵינוֹ יוֹדֵעַ מִדֵּעָה שֶׁהִיא חוּץ מִמֶּנּוּ כִּבְנֵי אָדָם שֶׁהֵם וְדַעְתָּם שְׁנַיִם. אֶלָּא הוּא יִתְעַלֶּה שְׁמוֹ וְדַעְתּוֹ אֶחָד וְאֵין דַּעְתּוֹ שֶׁל אָדָם יְכוֹלָה לְהַשִּׂיג דָּבָר זֶה עַל בֻּרְיוֹ. וּכְשֵׁם שֶׁאֵין כֹּחַ בָּאָדָם לְהַשִּׂיג וְלִמְצֹא אֲמִתַּת הַבּוֹרֵא שֶׁנֶּאֱמַר (שמות לג כ) „כִּי לֹא יִרְאַנִי הָאָדָם וָחָי“ כָּךְ אֵין כֹּחַ בָּאָדָם לְהַשִּׂיג וְלִמְצֹא דַּעְתּוֹ שֶׁל הַבּוֹרֵא. הוּא שֶׁהַנָּבִיא אָמַר (ישעיה נה ח) „כִּי לֹא מַחְשְׁבוֹתַי מַחְשְׁבוֹתֵיכֶם וְלֹא דַרְכֵיכֶם דְרָכָי“. וְכֵיוָן שֶׁכֵּן הוּא אֵין בָּנוּ כֹּחַ לֵידַע הֵיאַךְ יֵדַע הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא כָּל הַבְּרוּאִים וְהַמַּעֲשִׂים אֲבָל נֵדַע בְּלֹא סָפֵק שֶׁמַּעֲשֵׂה הָאָדָם בְּיַד הָאָדָם וְאֵין הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא מוֹשְׁכוֹ וְלֹא גּוֹזֵר עָלָיו לַעֲשׂוֹת כָּךְ. וְלֹא מִפְּנֵי קַבָּלַת הַדָּת בִּלְבַד נוֹדַע דָּבָר זֶה אֶלָּא בִּרְאָיוֹת בְּרוּרוֹת מִדִּבְרֵי הַחָכְמָה. וּמִפְּנֵי זֶה נֶאֱמַר בַּנְּבוּאָה שֶׁדָּנִין אֶת הָאָדָם עַל מַעֲשָׂיו כְּפִי מַעֲשָׂיו אִם טוֹב וְאִם רַע וְזֶה הוּא הָעִקָּר שֶׁכָּל דִּבְרֵי הַנְּבוּאָה תְּלוּיִין בּוֹ:

[Gotteserkenntnis]
Du wirst vielleicht den Einwurf machen: Da der Heilige, gelobt sei Er, Alles vorher weiß, was da kommen wird, so musste Er auch vorher wissen, ob Jemand fromm oder sündhaft sein werde oder Er müsste eben nicht allwissend sein. Weiß Gott aber, dass Jemand fromm sein wird, so ist es doch eine Unmöglichkeit, dass dies nicht der Fall wäre, wodurch aber allerdings die freie Wahl beeinträchtigt werden müsste. Sollte man sich aber denken, dass Er (Gott) wohl wisse, dass Jemand fromm sein werde, dass aber dennoch die Möglichkeit gedacht werden könne, dass Er auch ein Sünder werde, so wäre ja das Wissen nicht klar.
So wisse denn, dass die Beantwortung dieser Frage »länger ist als das Maß der Erde und breiter als das Meer.« und mehrere wichtige Grundsätze und hocherhabene Folgerungen daran geknüpft sind. Aber du musst nachdenken und zu erfassen suchen, was ich dir über diesen Gegenstand sage: Wir haben schon «in den Grundsätzen der Lehre« erklärt, daß der Heilige, gelobt sei Er, seine Kenntniß der Dinge nicht durch eine äußere Wahrnehmung (durch eine außer ihm liegende relative Anschauung) erlange, wie z. B. des Menschen Sein und sein Wissen in dieser Beziehung als zwei getrennte Gegenstände gedacht werden müssen, vielmehr bildet Er, gelobt sei Sein Name, und Sein Wissen eine ursprüngliche Einheit, so daß das menschliche Wissen nicht im Stande ist diese Göttlichkeit klar zu erfassen, denn wie der Mensch keine Kraft besitzt das wahre Sein des Schöpfers zu erfassen, wie es heißt: »Denn es kann der Mensch mich nicht er schauen und lebendig bleiben« (Ex. 33:20), so hat er auch nicht die Kraft, das Wissen des Schöpfers zu ergründen und zu erfassen, wie es beim Propheten heißt: »Denn meine Gedanken sind nicht wie die eurigen und meine Wege nicht wie die eurigen«. (Jer. 55:8-9). — Da nun dem so ist, so haben wir auch nicht die Fähigkeit zu wissen wie die Kenntniß, welche der Heilige, gelobt sei Er, von Seinen Geschöpfen und deren Handlungen besitzt, beschaffen sei, aber wissen ganz zweifellos, dass der Mensch Herr seiner Taten ist und daß der Heilige, gelobt sei Er, ihm weder irgend eine Tat voraus bestimmte oder ihn dazu hinlenkte. Und nicht bloß durch den Glauben werden wir darauf hingeführt, sondern durch klare Beweise der Philosophie. Darum heißt es auch in der Prophezeiung, dass der Mensch nach Maßgabe seiner Taten, je nachdem sie gut oder böse waren, gerichtet werde und dies ist auch der Grundsatz,auf welchen sich alle Prophezeiungen stützen.

Kapitel 6

§ 1

פְּסוּקִים הַרְבֵּה יֵשׁ בַּתּוֹרָה וּבְדִבְרֵי נְבִיאִים שֶׁהֵן נִרְאִין כְּסוֹתְרִין עִקָּר זֶה וְנִכְשָׁלִין בָּהֶן רֹב הָאָדָם וְיַעֲלֶה עַל דַּעְתָּן מֵהֶן שֶׁהַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא הוּא גּוֹזֵר עַל הָאָדָם לַעֲשׂוֹת רָעָה אוֹ טוֹבָה וְשֶׁאֵין לִבּוֹ שֶׁל אָדָם מָסוּר לוֹ לְהַטּוֹתוֹ לְכָל אֲשֶׁר יִרְצֶה. וַהֲרֵי אֲנִי מְבָאֵר עִקָּר גָּדוֹל שֶׁמִּמֶּנּוּ תֵּדַע פֵּרוּשׁ כָּל אוֹתָן הַפְּסוּקִים. בִּזְמַן שֶׁאָדָם אֶחָד אוֹ אַנְשֵׁי מְדִינָה חוֹטְאִים וְעוֹשֶׂה הַחוֹטֵא חֵטְא שֶׁעוֹשֶׂה מִדַּעְתּוֹ וּבִרְצוֹנוֹ כְּמוֹ שֶׁהוֹדַעְנוּ רָאוּי לְהִפָּרַע מִמֶּנּוּ וְהַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא יוֹדֵעַ אֵיךְ יִפָּרַע. יֵשׁ חֵטְא שֶׁהַדִּין נוֹתֵן שֶׁנִּפְרָעִים מִמֶּנּוּ עַל חֶטְאוֹ בָּעוֹלָם הַזֶּה בְּגוּפוֹ אוֹ בְּמָמוֹנוֹ אוֹ בְּבָנָיו הַקְּטַנִּים שֶׁבָּנָיו שֶׁל אָדָם הַקְּטַנִּים שֶׁאֵין בָּהֶם דַּעַת וְלֹא הִגִּיעוּ לִכְלַל מִצְוַת כְּקִנְיָנוֹ הֵן וּכְתִיב (דברים כד טז) „אִישׁ בְּחֶטְאוֹ יָמוּת“ עַד שֶׁיֵּעָשֶׂה אִישׁ. וְיֵשׁ חֵטְא שֶׁהַדִּין נוֹתֵן שֶׁנִּפְרָעִין מִמֶּנּוּ לָעוֹלָם הַבָּא וְאֵין לָעוֹבֵר עָלָיו שׁוּם נֵזֶק בָּעוֹלָם הַזֶּה. וְיֵשׁ חֵטְא שֶׁנִּפְרָעִין מִמֶּנּוּ בָּעוֹלָם הַזֶּה וְלָעוֹלָם הַבָּא:

[Bestrafung der Sünder]
Im Pentateuch und bei den Propheten kommen viele Stellen vor, die dem oben angeführten Grundsatz zu widersprechen scheinen, was auch viele Menschen irre leitet, die da der Meinung sich hingeben, dass der Heilige, gelobt sei Er, dem Menschen schon im Vorraus gute oder schlechte Handlungen zugeteilt habe, so dass dem Menschen dadurch die Möglichkeit genommen sei, sein Herz zu beherrschen und es dahin zu lenken, wohin er will. Deshalb will ich hier noch einen großen Grundsatz erläutern, damit dir durch ihn die wahre Bedeutung aller jener biblischen Stellen klar werde. Es ist nämlich allgemein anerkannt, dass, wenn irgendein einzelner Mensch oder die Gesamtheit der Bewohner einer Stadt sündigt, und die Sünde mit vollem Bewußtsein und ganz aus freien Stücken ausgeübt wird, so erfordert das Recht dass hierfür Strafe verhängt werde, und der Heilige, gelobt sei Er, weiß wie diese Strafe zu vollstrecken sei. — Es gibt nämlich eine Sünde, bei der die Gerechtigkeit es erheischt, dass Gott den Täter dafür schon auf dieser Welt entweder körperlich oder an Geld oder auch an seinen unerwachsenen Kindern bestrafe; denn die unerwachsenen Kinder, so lange sie noch keine eigene Vernunft besitzen und so keine Gebote erfüllen, sind als des Vaters Besitztum zu betrachten; wie auch geschrieben steht: »Jeder Mann sterbe für seine eigene Sünde« (Deut. 24:16), was so viel sagen will, als dass ein Erwachsener die Sünde begangen haben muss (nicht ein Kind). Dann gibt es eine Sünde, bei der die Gerechtigkeit es erheischt, dass man dafür nur in der zukünftigen Welt bestraft werde, so dass der Sünder dadurch gar keinen Schaden im irdischen Leben erfährt. Endlich gibt es auch eine Sünde, für welche man sowohl in diesem, als auch im künftigen Leben bestraft wird.

§ 2

בַּמֶּה דְּבָרִים אֲמוּרִים בִּזְמַן שֶׁלֹּא עָשָׂה תְּשׁוּבָה אֲבָל אִם עָשָׂה תְּשׁוּבָה הַתְּשׁוּבָה כִּתְרִיס לִפְנֵי הַפֻּרְעָנוּת. וּכְשֵׁם שֶׁהָאָדָם חוֹטֵא מִדַּעְתּוֹ וּבִרְצוֹנוֹ כָּךְ הוּא עוֹשֶׂה תְּשׁוּבָה מִדַּעְתּוֹ וּבִרְצוֹנוֹ:

Dieses Alles hat jedoch nur dann Geltung, wenn der Sünder keine Teschuwa getan hat. Tat er aber Teschuwa, so wird ihm diese zum Panzer gegen die Strafe Gottes. So wie aber der Mensch erst durch seinen eigenen freien Willen zum Sünder wird, ebenso muss er auch Teschuwa tun mit vollem Bewusstsein und aus freiem Willen.

§ 3

וְאֶפְשָׁר שֶׁיֶּחְטָא אָדָם חֵטְא גָּדוֹל אוֹ חֲטָאִים רַבִּים עַד שֶׁיִּתֵּן הַדִּין לִפְנֵי דַּיַן הָאֱמֶת שֶׁיְּהֵא הַפֵּרָעוֹן מִזֶּה הַחוֹטֵא עַל חֲטָאִים אֵלּוּ שֶׁעָשָׂה בִּרְצוֹנוֹ וּמִדַּעְתּוֹ שֶׁמּוֹנְעִין מִמֶּנּוּ הַתְּשׁוּבָה וְאֵין מַנִּיחִין לוֹ רְשׁוּת לָשׁוּב מֵרִשְׁעוֹ כְּדֵי שֶׁיָּמוּת וְיֹאבַד בְּחֶטְאוֹ שֶׁעָשָׂה. הוּא שֶׁהַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא אָמַר עַל יְדֵי יְשַׁעְיָהוּ (ישעיה ו י) „הַשְׁמֵן לֵב הָעָם הַזֶּה“ וְגוֹ‘. וְכֵן הוּא אוֹמֵר (דה“ב לו טז) „וַיִּהְיוּ מַלְעִבִים בְּמַלְאֲכֵי הָאֱלֹהִים וּבוֹזִים דְּבָרָיו וּמִתַּעְתְּעִים בִּנְבִאָיו עַד עֲלוֹת חֲמַת ה‘ בְּעַמּוֹ עַד לְאֵין מַרְפֵּא“. כְּלוֹמַר חָטְאוּ בִּרְצוֹנָם וְהִרְבּוּ לִפְשֹׁעַ עַד שֶׁנִּתְחַיְּבוּ לִמְנֹעַ מֵהֶן הַתְּשׁוּבָה שֶׁהִיא הַמַּרְפֵּא. לְפִיכָךְ כָּתוּב בַּתּוֹרָה (שמות ד כא) „וַאֲנִי (אֲחַזֵּק) [אַקְשֶׁה] אֶת לֵב פַּרְעֹה“. לְפִי שֶׁחָטָא מֵעַצְמוֹ תְּחִלָּה וְהֵרֵעַ לְיִשְׂרָאֵל הַגָּרִים בְּאַרְצוֹ שֶׁנֶּאֱמַר (שמות א י) „הָבָה נִתְחַכְּמָה לוֹ“. נָתַן הַדִּין לִמְנֹעַ הַתְּשׁוּבָה מִמֶּנּוּ עַד שֶׁנִּפְרַע מִמֶּנּוּ. לְפִיכָךְ חִזֵּק הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא אֶת לִבּוֹ. וְלָמָּה הָיָה שׁוֹלֵחַ לוֹ בְּיַד משֶׁה וְאוֹמֵר שְׁלַח וַעֲשֵׂה תְּשׁוּבָה וּכְבָר אָמַר לוֹ הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא אֵין אַתָּה מְשַׁלֵּחַ שֶׁנֶּאֱמַר (שמות ט ל) „וְאַתָּה וַעֲבָדֶיךָ יָדַעְתִּי“ וְגוֹ‘ (שמות ט טז) „וְאוּלָם בַּעֲבוּר זֹאת הֶעֱמַדְתִּיךָ“. כְּדֵי לְהוֹדִיעַ לְבָאֵי הָעוֹלָם שֶׁבִּזְמַן שֶׁמּוֹנֵעַ הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא הַתְּשׁוּבָה לַחוֹטֵא אֵינוֹ יָכוֹל לָשׁוּב אֶלָּא יָמוּת בְּרִשְׁעוֹ שֶׁעָשָׂה בִּתְחִלָּה בִּרְצוֹנוֹ. וְכֵן סִיחוֹן לְפִי עֲוֹנוֹת שֶׁהָיוּ לוֹ נִתְחַיֵּב לְמָנְעוֹ מִן הַתְּשׁוּבָה שֶׁנֶּאֱמַר (דברים ב ל) „כִּי הִקְשָׁה ה‘ אֱלֹהֶיךָ אֶת רוּחוֹ וְאִמֵּץ אֶת לְבָבוֹ“. וְכֵן הַכְּנַעֲנִים לְפִי תּוֹעֲבוֹתֵיהֶן מָנַע מֵהֶן הַתְּשׁוּבָה עַד שֶׁעָשׂוּ מִלְחָמָה עִם יִשְׂרָאֵל. שֶׁנֶּאֱמַר (יהושע יא כ) „כִּי מֵאֵת ה‘ הָיְתָה לְחַזֵּק אֶת לִבָּם לִקְרַאת הַמִּלְחָמָה עִם יִשְׂרָאֵל לְמַעַן הַחֲרִימָם“. וְכֵן יִשְׂרָאֵל בִּימֵי אֵלִיָּהוּ לְפִי שֶׁהִרְבּוּ לִפְשֹׁעַ מָנַע מֵאוֹתָן הַמַּרְבִּים לִפְשֹׁעַ תְּשׁוּבָה שֶׁנֶּאֱמַר (מלכים א יח לז) „וְאַתָּה הֲסִבֹּתָ אֶת לִבָּם אֲחֹרַנִּית“ כְּלוֹמַר מָנַעְתָּ מֵהֶן הַתְּשׁוּבָה. נִמְצֵאתָ אוֹמֵר שֶׁלֹּא גָּזַר הָאֵל עַל פַּרְעֹה לְהָרַע לְיִשְׂרָאֵל. וְלֹא עַל סִיחוֹן לַחֲטֹא בְּאַרְצוֹ. וְלֹא עַל הַכְּנַעֲנִים לְהַתְעִיב. וְלֹא עַל יִשְׂרָאֵל לַעֲבֹד עֲבוֹדָה זָרָה. אֶלָּא כֻּלָּן חָטְאוּ מֵעַצְמָן וְכֻלָּן נִתְחַיְּבוּ לִמְנֹעַ מֵהֶן הַתְּשׁוּבָה:

[Bestrafung hält die Teschuwa fern]
Es ist aber wohl möglich, dass Jemand eine große Sünde oder mehrere Sünden begehe, bei denen die Gerechtigkeit des wahren Richters fordert, dass solche Frevel dadurch bestraft werden, dass vom Sünder, nachdem er vorwissentlich und freiwillig gefrevelt, die Teschuwa ferngehalten und ihm die Möglichkeit genommen werde zurückzukehren, damit er sterbe, und vernichtet werde in seiner begangenen Sünde. — Das ist es, was der Heilige, gelobt sei Er, dem Propheten Jesaias in den Mund gelegt, der da spricht: »Verstockt werde das Herz dieses Volkes« (Jes. 6:10). So heißt es auch (2 Chr. 36:16): »Und sie pflegten zu spotten über die Boten Gottes, Seine Werke zu verachten, und Seinen Propheten Ärgernis zu bereiten, bis der Zorn des Ewigen vollzogen war über sein Volk rettungslos«, was so viel sagen will, als: sie haben aus freien Stücken so gesündigt und so Vieles verbrochen, dass sie es verschuldet haben, dass von ihnen die Teschuwa fern gehalten werde, die sich sonst doch immer als Rettungsmittel bewährt hat. Daher heißt es in den der Schrift: »Und ich werde verstockt machen das Herz Pharaos« (Ex. 4:21). Weil er vorher so schon stark gesündigt und den Kindern Israels, die in seinem Lande wohnten, so vielfach wehe getan; wie es auch heißt, (Ex. 1:10), »wollen wir gegen ihn uns beratschlagen«, so verlangte auch die Gerechtigkeit, dass man von ihm die Teschuwa so lange abhielte, bis man ihn bestrafen konnte. Daher machte auch der Heilige, gelobt sei Er, das Herz Pharaos verstockt. Warum aber sandte er ihm durch Moses die Aufforderung: »entsende die Kinder Israel und tue Buße«? Da doch der Heilige, gelobt sei er, schon im Voraus sagte: »du wirst sie nicht entsenden« wie auch geschrieben steht: »Du und deine Knechte, weiß ich, habet noch keine Furcht vor Gott« (Ex. 9:30), ferner: »Aber deswegen bloß ließ Ich dich noch bestehen, damit Ich dir Meine Kraft zeige« (Ex. 9:16). Antwort: Dies geschah nur, um den Menschenkindern zu zeigen, dass, wenn der Heilige, gelobt sei Er, die Teschuwa vom Sünder fern hält, dieser auch, ohne Teschuwa tun zu können, in seinem Frevel sterben müsse, dem er sich nach freier Wahl ergeben. Ebenso wurde von Sihon zur Strafe für seine vielen Sünden die Teschuwa abgehalten, wie es heißt: »Denn der Ewige, dein Gott, hat seinen Geist verstockt, und sein Herz unbeugsam gemacht«. Ebenso wurde den Kenaaniten, wegen ihrer Untaten die Teschuwa vorenthalten, bis sie den Krieg mit Israel angefangen ,wie geschrieben steht, »denn vom Ewigen rührte es her, dass ihr Herz trotzig war, um dem Krieg mit Israel entgegenzugehen, damit sie gänzlich vernichtet würden«, (Jos. 11:20). Ebenso hat Gott den Kindern Israel selbst, in den Tagen des Propheten Elias, die Teschuwa vorenthalten, weil sie so viel gesündigt, wie geschrieben steht: »Und Du hast ihr Herz abwendig gemacht« (1 Kön. 18:37), was so viel sagen will, als: Du hast ihnen die Teschuwa vorenthalten. — Daraus geht nun auch hervor, dass Gott weder dem Pharao vorherbestimmte, den Israeliten Böses zuzufügen, noch dem Sihon die Bestimmung gab, in seinem Lande zu freveln, noch die Kenaaniten veranlasste, Untaten zu begehen, oder den Israeliten — Götzen zu dienen, sondern alle diese haben nur von freien Stücken gefrevelt und es diente ihnen zur Strafe, dass ihnen die Teschuwa vorenthalten wurde.

§ 4

וּכְעִנְיָן זֶה שׁוֹאֲלִין הַצַּדִּיקִים וְהַנְּבִיאִים בִּתְפִלָּתָם מֵאֵת ה‘ לְעָזְרָם עַל הָאֱמֶת. כְּמוֹ שֶׁאָמַר דָּוִד (תהילים כז יא) „הוֹרֵנִי ה‘ דַּרְכֶּךָ“. כְּלוֹמַר אַל יִמְנָעוּנִי חֲטָאַי דֶּרֶךְ הָאֱמֶת שֶׁמִּמֶּנָּה אֵדַע דַּרְכְּךָ וְיִחוּד שְׁמֶךָ. וְכֵן זֶה שֶׁאָמַר (תהילים נא יד) „וְרוּחַ נְדִיבָה תִסְמְכֵנִי“ כְּלוֹמַר תַּנִּיחַ רוּחִי לַעֲשׂוֹת חֶפְצְךָ וְאַל יִגְרְמוּ לִי חֲטָאַי לְמָנְעֵנִי מִתְּשׁוּבָה אֶלָּא תִּהְיֶה הָרְשׁוּת בְּיָדִי עַד שֶׁאֶחֱזֹר וְאָבִין וְאֵדַע דֶּרֶךְ הָאֱמֶת. וְעַל דֶּרֶךְ זוֹ כָּל הַדּוֹמֶה לִפְסוּקִים אֵלּוּ:

[Gottes Hilfe]
In eben diesem Sinne erstehen die Frommen in ihrem Gebete von Gott, dass er ihnen zum Reiche der Wahrheit verhelfen möge, wie David sagt: »Lehre mich, Ewiger, den Weg Deiner Gesetze« (Ps. 19:33); was so viel sagen will, als: meine Sünden mögen mir nicht die Bahn der Teschuwa absperren, auf welcher ich Deine Wege und die Einheit Deines Namens erkennen könnte. Ebenso heißt bei ihm (bei David): »Und ein edler Mut unterstütze mich« (Ps. 51:14), was so viel heißen will, als: Du möchtest meinen Geist Deinen Willen vollziehen lassen und meine Sünden möchten mir nicht die Vorenthaltung der Teschuwa verursachen, du möchtest vielmehr mir die freie Wahl lassen, damit ich zur Einsicht wiederkehre und den Weg der Wahrheit erkenne. Auf diese Weise sind auch alle ähnlichen Verse zu erklären.

§ 5

וּמַהוּ זֶה שֶׁאָמַר דָּוִד (תהילים כה ח) „טוֹב וְיָשָׁר ה‘ עַל כֵּן יוֹרֶה חַטָּאִים בַּדָּרֶךְ“ (תהילים כה ט) „יַדְרֵךְ עֲנָוִים“ וְגוֹ‘. זֶה שֶׁשָּׁלַח נְבִיאִים לָהֶם מוֹדִיעִים דַּרְכֵי ה‘ וּמַחְזִירִין אוֹתָן בִּתְשׁוּבָה. וְעוֹד שֶׁנָּתַן בָּהֶם כֹּחַ לִלְמֹד וּלְהָבִין. שֶׁמִּדָּה זוֹ בְּכָל אָדָם שֶׁכָּל זְמַן שֶׁהוּא נִמְשָׁךְ בְּדַרְכֵי הַחָכְמָה וְהַצֶּדֶק מִתְאַוֶּה לָהֶן וְרוֹדֵף אוֹתָם. וְהוּא מַה שֶּׁאָמְרוּ רַבּוֹתֵינוּ זִכְרוֹנָם לִבְרָכָה בָּא לִטַּהֵר מְסַיְּעִין אוֹתוֹ כְּלוֹמַר יִמְצָא עַצְמוֹ נֶעֱזָר עַל הַדָּבָר. וַהֲלֹא כָּתוּב בַּתּוֹרָה (בראשית טו יג) „וַעֲבָדוּם וְעִנּוּ אֹתָם“, הֲרֵי גָּזַר עַל הַמִּצְרִיִּים לַעֲשׂוֹת רַע. וּכְתִיב (דברים לא טז) „וְקָם הָעָם הַזֶּה וְזָנָה אַחֲרֵי אֱלֹהֵי נֵכַר הָאָרֶץ“, הֲרֵי גָּזַר עַל יִשְׂרָאֵל לַעֲבֹד עֲבוֹדָה זָרָה. וְלָמָּה נִפְרַע מֵהֶן. לְפִי שֶׁלֹּא גָּזַר עַל אִישׁ פְּלוֹנִי הַיָּדוּעַ שֶׁיִּהְיֶה הוּא הַזּוֹנֶה אֶלָּא כָּל אֶחָד וְאֶחָד מֵאוֹתָן הַזּוֹנִים לַעֲבֹד עֲבוֹדָה זָרָה אִלּוּ לֹא רָצָה לַעֲבֹד לֹא הָיָה עוֹבֵד. וְלֹא הוֹדִיעוֹ הַבּוֹרֵא אֶלָּא מִנְהָגוֹ שֶׁל עוֹלָם. הָא לְמָה זֶה דּוֹמֶה לְאוֹמֵר הָעָם הַזֶּה יִהְיֶה בָּהֶן צַדִּיקִים וּרְשָׁעִים. לֹא מִפְּנֵי זֶה יֹאמַר הָרָשָׁע כְּבָר נִגְזַר עָלָיו שֶׁיִּהְיֶה רָשָׁע מִפְּנֵי שֶׁהוֹדִיעַ לְמשֶׁה שֶׁיִּהְיוּ רְשָׁעִים בְּיִשְׂרָאֵל. כָּעִנְיָן שֶׁנֶּאֱמַר (דברים טו יא) „כִּי לֹא יֶחְדַּל אֶבְיוֹן מִקֶּרֶב הָאָרֶץ“. וְכֵן הַמִּצְרִיִּים כָּל אֶחָד וְאֶחָד מֵאוֹתָן הַמְּצֵרִים וְהַמֵּרֵעִים לְיִשְׂרָאֵל אִלּוּ לֹא רָצָה לְהָרַע לָהֶם הָרְשׁוּת בְּיָדוֹ. שֶׁלֹּא גָּזַר עַל אִישׁ יָדוּעַ אֶלָּא הוֹדִיעוֹ שֶׁסּוֹף זַרְעוֹ עָתִיד לְהִשְׁתַּעְבֵּד בְּאֶרֶץ לֹא לָהֶם. וּכְבָר אָמַרְנוּ שֶׁאֵין כֹּחַ בָּאָדָם לֵידַע הֵיאַךְ יֵדַע הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא דְּבָרִים הָעֲתִידִין לִהְיוֹת:

Was meint nun eigentlich David, indem er spricht: »Gut und gerecht ist der Ewige, daher weist er die Sünder auf den rechten Weg und leitet die Demütigen in Gerechtigkeit u.s.w.«? (Ps. 25:8-9). Antwort: er verstand darunter, dass der Ewige ihnen Propheten schickte, welche die Wege Gottes den Menschen kund zu tun pflegten und sie auf diese Weise zur Teschuwa bekehrten; ja er gab sogar diesen Letzteren noch Kraft, zu lernen und zu begreifen, denn es ist jedem Menschen eigen, dass er an den Wegen der Weisheit und Gerechtigkeit Wohlgefallen habe und dieselben auch verfolge, sobald er sie erst einmal betreten, wie auch unsere Weisen, seligen Andenkens, sich ausgesprochen: wer da zum Reinigen kommt, dem wird auch geholfen, nämlich er wird sich durch die Sache selber in seiner Besserung befördert fühlen. — (Hier könnte man nun den Einwurf machen): Es heißt ja aber in der Tora: »Und sie werden ihnen dienstbar sein, diese aber werden sie abmartern« ( Gen. 15:13), was allerdings uns glauben machen könnte, Gott hätte den Ägyptern befohlen, den Kindern Israels Böses zu tun. Eine gleiche Deutung könnte man einer anderen Stelle unterlegen, (Deut. 31:16) »und dieses Volk wird aufstehen und nachlaufen den Abgöttern des Landes«, wo es ebenfalls den Anschein haben könnte, als hätte Gott die Israeliten vorherbestimmt, Götzen zu dienen. (Ist dem nun so) Warum straft er dennoch nachher? Antwort: Weil er erstens nicht diesem oder Jenem vorhersagte, dass gerade er der Abspenstige sein werde, sondern ein Jeder aus der Zahl der Abspenstigen, die Götzen gedient haben, hätte sich des Götzendienstes enthalten können, wenn er hierzu den Willen gehabt hätte. Der Schöpfer aber hat dem Moses seine Vorausverkündigungen nur im Allgemeinen gemacht, ungefähr wie Jemand sagen würde: »Unter diesem Volke werden Fromme und Sünder sein«, woraus aber der Sünder noch keineswegs folgern kann: dass er schon im Voraus (durch das Fatum) bestimmt gewesen sei, ein Sünder zu werden, da doch Gott dem Moses nur voraussagte, dass in Israel sich Sünder vorfinden würden, wie auch in ähnlicher Weise gesagt wird: dass es nie an Armen im Lande fehlen werde. Ebenso hatte ein jeder von den Ägyptern, welche den Kindern Israels so viel Böses und Leids zugefügt, das Böse unterlassen können nach eigener Wahl, denn Gott hat nicht das Schicksal eines einzelnen Menschen vorausgesagt, sondern ließ den Abraham nur wissen, dass seine Nachkommen einst in einem fremden Lande geknechtet werden sollten. Übrigens haben wir schon oben erklärt, dass der Mensch nicht die Kraft besitze, zu begreifen, in welcher Weise der Heilige, gelobt sei Er, im Voraus die Dinge, die da entstehen werden, weiß.

Kapitel 7

§ 1

הוֹאִיל וּרְשׁוּת כָּל אָדָם נְתוּנָה לוֹ כְּמוֹ שֶׁבֵּאַרְנוּ יִשְׁתַּדֵּל אָדָם לַעֲשׂוֹת תְּשׁוּבָה וּלְהִתְוַדּוֹת בְּפִיו מֵחֲטָאָיו וְלִנְעֹר כַּפָּיו מֵחֲטָאָיו כְּדֵי שֶׁיָּמוּת וְהוּא בַּעַל תְּשׁוּבָה וְיִזְכֶּה לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא:

[Teschuwa zur jeder Zeit]
Weil nun jeder Mensch über seinen Willen gebieten kann, wie wir oben erklärt haben, so muss auch ein Jeder sich Mühe geben, Teschuwa zu tun, laut das Bekenntnis seiner Sünden ablegen und seine Hände vom Frevel rein waschen, damit er als Büßender sterbe und auf diese Weise zum Leben der künftigen Welt gelange.

§ 2

לְעוֹלָם יִרְאֶה אָדָם עַצְמוֹ כְּאִלּוּ הוּא נוֹטֶה לָמוּת וְשֶׁמָּא יָמוּת בִּשְׁעָתוֹ וְנִמְצָא עוֹמֵד בְּחֶטְאוֹ. לְפִיכָךְ יָשׁוּב מֵחֲטָאָיו מִיָּד וְלֹא יֵאָמֵר כְּשֶׁאַזְקִין אָשׁוּב שֶׁמָּא יָמוּת טֶרֶם שֶׁיַּזְקִין. הוּא שֶׁשְּׁלֹמֹה אָמַר בְּחָכְמָתוֹ (קהלת ט ח) „בְּכָל עֵת יִהְיוּ בְגָדֶיךָ לְבָנִים“:

Stets aber muss der Mensch sich betrachten als wäre er dem Tode nahe und fürchten, dass er vielleicht in einer Stunde sterbe, wo er noch Sünder ist, deshalb aber auch sich jederzeit beeilen Teschuwa zu tun. Er denke nicht bei sich: wenn ich alt werde, dann will ich Teschuwa tun, denn vielleicht stirbt er ehe er alt wird, worauf auch Solomo hindeutete, als er in seiner Weisheit sprach: »Zu jeder Zeit mögen deine Kleider weiß sein« (Prov. 9:8).

§ 3

אַל תֹּאמַר שֶׁאֵין תְּשׁוּבָה אֶלָּא מַעֲבִירוֹת שֶׁיֵּשׁ בָּהֶן מַעֲשֶׂה כְּגוֹן זְנוּת וְגֵזֶל וּגְנֵבָה. אֶלָּא כְּשֵׁם שֶׁצָּרִיךְ אָדָם לָשׁוּב מֵאֵלּוּ כָּךְ הוּא צָרִיךְ לְחַפֵּשׂ בְּדֵעוֹת רָעוֹת שֶׁיֵּשׁ לוֹ וְלָשׁוּב מִן הַכַּעַס וּמִן הָאֵיבָה וּמִן הַקִּנְאָה וּמִן הַהִתּוּל וּמֵרְדִיפַת הַמָּמוֹן וְהַכָּבוֹד וּמֵרְדִיפַת הַמַּאֲכָלוֹת וְכַיּוֹצֵא בָּהֶן מִן הַכּל צָרִיךְ לַחֲזֹר בִּתְשׁוּבָה. וְאֵלּוּ הָעֲוֹנוֹת קָשִׁים מֵאוֹתָן שֶׁיֵּשׁ בָּהֶן מַעֲשֶׂה שֶׁבִּזְמַן שֶׁאָדָם נִשְׁקָע בְּאֵלּוּ קָשֶׁה הוּא לִפְרשׁ מֵהֶם. וְכֵן הוּא אוֹמֵר (ישעיה נה ז) „יַעֲזֹב רָשָׁע“ וְגוֹ‘:

[Teschuwa von schlechten Neigungen]
Denke nicht bei dir, die Teschuwa sei nur bei solchen Sünden erforderlich, wo eine Tat stattgefunden habe, wie z. B. beim Ehebruch, beim Raub, beim Diebstahl; vielmehr hat der Mensch, ebenso wie bei tätlichen Sünden, jederzeit nachzudenken über seine schlechten Neigungen und Teschuwa zu tun wegen seines Zornes, seines Hasses, seines Neides, seiner Spottsucht, seiner Geldgier, Ehrsucht und Schlemmerei; von allen solchen Dingen muss man mit Reue wiederkehren, ja diese Sünden fallen, sogar zuweilen schwerer in die Waagschale, als manches tätliche Vergehen, denn ist Jemand einmal einer solchen verfallen, so fällt es ihm schwer von ihr zu lassen, wie es auch heißt: »Es verlasse der Böse seinen Weg und der Sünder seine Gedanken« (Jer. 4:7).

§ 4

וְאַל יְדַמֶּה אָדָם בַּעַל תְּשׁוּבָה שֶׁהוּא מְרֻחָק מִמַּעֲלַת הַצַּדִּיקִים מִפְּנֵי הָעֲוֹנוֹת וְהַחֲטָאוֹת שֶׁעָשָׂה. אֵין הַדָּבָר כֵּן אֶלָּא אָהוּב וְנֶחְמָד הוּא לִפְנֵי הַבּוֹרֵא כְּאִלּוּ לֹא חָטָא מֵעוֹלָם. וְלֹא עוֹד אֶלָּא שֶׁשְּׂכָרוֹ הַרְבֵּה שֶׁהֲרֵי טָעַם טַעַם הַחֵטְא וּפֵרַשׁ מִמֶּנּוּ וְכָבַשׁ יִצְרוֹ. אָמְרוּ חֲכָמִים מָקוֹם שֶׁבַּעֲלֵי תְּשׁוּבָה עוֹמְדִין אֵין צַדִּיקִים גְּמוּרִין יְכוֹלִין לַעֲמֹד בּוֹ. כְּלוֹמַר מַעֲלָתָן גְּדוֹלָה מִמַּעֲלַת אֵלּוּ שֶׁלֹּא חָטְאוּ מֵעוֹלָם מִפְּנֵי שֶׁהֵן כּוֹבְשִׁים יִצְרָם יוֹתֵר מֵהֶם:

[Stufen der Teschuwa]
Ebenso wenig denke aber ein Teschuwa Tuender, dass er wegen seiner Frevel und Sünden, die er begangen, noch sehr weit von jenem hohen Grade der Frommen entfernt sei; denn dem ist nicht so, vielmehr ist er ebenso geliebt und auserkoren vor dem Angesichte des Schöpfers, als hätte er niemals gesündigt; sein Lohn ist noch größer, da er ja von der Sünde bereits gekostet und dennoch sich ihrer entschlug und seinen bösen Willen bändigte. Die Weisen sagten: zu der Stufe, welche die Büßenden einnehmen, gelangen selbst die Frömmsten nicht, was so viel sagen will, als: ihre Stufe sei darum höher als die Stufe Derjenigen, welche niemals gesündigt, weil sie mehr als jene ihre Gelüste im Zaume zu halten haben.

§ 5

כָּל הַנְּבִיאִים כֻּלָּן צִוּוּ עַל הַתְּשׁוּבָה וְאֵין יִשְׂרָאֵל נִגְאָלִין אֶלָּא בִּתְשׁוּבָה. וּכְבָר הִבְטִיחָה תּוֹרָה שֶׁסּוֹף יִשְׂרָאֵל לַעֲשׂוֹת תְּשׁוּבָה בְּסוֹף גָּלוּתָן וּמִיָּד הֵן נִגְאָלִין שֶׁנֶּאֱמַר (דברים ל א) „וְהָיָה כִי יָבֹאוּ עָלֶיךָ כָּל הַדְּבָרִים“ וְגוֹ‘ (דברים ל ב) „וְשַׁבְתָּ עַד ה‘ אֱלֹהֶיךָ“ (דברים ל ג) „וְשָׁב ה‘ אֱלֹהֶיךָ“ וְגוֹ‘:

Alle Propheten haben die Teschuwa anempfohlen und Israel kann nur durch die Teschuwa erlöst werden. Auch versichert uns die Tora, dass Israel am Ende der Verbannung Teschuwa tun werde, und in Folge dessen auch bald die Erlösung zu gewärtigen habe, wie geschrieben steht: »Und nachdem über dich sich alle Dinge« u. s. w. »Und du zum Ewigen, deinem Gotte, wiederkehren werdest … da wird auch der Ewige, dein Gott, deine Gefangenen wieder heimführen und sich erbarmen« (Deut. 30:1,2-3).

§ 6

גְּדוֹלָה תְּשׁוּבָה שֶׁמְּקָרֶבֶת אֶת הָאָדָם לַשְּׁכִינָה שֶׁנֶּאֱמַר (הושע יד ב) „שׁוּבָה יִשְׂרָאֵל עַד ה‘ אֱלֹהֶיךָ“. וְנֶאֱמַר (עמוס ד ו) „וְלֹא שַׁבְתֶּם עָדַי נְאֻם ה‘. „וְנֶאֱמַר (ירמיה ד א) „אִם תָּשׁוּב יִשְׂרָאֵל נְאֻם ה‘ אֵלַי תָּשׁוּב“. כְּלוֹמַר אִם תַּחֲזֹר בִּתְשׁוּבָה בִּי תִּדְבַּק. הַתְּשׁוּבָה מְקָרֶבֶת אֶת הָרְחוֹקִים. אֶמֶשׁ הָיָה זֶה שָׂנאוּי לִפְנֵי הַמָּקוֹם מְשֻׁקָּץ וּמְרֻחָק וְתוֹעֵבָה. וְהַיּוֹם הוּא אָהוּב וְנֶחְמָד קָרוֹב וְיָדִיד. וְכֵן אַתָּה מוֹצֵא שֶׁבְּלָשׁוֹן שֶׁהַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא מַרְחִיק הַחוֹטְאִים בָּהּ מְקָרֵב אֶת הַשָּׁבִים בֵּין יָחִיד בֵּין רַבִּים. שֶׁנֶּאֱמַר (הושע ב א) „וְהָיָה בִּמְקוֹם אֲשֶׁר יֵאָמֵר לָהֶם לֹא עַמִּי אַתֶּם יֵאָמֵר לָהֶם בְּנֵי אֵל חָי“. וְנֶאֱמַר בִּיכָנְיָהוּ בְּרִשְׁעָתוֹ (כְּתֹב) [כִּתְבוּ] (ירמיה כב ל) „אֶת הָאִישׁ הַזֶּה עֲרִירִי גֶּבֶר לֹא יִצְלַח בְּיָמָיו“, (ירמיה כב כד) „אִם יִהְיֶה כָּנְיָהוּ בֶּן יְהוֹיָקִים מֶלֶךְ יְהוּדָה חוֹתָם עַל יַד יְמִינִי“ וְגוֹ‘. וְכֵיוָן שֶׁשָּׁב בְּגָלוּתוֹ נֶאֱמַר בִּזְרֻבָּבֶל בְּנוֹ (חגי ב כג) „בַּיּוֹם הַהוּא נְאֻם ה‘ צְבָאוֹת אֶקָּחֲךָ זְרֻבָּבֶל בֶּן שְׁאַלְתִּיאֵל עַבְדִּי נְאֻם ה‘ וְשַׂמְתִּיךָ כַּחוֹתָם“:

Groß ist die Bedeutung der Teschuwa, indem sie den Menschen der Gottheit näher bringt, wie es heißt: »Kehre wieder, Israel, bis zum Ewigen, deinem Gotte« (Hos. 14:2) und ferner: »Ihr kehrtet nicht wieder bis zu mir, spricht der Ewige«, (Amos 4:6,8), und ferner: »Wenn du wiederkehrst, Israel, spricht der Ewige, wiederkehrest bis zu mir« (Jer. 4:1), was so viel sagen will, als: wenn du in Teschuwa wiederkehrest, so stehst du mir nahe; denn die Teschuwa nähert die Ihm fern Stehenden. War gestern Jemand gehasst vor dem Ewigen, verabscheut, verstoßen und entehrt, so ist er heute geliebt, ersehnt, nahe und auserkoren. So findet man auch, dass der Heilige, gelobt sei Er, mit derselben Sprache die Büßenden zu sich ruft, mit welcher Er die Sünder von sich stößt, seien es einzelne Menschen, oder ganze Gemeinden. Denn es heißt: »Und an der Stelle, wo ihnen gesagt wurde: ihr seid nicht mein Volk, wird zu ihnen gesprochen werden: ihr Söhne des lebendigen Gottes« (Hos. 2:1). So heißt es auch ferner von Jechanjahu, als er noch Sünder war: »Verzeichnet diesen Menschen als kinderlos, als einen Mann, der sein Leben lang kein Glück haben wird; und wenn auch Chanjahu, der Sohn Jehojakim, König von Juda, ein Siegelring auf meiner rechten Hand gewesen wäre,« (Jer. 22:24,30). Da er aber in der Verbannung Teschuwa getan, so heißt es von seinem Sohne Serubbabel: »An diesem Tage spricht der Ewige, Zebaoth, werde ich dich aufnehmen Serubbabel, den Sohn Schealthiels, meinen Knecht, spricht der Ewige, und werde dich wie einen Siegelring anlegen« (Hag. 2:23).

§ 7

כַּמָּה מְעֻלָּה מַעֲלַת הַתְּשׁוּבָה. אֶמֶשׁ הָיָה זֶה מֻבְדָּל מֵה‘ אֱלֹהֵי יִשְׂרָאֵל שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה נט ב) „עֲוֹנוֹתֵיכֶם הָיוּ מַבְדִּלִים בֵּינֵכֶם לְבֵין אֱלֹהֵיכֶם“. צוֹעֵק וְאֵינוֹ נַעֲנֶה שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה א טו) „כִּי תַרְבּוּ תְפִלָּה“ וְגוֹ‘. וְעוֹשֶׂה מִצְוֹת וְטוֹרְפִין אוֹתָן בְּפָנָיו שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה א יב) „מִי בִקֵּשׁ זֹאת מִיֶּדְכֶם רְמֹס חֲצֵרָי“, (מלאכי א י) „מִי גַם בָּכֶם וְיִסְגֹּר דְּלָתַיִם“ וְגוֹ‘. וְהַיּוֹם הוּא מֻדְבָּק בַּשְּׁכִינָה שֶׁנֶּאֱמַר (דברים ד ד) „וְאַתֶּם הַדְּבֵקִים בַּה‘ אֱלֹהֵיכֶם“. צוֹעֵק וְנַעֲנֶה מִיָּד שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה סה כד) „וְהָיָה טֶרֶם יִקְרָאוּ וַאֲנִי אֶעֱנֶה“. וְעוֹשֶׂה מִצְוֹת וּמְקַבְּלִין אוֹתָן בְּנַחַת וְשִׂמְחָה שֶׁנֶּאֱמַר (קהלת ט ז) „כִּי כְבָר רָצָה הָאֱלֹהִים אֶת מַעֲשֶׂיךָ“. וְלֹא עוֹד אֶלָּא שֶׁמִּתְאַוִּים לָהֶם שֶׁנֶּאֱמַר (מלאכי ג ד) „וְעָרְבָה לַה‘ מִנְחַת יְהוּדָה וִירוּשָׁלםִ כִּימֵי עוֹלָם וּכְשָׁנִים קַדְמֹנִיּוֹת“:

Wie erhaben ist also die Bedeutung der Teschuwa. Gestern war dieser abgesondert vom Ewigen, dem Gotte Israels, wie es heißt: »Eure Sünden bilden eine Scheidewand zwischen euch und eurem Gotte« (Jes. 59:2) — gestern schrie er und wurde nicht erhört, wie es heißt (Jes. 1:15) »wenn ihr auch anhäuft Gebete u. s. w.«. Gestern, wenn er göttliche Gebote erfüllte, wurden Sie ihm zurück ins Angesicht geworfen, wie es heißt: »Wer verlangte dies (Opfer), aus euren Händen (um deswegen) zu zerwühlen meine Höfe« (Jes. 1:12) ferner: »Wer ist da noch unter euch und möchte die Türe fest schließen« (Mal. 1:10); heut aber ist der Gottheit nahe, wie es heißt: »Und ihr, die ihr da anhängt dem Ewigen, eurem Gott« (Deut. 4:4); heute wird erhört, sobald er nur anruft, wie es heißt: »Und bevor sie noch rufen werde Ich ihnen schon antworten« (Jes. 65:24). Er vollzieht Gebote und dies wird mit Wohlgefallen und mit Freuden wahrgenommen, wie es heißt: »Denn der Allmächtige hat schon deine Taten gutgeheißen (Prov.9:7); ja man hat sogar Sehnsucht nach ihnen, wie geschrieben steht: »Und dem Ewigen wird die Darbringung Judas und Jerusalems angenehm sein, wie vor uralten Zeiten und vor vielen Jahren« (Mal. 3:4).

§ 8

בַּעֲלֵי תְּשׁוּבָה דַּרְכָּן לִהְיוֹת שְׁפָלִים וַעֲנָוִים בְּיוֹתֵר. אִם חֵרְפוּ אוֹתָן הַכְּסִילִים בְּמַעֲשֵׂיהֶם הָרִאשׁוֹנִים וְאָמְרוּ לָהֶן אֶמֶשׁ הָיִיתָ עוֹשֶׂה כָּךְ וְכָךְ וְאֶמֶשׁ הָיִיתָ אוֹמֵר כָּךְ וְכָךְ. אַל יַרְגִּישׁוּ לָהֶן אֶלָּא שׁוֹמְעִין וּשְׂמֵחִים וְיוֹדְעִין שֶׁזּוֹ זְכוּת לָהֶם. שֶׁכָּל זְמַן שֶׁהֵם בּוֹשִׁים מִמַּעֲשֵׂיהֶם שֶׁעָבְרוּ וְנִכְלָמִים מֵהֶן זְכוּתָם מְרֻבָּה וּמַעֲלָתָם מִתְגַּדֶּלֶת. וְחֵטְא גָּמוּר הוּא לוֹמַר לְבַעַל תְּשׁוּבָה זְכֹר מַעֲשֶׂיךָ הָרִאשׁוֹנִים אוֹ לְהַזְכִּירָן לְפָנָיו כְּדֵי לְבַיְּשׁוֹ. אוֹ לְהַזְכִּיר דְּבָרִים וְעִנְיָנִים הַדּוֹמִין לָהֶם כְּדֵי לְהַזְכִּירוֹ מֶה עָשָׂה. הַכּל אָסוּר וּמֻזְהָר עָלָיו בִּכְלַל הוֹנָיַת דְּבָרִים שֶׁהִזְהִירָה תּוֹרָה עָלֶיהָ שֶׁנֶּאֱמַר (ויקרא כה יז) „וְלֹא תוֹנוּ אִישׁ אֶת עֲמִיתוֹ“:

[Bedrängnis des Teschuwa Tuenden]
Die Büßenden pflegten demütig und überaus bescheiden zu sein; warfen die Dummen ihnen ihre früheren Handlungen vor und sagten: »Gestern habt ihr so und so gehandelt, so und so gesprochen«, so haben sie sich darum nicht zu kümmern, sondern dies mit Heiterkeit anzuhören, da sie doch wissen, dass ihnen dies auch Vorteil bringt, indem die Scham ihrer früheren Sünden und das Erröten vor denselben, ihr Verdienst vergrößert und ihnen eine um so höhere Stufe verschafft. Es ist aber auch eine große Sünde, zum Büßenden zu sprechen: Erinnere dich deiner vorigen Handlungen oder ihm dieselben überhaupt in Erinnerung zu bringen, um ihn zu beschämen, selbst auch schon wenn man ihm Taten und Vorfälle vor Augen führt, die den Seinigen gleichen und ihn so an seinen früheren Lebenswandel erinnert. Das Alles ist verboten und untersagt in den allgemeinen Geboten der Tora: Den Nebenmenschen nicht mit Worten zu betrügen, wie es heißt: »Und ihr sollt Einer den Anderen nicht betrügen« (Lev. 23:17)

Kapitel 8

§ 1

הַטוֹבָה הַצְּפוּנָה לַצַּדִּיקִים הִיא חַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא וְהִיא הַחַיִּים שֶׁאֵין מָוֶת עִמָּהֶן וְהַטּוֹבָה שֶׁאֵין עִמָּהּ רָעָה. הוּא שֶׁכָּתוּב בַּתּוֹרָה (דברים כב ז) „לְמַעַן יִיטַב לָךְ וְהַאֲרַכְתָּ יָמִים“. מִפִּי הַשְּׁמוּעָה לָמְדוּ לְמַעַן יִיטַב לָךְ לְעוֹלָם שֶׁכֻּלּוֹ טוֹב וְהַאֲרַכְתָּ יָמִים לְעוֹלָם שֶׁכֻּלּוֹ אָרֹךְ. וְזֶה הוּא הָעוֹלָם הַבָּא. שְׂכַר הַצַּדִּיקִים הוּא שֶׁיִּזְכּוּ לְנֹעַם זֶה וְיִהְיוּ בְּטוֹבָה זוֹ. וּפִרְעוֹן הָרְשָׁעִים הוּא שֶׁלֹּא יִזְכּוּ לְחַיִּים אֵלּוּ אֶלָּא יִכָּרְתוּ וְיָמוּתוּ. וְכָל מִי שֶׁאֵינוֹ זוֹכֶה לְחַיִּים אֵלּוּ הוּא הַמֵּת שֶׁאֵינוֹ חַי לָעוֹלָם אֶלָּא נִכְרַת בְּרִשְׁעוֹ וְאָבֵד כִּבְהֵמָה. וְזֶהוּ כָּרֵת הַכְּתוּבָה בַּתּוֹרָה שֶׁנֶּאֱמַר (במדבר טו לא) „הִכָּרֵת תִּכָּרֵת הַנֶּפֶשׁ הַהִיא“. מִפִּי הַשְּׁמוּעָה לָמְדוּ הִכָּרֵת בָּעוֹלָם הַזֶּה תִּכָּרֵת לָעוֹלָם הַבָּא. כְּלוֹמַר שֶׁאוֹתָהּ הַנֶּפֶשׁ שֶׁפֵּרְשָׁה מִן הַגּוּף בָּעוֹלָם הַזֶּה אֵינָהּ זוֹכָה לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא אֶלָּא גַּם מִן הָעוֹלָם הַבָּא נִכְרֶתֶת:

[Lohn der Gerechten und Vergeltung der Frevler]
Das für die Frommen vorbehaltene Gut, ist das Leben in der zukünftigen Welt, welches ein Leben ist ohne Tod und ein Gut ohne Übelstand. Darauf deuten die Worte der Tora hin: »Damit es dir gut gehe und du lange Tage lebst!« (Deut. 22:7), was die Tradition dahin erklärt, dass es dir gut gehe in einer Welt, wo nur Gutes und dass dir lange Tage zu Teil werden mögen, in einer Welt die ewig fortdauert, nämlich in der zukünftigen Welt. Der Lohn der Frommen also besteht darin, dass sie zu diesem Wohle gelangen und in diesem Glücke leben; die Strafe der Bösen aber ist es, dass sie zu diesem Leben nicht gelangen, sondern vernichtet werden und absterben. Wer zu jenem ewigen Leben nicht gelangt, der heißt ein Toter, weil er nicht dieses Leben teilhaftig wird, sondern in seinem Frevel vernichtet wird und untergeht wie ein Tier. Das eben ist der Vernichtungstod, dessen die Tora gedenkt in den Worten: »Abgeschnitten, abgeschnitten werde die Seele!« (Num. 15:31); die Tradition erklärt es dahin, dass die Seele abgeschnitten werde in dieser Welt, wie auch in der zukünftigen, was so viel sagen will, als: Die Seele, welche in dieser Welt vom Körper schied, gelange nicht zum Leben der zukünftigen Welt, sondern werde auch von dieser abgeschnitten.

§ 2

הָעוֹלָם הַבָּא אֵין בּוֹ גּוּף וּגְוִיָּה אֶלָּא נַפְשׁוֹת הַצַּדִּיקִים בִּלְבַד בְּלֹא גּוּף כְּמַלְאֲכֵי הַשָּׁרֵת. הוֹאִיל וְאֵין בּוֹ גְּוִיּוֹת אֵין בּוֹ לֹא אֲכִילָה וְלֹא שְׁתִיָּה וְלֹא דָּבָר מִכָּל הַדְּבָרִים שֶׁגּוּפוֹת בְּנֵי אָדָם צְרִיכִין לָהֶן בָּעוֹלָם הַזֶּה. וְלֹא יֶאֱרַע דָּבָר בּוֹ מִן הַדְּבָרִים שֶׁמְּאָרְעִין לַגּוּפוֹת בָּעוֹלָם הַזֶּה. כְּגוֹן יְשִׁיבָה וַעֲמִידָה וְשֵׁנָה וּמִיתָה וְעֶצֶב וּשְׂחוֹק וְכַיּוֹצֵא בָּהֶן. כָּךְ אָמְרוּ חֲכָמִים הָרִאשׁוֹנִים (גמרא ברכות יז א) „הָעוֹלָם הַבָּא אֵין בּוֹ לֹא אֲכִילָה וְלֹא שְׁתִיָּה“ וְלֹא תַּשְׁמִישׁ (גמרא ברכות יז א) „אֶלָּא צַדִּיקִים יוֹשְׁבִים וְעַטְרוֹתֵיהֶם בְּרָאשֵׁיהֶן וְנֶהֱנִין מִזִּיו הַשְּׁכִינָה“. הֲרֵי נִתְבָּרֵר לְךָ שֶׁאֵין שָׁם גּוּף לְפִי שֶׁאֵין שָׁם אֲכִילָה וּשְׁתִיָּה. וְזֶה שֶׁאָמְרוּ צַדִּיקִים יוֹשְׁבִין דֶּרֶךְ חִידָה אָמְרוּ. כְּלוֹמַר הַצַּדִּיקִים מְצוּיִין שָׁם בְּלֹא עָמָל וּבְלֹא יְגִיעָה. וְכֵן זֶה שֶׁאָמְרוּ עַטְרוֹתֵיהֶן בְּרָאשֵׁיהֶן כְּלוֹמַר דַּעַת שֶׁיָּדְעוּ שֶׁבִּגְלָלָהּ זָכוּ לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא מְצוּיָה עִמָּהֶן וְהִיא הָעֲטָרָה שֶׁלָּהֶן כָּעִנְיָן שֶׁאָמַר שְׁלֹמֹה (שיר השירים ג יא) „בָּעֲטָרָה שֶׁעִטְּרָה לּוֹ אִמּוֹ“. וַהֲרֵי הוּא אוֹמֵר (ישעיה לה י) „וְשִׂמְחַת עוֹלָם עַל רֹאשָׁם“ וְאֵין הַשִּׂמְחָה גּוּף כְּדֵי שֶׁתָּנוּחַ עַל הָרֹאשׁ. כָּךְ עֲטָרָה שֶׁאָמְרוּ חֲכָמִים כָּאן הִיא הַיְדִיעָה. וּמַהוּ זֶה שֶׁאָמְרוּ נֶהֱנִין מִזִּיו הַשְּׁכִינָה. שֶׁיּוֹדְעִים וּמַשִּׂיגִין מֵאֲמִתַּת הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא מַה שֶּׁאֵינָם יוֹדְעִים וְהֵם בַּגּוּף הָאָפֵל הַשָּׁפָל:

[Die kommende Welt und die Seelen der Gerechten]
In der künftigen Welt gibt es weder Körper noch Fleischlichkeit, sondern nur Seelen der Frommen ohne Körper, wie die Engel im Dienste Gottes. Weil es nun dort keine Körper gibt, so kann auch weder Essen noch Trinken, noch sonst irgendeine Sache, deren der menschliche Körper hienieden benötigt, dort existieren. Eben so wenig kann sich dort etwas zutragen, was nur auf die Körper in der irdischen Welt Bezug haben kann, wie z.B. Sitzen, Stehen, Schlafen, Trauer und Klagen und drgl. Folgendes sind die Worte unserer ersten Weisen: »Die zukünftige Welt hat weder Essen noch Trinken usw., sondern die Frommen sitzen mit ihren Kronen auf den Häuptern und genießen des Anschauens der Gottheit«. So ist es hier nun erweisen, dass es dort keine Körper gebe, da es dort weder Essen noch Trinken gibt und demgemäß auch der Ausdruck »die Frommen sitzen« nur allegorisch zu nehmen ist, als wollte man damit sagen: Die Seelen der Frommen existieren dort ohne Mühe und ohne Arbeit. Ebenso bedeutet der Ausruf: »Mit ihren Kronen auf dem Häuptern« so viel als: das Wissen, welches sie erlangt und durch welche sie zum Leben der zukünftigen Welt gelangt, ist und bleibt in ihnen und bildet ihre Krone, ungefähr wie Salomo sagte: »Mit dem Kranze, den seine Mutter ihm ums Haupt gewunden« (Hohelied 3:11). So heißt es fernen: »Und ewige Freude auf ihrem Haupte« (Jes. 35:10, 51:11); wie die Freude doch kein Körper ist, dass sie auf ihrem Haupte ruhe, ebenso ist auch die Krone, von der hier die Weisen sprechen, allegorisch zu nehmen. Was endlich den Ausruf: »Genießen des Anschauens der Gottheit« anlangt, so will der selbe nur bezeichnen, dass sie (die Frommen) die Wesenheit des Heiligen, gelobt sei Er, wissen und begreifen, dessen sie noch nicht fähig waren, als sie noch an den dunkeln niedrigen Körper gefesselt waren.

§ 3

כָּל נֶפֶשׁ הָאֲמוּרָה בְּעִנְיָן זֶה אֵינָהּ הַנְּשָׁמָה הַצְּרִיכָה לַגּוּף אֶלָּא צוּרַת הַנֶּפֶשׁ שֶׁהִיא הַדֵּעָה שֶׁהִשִּׂיגָה מֵהַבּוֹרֵא כְּפִי כֹּחָהּ וְהֶשֵּׂגָהּ הַדֵּעוֹת הַנִּפְרָדוֹת וּשְׁאָר הַמַּעֲשִׂים וְהִיא הַצּוּרָה שֶׁבֵּאַרְנוּ עִנְיָנָהּ בְּפֶרֶק רְבִיעִי מֵהִלְכוֹת יְסוֹדֵי הַתּוֹרָה הִיא הַנִּקְרֵאת נֶפֶשׁ בְּעִנְיָן זֶה. חַיִּים אֵלּוּ לְפִי שֶׁאֵין עִמָּהֶם מָוֶת שֶׁאֵין הַמָּוֶת אֶלָּא מִמְּאֹרְעוֹת הַגּוּף וְאֵין שָׁם גּוּף נִקְרְאוּ צְרוֹר הַחַיִּים שֶׁנֶּאֱמַר (שמואל א כה כט) „וְהָיְתָה נֶפֶשׁ אֲדֹנִי צְרוּרָה בִּצְרוֹר הַחַיִּים“. וְזֶהוּ הַשָּׂכָר שֶׁאֵין שָׂכָר לְמַעְלָה מִמֶּנּוּ וְהַטּוֹבָה שֶׁאֵין אַחֲרֶיהָ טוֹבָה וְהִיא שֶׁהִתְאַוּוּ לָהּ כָּל הַנְּבִיאִים:

[Leben und Ausrottung]
Das Wort Seele, dessen wir uns hier öfters bedienten, bedeutet nicht diejenige Seele, welche des Körpers bedarf, sondern die Wesenheit der Seele, welche das selbständige Bewusstsein ausmacht, wie wir es im vierten Kapitel der Grundsätze der Lehre erklärt haben. Das also wird hier mit dem Worte »Seele« bezeichnet. Da es dort keinen Tod gibt und dieser überhaupt nur bei körperlichen Vorgängen eintreten kann, so wird das Leben, welches wir erwähnt, »Lebensbund« genannt; wie es heißt: »Und die Seele meines Herrn wird eingeflochten in den Lebensbund« (1. Sam. 25:29). Das ist der Lohn, über den es keinen höheren gibt und das ist das Glück, nach welchem es kein weiteres Glück gibt. Nur nach diesem Leben sehnten sich alle Propheten.

§ 4

וְכַמָּה שֵׁמוֹת נִקְרְאוּ לָהּ דֶּרֶךְ מָשָׁל. הַר ה‘. וּמְקוֹם קָדְשׁוֹ. וְדֶרֶךְ הַקֹּדֶשׁ. וְחַצְרוֹת ה‘. וְנֹעַם ה‘. וְאֹהֶל ה‘. וְהֵיכַל ה‘. וּבֵית ה‘. וְשַׁעַר ה‘. וַחֲכָמִים קָרְאוּ לָהּ דֶּרֶךְ מָשָׁל לְטוֹבָה זוֹ הַמְזֻמֶּנֶת לַצַּדִּיקִים סְעֻדָּה. וְקוֹרִין לָהּ בְּכָל מָקוֹם הָעוֹלָם הַבָּא:

Mehrere Namen wurden dieser Welt allegorisch beigelegt, als: Gottesberg, heiliger Ort, der heilige Weg, die Höhe Gottes, die Liebe Gottes, das Zelt Gottes, der Palast Gottes, das Haus Gottes, die Pforte Gottes und unsere Weisen nannten diese, für die Frommen vorbehaltene Glückseligkeit allegorisch »die Mahlzeit«; sonst aber wird sie überall »die zukünftige Welt« genannt.

§ 5

הַנְּקָמָה שֶׁאֵין נְקָמָה גְּדוֹלָה מִמֶּנָּה שֶׁתִּכָּרֵת הַנֶּפֶשׁ וְלֹא תִּזְכֶּה לְאוֹתָן הַחַיִּים שֶׁנֶּאֱמַר (במדבר טו לא) „הִכָּרֵת תִּכָּרֵת הַנֶּפֶשׁ הַהִיא עֲוֹנָהּ בָּהּ“. וְזֶה הָאֲבַדּוֹן הוּא שֶׁקּוֹרִין אוֹתוֹ הַנְּבִיאִים דֶּרֶךְ מָשָׁל בְּאֵר שַׁחַת וַאֲבַדּוֹן וְתָפְתֶּה וַעֲלוּקָה וְכָל לְשׁוֹן כְּלָיָה וְהַשְׁחָתָה קוֹרְאִין לוֹ לְפִי שֶׁהִיא הַכְּלָיָה שֶׁאֵין אַחֲרֶיהָ תְּקוּמָה וְהַהֶפְסֵד שֶׁאֵינוֹ חוֹזֵר לְעוֹלָם:

Die größte Rache aber, welche von keiner anderen überboten werden kann, ist, dass die Seele vernichtet werden kann, ohne dass sie zu jenem Leben gelange, wie es heißt: »Abgeschnitten, abgeschnitten werde die Seele, ihre Strafe ist in ihr« (Num. 15:31). Das ist der Abgrund, den die Propheten allegorisch mit Gruft, Grube, Abgrund, Hölle, Vampir und noch mit mehreren anderen Namen von Vernichtung und Verderben bezeichnen, weil diese Strafe eben eine Vernichtung ist, nach der es kein Auferstehen gibt und ein Verlust, der niemals wiederersetzt wird.

§ 6

שֶׁמָּא תֵּקַל בְּעֵינֶיךָ טוֹבָה זוֹ וּתְדַמֶּה שֶׁאֵין שְׂכַר הַמִּצְוֹת וֶהֱיוֹת הָאָדָם שָׁלֵם בְּדַרְכֵי הָאֱמֶת אֶלָּא לִהְיוֹתוֹ אוֹכֵל וְשׁוֹתֶה מַאֲכָלוֹת טוֹבוֹת וּבוֹעֵל צוּרוֹת נָאוֹת וְלוֹבֵשׁ בִּגְדֵי שֵׁשׁ וְרִקְמָה וְשׁוֹכֵן בְּאָהֳלֵי שֵׁן וּמִשְׁתַּמֵּשׁ בִּכְלֵי כֶּסֶף וְזָהָב וּדְבָרִים הַדּוֹמִים לְאֵלּוּ כְּמוֹ שֶׁמְּדַמִּין אֵלּוּ הָעַרְבִיִּים הַטִּפְּשִׁים הָאֱוִילִים הַשְּׁטוּפִים בְּזִמָּה. אֲבָל הַחֲכָמִים וּבַעֲלֵי דֵּעָה יֵדְעוּ שֶׁכָּל הַדְּבָרִים הָאֵלּוּ דִּבְרֵי הֲבַאי וְהֶבֶל הֵם וְאֵין בָּהֶם תּוֹעֶלֶת וְאֵינָהּ טוֹבָה גְּדוֹלָה אֶצְלֵנוּ בָּעוֹלָם הַזֶּה אֶלָּא מִפְּנֵי שֶׁאָנוּ בַּעֲלֵי גּוּף וּגְוִיָּה, וְכָל הַדְּבָרִים הָאֵלּוּ צָרְכֵי הַגּוּף הֵם וְאֵין הַנֶּפֶשׁ מִתְאַוָּה לָהֶם וּמְחַמְּדָתָן אֶלָּא מִפְּנֵי צֹרֶךְ הַגּוּף, כְּדֵי שֶׁיִּמְצָא חֶפְצוֹ וְיַעֲמֹד עַל בֻּרְיוֹ. וּבִזְמַן שֶׁאֵין שָׁם גּוּף נִמְצְאוּ כָּל הַדְּבָרִים הָאֵלּוּ בְּטֵלִים. הַטּוֹבָה הַגְּדוֹלָה שֶׁתִּהְיֶה בָּהּ הַנֶּפֶשׁ בָּעוֹלָם הַבָּא אֵין שׁוּם דֶּרֶךְ בָּעוֹלָם הַזֶּה לְהַשִּׂיגָהּ וְלֵידַע אוֹתָהּ. שֶׁאֵין אָנוּ יוֹדְעִים בָּעוֹלָם הַזֶּה אֶלָּא טוֹבַת הַגּוּף וְלָהּ אָנוּ מִתְאַוִּין. אֲבָל אוֹתָהּ הַטּוֹבָה גְּדוֹלָה עַד מְאֹד וְאֵין לָהּ עֵרֶךְ בְּטוֹבוֹת הָעוֹלָם הַזֶּה אֶלָּא דֶּרֶךְ מָשָׁל. אֲבָל בְּדֶרֶךְ הָאֱמֶת שֶׁנַּעֲרֹךְ טוֹבַת הַנֶּפֶשׁ בָּעוֹלָם הַבָּא בְּטוֹבוֹת הַגּוּף בָּעוֹלָם הַזֶּה בְּמַאֲכָל וּבְמִשְׁתֶּה אֵינוֹ כֵן. אֶלָּא אוֹתָהּ הַטּוֹבָה גְּדוֹלָה עַד אֵין חֵקֶר וְאֵין לָהּ עֵרֶךְ וְדִמְיוֹן. הוּא שֶׁאָמַר דָּוִד (תהילים לא כ) „מָה רַב טוּבְךָ אֲשֶׁר צָפַנְתָּ לִּירֵאֶיךָ“ וְגוֹ‘:

[Wohl des Körpers und die kommende Welt]
Vielleicht erscheint dieses Glück in deinen Augen zu gering und du denkst, dass der beste Lohn für die Erfüllung der Satzungen und die Vervollkommnung der Menschen auf dem Wege der Wahrheit nur darin bestehe, dass man gut esse und trinke, seine Kleider von Linnen und Purpur trage, in elfenbeinernen Palästen, umgeben von schönen Mädchen wohne und mit Geschirren von Gold und Silber sich bedienen lasse und dergleichen Dinge mehr, wie sie sich jene dummen, närrischen und ausschweifenden Araber vom Paradiese vorstellen. Aber die Weisen und Gelehrten wissen es, dass alle diese Dinge nur eitler Tand und Nichtigkeiten sind und uns nur deswegen auf dieser Welt Nutzen und großes Vergnügen gewähren, weil wir irdische Körper haben, denn alle jene Dinge sind nur aus Annehmlichkeiten des Körpers; die Seele hat nach ihnen nur deswegen Verlangen, weil der Körper es fordert, damit sein Trieb befriedigt werde. Da es aber dort keine körperliche Existenz gibt, müssen auch alle jene Dinge aufhören. Das große Glück, dessen die Seele in der zukünftigen Welt teilhaftig sein wird, können wir in diesem irdischen Leben auf keine Weise begreifen und erkennen, da wir in dieser Welt nur materielles Vergnügen kennen und darnach Verlangen tragen. Jene Seligkeit aber ist unendlich groß und Nichts vom irdischen Leben lässt sich ihr vergleichen, es sei denn im allegorischen Sinne. Es würde aber ein großer Irrtum sein, wenn man wirklich einen Vergleich zwischen dem Seelenkglücke in der künftigen Welt und dem Behagen anstellen wollte, welches wir hienieden beim Essen und Trinken empfinden; jene Glückseligkeit ist vielmehr unerforschlich und unvergleichlich, wie auch David sagte: »Wie groß ist das Glück, das du für deine Frommen aufbewahrt« (Ps. 31:20).

§ 7

וְכַמָּה כָּמַהּ דָּוִד וְהִתְאַוָּה לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא שֶׁנֶּאֱמַר (תהילים כז יג) „לוּלֵא הֶאֱמַנְתִּי לִרְאוֹת בְּטוּב ה‘ בְּאֶרֶץ חַיִּים“. כְּבָר הוֹדִיעוּנוּ הַחֲכָמִים הָרִאשׁוֹנִים שֶׁטּוֹבַת הָעוֹלָם הַבָּא אֵין כֹּחַ בָּאָדָם לְהַשִּׂיגָהּ עַל בֻּרְיָהּ וְאֵין יוֹדֵעַ גָּדְלָהּ וְיָפְיָהּ וְעַצְמָהּ אֶלָּא הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא לְבַדּוֹ. וְשֶׁכָּל הַטּוֹבוֹת שֶׁמִּתְנַבְּאִים בָּהֶם הַנְּבִיאִים לְיִשְׂרָאֵל אֵינָן אֶלָּא לִדְבָרִים שֶׁבַּגּוּף שֶּׁנֶּהֱנִין בָּהֶן יִשְׂרָאֵל לִימוֹת הַמָּשִׁיחַ בִּזְמַן שֶׁתָּשׁוּב הַמֶּמְשָׁלָה לְיִשְׂרָאֵל. אֲבָל טוֹבַת חַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא אֵין לָהּ עֵרֶךְ וְדִמְיוֹן וְלֹא דִּמּוּהָ הַנְּבִיאִים כְּדֵי שֶׁלֹּא יִפְחֲתוּ אוֹתָהּ בַּדִּמְיוֹן. הוּא שֶׁיְּשַׁעְיָהוּ אָמַר (ישעיה סד ג) „עַיִן לֹא רָאָתָה אֱלֹהִים זוּלָתְךָ יַעֲשֶׂה לִמְחַכֵּה לוֹ“. כְּלוֹמַר הַטּוֹבָה שֶׁלֹּא רָאֲתָה אוֹתָהּ עֵין נָבִיא וְלֹא רָאָה אוֹתָהּ אֶלָּא אֱלֹהִים, עָשָׂה אוֹתָהּ הָאֱלֹהִים לָאָדָם שֶׁמְּחַכֶּה לוֹ. אָמְרוּ חֲכָמִים כָּל הַנְּבִיאִים כֻּלָּן לֹא נִבְּאוּ אֶלָּא לִימוֹת הַמָּשִׁיחַ אֲבָל הָעוֹלָם הַבָּא עַיִן לֹא רָאָתָה אֱלֹהִים זוּלָתְךָ:

Und wie sehnte sich David und strebte nach dem Leben der zukünftigen Welt in den Worten: »Hätte ich nicht geglaubt zu schauen die göttliche Seligkeit in dem Lande des Lebens« (Ps. 27:13). Unsere Weisen haben uns schon oft und getan, dass kein Mensch die Kraft besitze, jene Seligkeit klar zu erfassen, dass Niemand, außer dem Schöpfer selbst, gelobt sei Er, ihre ganze Größe, Schönheit und Wesenheit erfassen und es begreifen könne, dass alles Glück, von dem die Propheten dem Volke Israel sprechen, sich bloß auf körperliche Dinge beziehe, welche Israel zu den Tagen des Messias besitzen wird, wo dann die Herrschaft Israel wieder zu Teil werden wird. Die Lebensseligkeit der zukünftigen Welt aber, ist damit durchaus in keinen Vergleich zu setzten. Die Propheten wollen sie auch mit Nichts vergleichen, weil sie durch jeden Vergleich hätte verlieren müssen. Darauf deuten die Worte Jesaias: »Kein Auge sah sie außer Dir, Allmächtiger, das wird Er tun dem, welcher auf Ihn hofft« (Jes. 64:3), als wollte er damit sagen, dass die Seligkeit, welche kein Prophetenauge noch gesehen, welche Niemand außer dem Allmächtigen selbst erschaut, von diesem für den Menschen bereitet worden sei, der auf ihn hofft. Die Weisen sprachen: Alle Propheten prophezeien nur von dem Tage des Messias, die zukünftige Welt aber hat kein Auge erschaut »außer dem Deinigen, Allmächtiger«.

§ 8

זֶה שֶׁקָּרְאוּ אוֹתוֹ חֲכָמִים הָעוֹלָם הַבָּא לֹא מִפְּנֵי שֶׁאֵינוֹ מָצוּי עַתָּה וְזֶה הָעוֹלָם אוֹבֵד וְאַחַר כָּךְ יָבוֹא אוֹתוֹ הָעוֹלָם. אֵין הַדָּבָר כֵּן. אֶלָּא הֲרֵי הוּא מָצוּי וְעוֹמֵד שֶׁנֶּאֱמַר (תהילים לא כ) „אֲשֶׁר צָפַנְתָּ לִּירֵאֶיךָ פָּעַלְתָּ“ וְגוֹ‘. וְלֹא קְרָאוּהוּ עוֹלָם הַבָּא אֶלָּא מִפְּנֵי שֶׁאוֹתָן הַחַיִּים בָּאִין לוֹ לָאָדָם אַחַר חַיֵּי הָעוֹלָם הַזֶּה שֶׁאָנוּ קַיָּמִים בּוֹ בְּגוּף וְנֶפֶשׁ וְזֶהוּ הַנִּמְצָא לְכָל אָדָם בָּרִאשׁוֹנָה:

[Die Zeit der kommenden Welt]
Dass unsere Weisen sie die zukünftige Welt benannten, bedeutet nicht etwa, dass sie jetzt noch nicht existiere und erst dann eintrete, wenn diese Welt vernichtet ist. Dem ist nicht also, sondern sie existiert und steht schon da, wie es auch heißt: »Das du für deine Frommen aufbewahrt, für die auf dich Vertrauenden erschaffen hast« (Ps. 32:20). Die Weisen haben sie nur deswegen die zukünftige Welt genannt, weil jenes selige Leben den Menschen erst nach Ablauf dieses irdischen zu Teil wird, wo wir noch aus Körper und Seele bestehen. Nach dem Hinscheiden aber gelangt bald dazu ein jeder Fromme.

Kapitel 9

§ 1

מֵאַחַר שֶׁנּוֹדַע שֶׁמַּתַּן שְׂכָרָן שֶׁל מִצְוֹת וְהַטּוֹבָה שֶׁנִּזְכֶּה לָהּ אִם שָׁמַרְנוּ דֶּרֶךְ ה‘ הַכָּתוּב בַּתּוֹרָה הִיא חַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא שֶׁנֶּאֱמַר (דברים כב ז) „לְמַעַן יִיטַב לָךְ וְהַאֲרַכְתָּ יָמִים“. וְהַנְּקָמָה שֶׁנּוֹקְמִים מִן הָרְשָׁעִים שֶׁעָזְבוּ אָרְחוֹת הַצֶּדֶק הַכְּתוּבוֹת בַּתּוֹרָה הִיא הַכָּרֵת שֶׁנֶּאֱמַר (במדבר טו לא) „הִכָּרֵת תִּכָּרֵת הַנֶּפֶשׁ הַהִיא עֲוֹנָהּ בָּהּ“. מַהוּ זֶה שֶׁכָּתוּב בְּכָל הַתּוֹרָה כֻּלָּהּ אִם תִּשְׁמְעוּ יַגִּיעַ לָכֶם כָּךְ (ויקרא כו יד) „וְאִם לֹא תִּשְׁמְעוּ“ יִקְרֶה אֶתְכֶם כָּךְ. וְכָל אוֹתָן הַדְּבָרִים בָּעוֹלָם הַזֶּה. כְּגוֹן שֹׂבַע וְרָעָב וּמִלְחָמָה וְשָׁלוֹם וּמַלְכוּת וְשִׁפְלוּת וִישִׁיבַת הָאָרֶץ וְגָלוּת וְהַצְלָחַת מַעֲשֶׂה וְהֶפְסֵדוֹ וּשְׁאָר כָּל דִּבְרֵי הַבְּרִית. כָּל אוֹתָן הַדְּבָרִים אֱמֶת הָיוּ וְיִהְיוּ וּבִזְמַן שֶׁאָנוּ עוֹשִׂים כָּל מִצְוֹת הַתּוֹרָה יַגִּיעוּ אֵלֵינוּ טוֹבוֹת הָעוֹלָם הַזֶּה כֻּלָּן. וּבִזְמַן שֶׁאָנוּ עוֹבְרִין עֲלֵיהֶן תִּקְרֶאנָה אוֹתָנוּ הָרָעוֹת הַכְּתוּבוֹת. וְאַף עַל פִּי כֵן אֵין אוֹתָן הַטּוֹבוֹת הֵם סוֹף מַתַּן שְׂכָרָן שֶׁל מִצְוֹת וְלֹא אוֹתָן הָרָעוֹת הֵם סוֹף הַנְּקָמָה שֶׁנּוֹקְמִין מֵעוֹבֵר עַל כָּל הַמִּצְוֹת. אֶלָּא כָּךְ הוּא הֶכְרֵעַ כָּל הַדְּבָרִים. הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא נָתַן לָנוּ תּוֹרָה זוֹ עֵץ חַיִּים הִיא. וְכָל הָעוֹשֶׂה כָּל הַכָּתוּב בָּהּ וְיוֹדְעוֹ דֵּעָה גְּמוּרָה נְכוֹנָה זוֹכֶה בָּהּ לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא. וּלְפִי גֹּדֶל מַעֲשָׂיו וְרֹב חָכְמָתוֹ הוּא זוֹכֶה. וְהִבְטִיחָנוּ בַּתּוֹרָה שֶׁאִם נַעֲשֶׂה אוֹתָהּ בְּשִׂמְחָה וּבְטוֹבַת נֶפֶשׁ וְנֶהְגֶּה בְּחָכְמָתָהּ תָּמִיד שֶׁיָּסִיר מִמֶּנּוּ כָּל הַדְּבָרִים הַמּוֹנְעִים אוֹתָנוּ מִלַּעֲשׂוֹתָהּ כְּגוֹן חלִי וּמִלְחָמָה וְרָעָב וְכַיּוֹצֵא בָּהֶן. וְיַשְׁפִּיעַ לָנוּ כָּל הַטּוֹבוֹת הַמַּחֲזִיקוֹת אֶת יָדֵינוּ לַעֲשׂוֹת הַתּוֹרָה כְּגוֹן שֹׂבַע וְשָׁלוֹם וְרִבּוּי כֶּסֶף וְזָהָב. כְּדֵי שֶׁלֹּא נַעֲסֹק כָּל יָמֵינוּ בִּדְבָרִים שֶׁהַגּוּף צָרִיךְ לָהֶן אֶלָּא נֵשֵׁב פְּנוּיִים לִלְמֹד בַּחָכְמָה וְלַעֲשׂוֹת הַמִּצְוָה כְּדֵי שֶׁנִּזְכֶּה לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא. וְכֵן הוּא אוֹמֵר בַּתּוֹרָה אַחַר שֶׁהִבְטִיחַ בְּטוֹבוֹת הָעוֹלָם הַזֶּה (דברים ו כה) „וּצְדָקָה תִּהְיֶה לָּנוּ“ וְגוֹ‘. וְכֵן הוֹדִיעָנוּ בַּתּוֹרָה שֶׁאִם נַעֲזֹב הַתּוֹרָה מִדַּעַת וְנַעֲסֹק בְּהַבְלֵי הַזְּמַן כָּעִנְיָן שֶׁנֶּאֱמַר (דברים לב טו) „וַיִּשְׁמַן יְשֻׁרוּן וַיִּבְעָט“, שֶׁדַּיַן הָאֱמֶת יָסִיר מִן הַעוֹזְבִים כָּל טוֹבוֹת הָעוֹלָם הַזֶּה שֶׁהֵן חִזְּקוּ יְדֵיהֶם לִבְעֹט וּמֵבִיא עֲלֵיהֶם כָּל הָרָעוֹת הַמּוֹנְעִים אוֹתָן מִלִּקְנוֹת הָעוֹלָם הַבָּא כְּדֵי שֶׁיֹּאבְדוּ בְּרִשְׁעָם. הוּא שֶׁכָּתוּב בַּתּוֹרָה (דברים כח מז) „תַּחַת אֲשֶׁר לֹא עָבַדְתָּ אֶת ה'“ וְגוֹ‘, (דברים כח מח) „וְעָבַדְתָּ אֶת אֹיְבֶיךָ אֲשֶׁר יְשַׁלְּחֶנּוּ ה‘ בָּךְ“. נִמְצָא פֵּרוּשׁ כָּל אוֹתָן הַבְּרָכוֹת וְהַקְּלָלוֹת עַל דֶּרֶךְ זוֹ, כְּלוֹמַר אִם עֲבַדְתֶּם אֶת ה‘ בְּשִׂמְחָה וּשְׁמַרְתֶּם דַּרְכּוֹ מַשְׁפִּיעַ לָכֶם הַבְּרָכוֹת הָאֵלּוּ וּמַרְחִיק הַקְּלָלוֹת מִכֶּם עַד שֶׁתִּהְיוּ פְּנוּיִים לְהִתְחַכֵּם בַּתּוֹרָה וְלַעֲסֹק בָּהּ כְּדֵי שֶׁתִּזְכּוּ לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא וְיִיטַב לְךָ לְעוֹלָם שֶׁכֻּלּוֹ טוֹב וְתַאֲרִיךְ יָמִים לְעוֹלָם שֶׁכֻּלּוֹ אָרֹךְ וְנִמְצֵאתֶם זוֹכִין לִשְׁנֵי הָעוֹלָמוֹת, לְחַיִּים טוֹבִים בָּעוֹלָם הַזֶּה הַמְּבִיאִים לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא. שֶׁאִם לֹא יִקְנֶה פֹּה חָכְמָה וּמַעֲשִׂים טוֹבִים אֵין לוֹ בְּמָה יִזְכֶּה שֶׁנֶּאֱמַר (קהלת ט י) „כִּי אֵין מַעֲשֶׂה וְחֶשְׁבּוֹן וְדַעַת וְחָכְמָה בִּשְׁאוֹל“. וְאִם עֲזַבְתֶּם אֶת ה‘ וּשְׁגִיתֶם בְּמַאֲכָל וּבְמִשְׁתֶּה וּזְנוּת וְדוֹמֶה לָהֶם מֵבִיא עֲלֵיכֶם כָּל הַקְּלָלוֹת הָאֵלּוּ וּמֵסִיר כָּל הַבְּרָכוֹת עַד שֶׁיִּכְלוּ יְמֵיכֶם בְּבֶהָלָה וָפַחַד וְלֹא יִהְיֶה לָכֶם לֵב פָּנוּי וְלֹא גּוּף שָׁלֵם לַעֲשׂוֹת הַמִּצְוֹת כְּדֵי שֶׁתֹּאבְדוּ מֵחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא וְנִמְצָא שֶׁאִבַּדְתֶּם שְׁנֵי עוֹלָמוֹת. שֶׁבִּזְמַן שֶׁאָדָם טָרוּד בָּעוֹלָם הַזֶּה בְּחלִי וּבְמִלְחָמָה וּרְעָבוֹן אֵינוֹ מִתְעַסֵּק לֹא בַּחָכְמָה וְלֹא בַּמִצְוֹת שֶׁבָּהֶן זוֹכִין לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא:

[Die Frage]
Da wir nun aber wissen, dass der Lohn der Gebote und das Glück, welches wir durch deren Erfüllung erlangen, wenn wir auf Gottes Wegen nach den Vorschriften der Torah wandeln, eben in jenem Leben der zukünftigen Welt bestehe, wie geschrieben steht: »Damit es dir gut gehe und du lange Tage lebst« (Deut. 22) und wenn wir ferner in Betracht ziehen, dass die Rache, welche die Frevler erreicht, nachdem sie die von der Torah vorgeschriebenen Wege der Gerechtigkeit verlassen, in der Vernichtung bestehe, wie geschrieben steht: »Abgeschnitten, abgeschnitten werde diese Seele, ihre Strafe ruht auf ihr« (Num. 15:31) — warum heißt es dann noch in der ganzen Torah: »Wenn ihr gehorchen werdet, wird euch dieses und jenes zu Teil und wenn ihr nicht gehorchen werdet, so wird euch dieses und jenes begegnen und zwar immer nur Dinge, die dieser irdischen Welt angehören z.B. Fülle, Hunger, Krieg, Frieden, Herrschaft, Unterdrückung, Bewohnung des eigenen Landes und Verbannung, Glück in den Geschäften oder Unglück und in gleicher Weise alle übrigen Verheißungen des Bundes?
Antwort:
Alle diese Verheißungen sind eingetroffen und werden auch ferner eintreffen, wenn wir nämlich die Vorschriften der Torah erfüllen, werden uns auch alle Güter dieser Welt zuteil und wenn wir jene Vorschriften übertreten, wird uns auch alles hergezählte Unheil zuteil.
Jedoch sind weder jene Güter das Ende der Belohnung für die Beachtung der Gesetze, noch jenes Unheil das Ende der Rache, welche den Gesetzesübertreter trifft, sondern es verhält sich hiermit folgendermaßen:
Der Heilige, gelobt sei Er, gab uns diese Torah als Lebensbund und derjenige, der da alles erfüllt, was darin geschrieben steht und Ihm mit vollkommenem Wissen und mit Andacht bekennt, gelangt dadurch zum Leben der künftigen Welt und zwar ein Jeder nach Maßgabe seiner Taten und nach seiner Weisheit.
Nun hat uns aber in der Torah versichert, dass, wenn wir seine Gebote mit Freuden und mit Vergnügen erfüllen und über ihre Weisheit stets gründlich nachdenken, er von uns auch Alles stets fern halten werde, das uns in der Erfüllung der Gebote hindern könnte, wie Krankheit, Krieg, Hunger und dergleichen, so dass er uns vielmehr alle jene Güter spenden wolle, welche von uns noch mehr in den Stand setzen könnten, die Gebote der Tora zu erfüllen, wie beispielsweise reiche Ernten, Frieden, Überfluss an Silber und Gold, damit wir es nicht nötig hätten, alle unsere Tage zum Erwerb der körperlichen Bedürfnisse zu verwenden, sondern frei und ungehindert uns dem Studium der Wissenschaften und der Erfüllung der Gebote widmen können und auf diese Weise auch zum Leben der zukünftigen Welt gelangen.
So heißt es ausdrücklich in der Torah, nachdem uns Gott die Güter dieser irdischen Welt zugesichert hat: »Und als eine gute Tat wird es uns angerechnet werden, wenn wir danach streben, all diese Gebote zu erfüllen vor dem Angesicht Ewigen, unseres Gottes.« (Deut. 6:25).

Dagegen heißt es in der Torah auch, dass, wenn man diese Gesetze wissentlich vernachlässigt und sich mit vergänglichem Tand beschäftigt, wie geschrieben steht: »Und Jeschurun wurde fett und unbändig« (Deut. 42:15) — auch der wahre Richter den Übertretern alle Güter dieser Welt entziehen werde, die sie bewogen haben, übermütig zu werden und auf ihr Haupt alles Unheil bringen werde, was sie abhalten kann, die künftige Welt zu erwerben, damit sie in ihrer Sünde verloren gehen denn, es heißt in der Schrift:
»Und du wirst deinen Feinden dienen, die Gott dir senden wird, dafür, — dass du dem Ewigen nicht gedient hast« usw. (Deut.. 28:47-48), woraus wir sehen, dass alle jene Segnungen und Verfluchungen so zu deuten sind:
Wenn ihr Gott dient mit Freude und Seine Wege beobachtet, so wird er euch seinen Segen spenden und den Fluch entfernen, damit euch nichts hindere, durch die Torah weise zu werden und euch mit ihr zu beschäftigen, wodurch ihr wiederum zum Leben in der zukünftigen Welt gelangt und es euch gut ergehe in einer Welt, die nur Gutes hat und ihr lange Tage lebet in einer Welt, die ewig dauert und ihr auf diese Weise zu beiden Welten gelangt, nämlich zum glücklichen Leben in dieser Welt, das auch alsdann zum Leben in der zukünftigen führt.
Denn wer nicht hienieden Weisheit und gute Taten sich zu eigen macht, womit soll dieser das zukünftige Leben sich erwerben, da es doch heißt:
»Denn es gibt keine Tat, keine Rechnung, kein Wissen und keine Weisheit im Grabe« (Kohelet 9:10).
Und wenn ihr den Ewigen verlasset und in Essen, Trinken und dergleichen schwelgt, so bringt Er über euch alle jene Flüche und entzieht euch allen Segen, auf dass Tage vergehen in Furcht und Beben und ihr weder einen freien Geist, noch einen gesunden Körper habt, um die Gebote zu erfüllen, so dass ihr damit auch das Leben in der zukünftigen Welt verliert; auf welche Weise euch dann zwei Welten verloren gehen, denn während der Mensch in dieser Welt zerrissen und von Krankheit, Krieg und Hunger heimgesucht ist, vermag er wohl nicht, sich mit der Weisheit oder den Geboten zu beschäftigen, durch welche allein man das Leben der zukünftigen Welt erlangt.

§ 2

וּמִפְּנֵי זֶה נִתְאַוּוּ כָּל יִשְׂרָאֵל נְבִיאֵיהֶם וְחַכְמֵיהֶם לִימוֹת הַמָּשִׁיחַ כְּדֵי שֶׁיָּנוּחוּ מִמַּלְכֻיּוֹת שֶׁאֵינָן מְנִיחוֹת לָהֶן לַעֲסֹק בַּתּוֹרָה וּבַמִּצְוֹת כַּהֹגֶן. וְיִמְצְאוּ לָהֶם מַרְגּוֹעַ וְיִרְבּוּ בְּחָכְמָה כְּדֵי שֶׁיִּזְכּוּ לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא. לְפִי שֶׁבְּאוֹתָן הַיָּמִים תִּרְבֶּה הַדֵּעָה וְהַחָכְמָה וְהָאֱמֶת שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה יא ט) „כִּי מָלְאָה הָאָרֶץ דֵּעָה אֶת ה'“. וְנֶאֱמַר (ירמיה לא לג) „וְלֹא יְלַמְּדוּ אִישׁ אֶת אָחִיו וְאִישׁ אֶת רֵעֵהוּ“. וְנֶאֱמַר (יחזקאל לו כו) „וַהֲסִרֹתִי אֶת לֵב הָאֶבֶן מִבְּשַׂרְכֶם“. מִפְּנֵי שֶׁאוֹתוֹ הַמֶּלֶךְ שֶׁיַּעֲמֹד מִזֶּרַע דָּוִד בַּעַל חָכְמָה יִהְיֶה יֶתֶר מִשְּׁלֹמֹה. וְנָבִיא גָּדוֹל הוּא קָרוֹב לְמשֶׁה רַבֵּנוּ. וּלְפִיכָךְ יְלַמֵּד כָּל הָעָם וְיוֹרֶה אוֹתָם דֶּרֶךְ ה‘. וְיָבוֹאוּ כָּל הַגּוֹיִם לְשָׁמְעוֹ שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה ב ב) „וְהָיָה בְּאַחֲרִית הַיָּמִים נָכוֹן יִהְיֶה הַר בֵּית ה‘ בְּרֹאשׁ הֶהָרִים“. וְסוֹף כָּל הַשָּׂכָר כֻּלּוֹ וְהַטּוֹבָה הָאַחֲרוֹנָה שֶׁאֵין לָהּ הֶפְסֵק וְגֵרָעוֹן הוּא חַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא. אֲבָל יְמוֹת הַמָּשִׁיחַ הוּא הָעוֹלָם הַזֶּה וְעוֹלָם כְּמִנְהָגוֹ הוֹלֵךְ אֶלָּא שֶׁהַמַּלְכוּת תַּחֲזֹר לְיִשְׂרָאֵל. וּכְבָר אָמְרוּ חֲכָמִים הָרִאשׁוֹנִים אֵין בֵּין הָעוֹלָם הַזֶּה לִימוֹת הַמָּשִׁיחַ אֶלָּא שִׁעְבּוּד מַלְכֻיּוֹת בִּלְבַד:

[Die Tage des Messias]
Daher hatte auch ganz Israel, hatten seine Propheten wie seine Weisen, immer eine Sehnsucht nach den Tagen des Maschiach, damit sie Ruhe haben möchten vor der Fremdherrschaft, die ihnen nicht gestattet, mit Torah und Geboten sich gehörig zu beschäftigen:
damit sie dann rasten könnten und die Zahl der Weisen sich mehren möchte, und sie so zum ewigen Leben gelangten — Denn zu jener Zeit wird die Gottkenntnis, die Weisheit und die Wahrheit groß sein, wie es heißt:
»Die Erde ist voll der Kenntnis des Ewigen« (Jes. 11:9) und ferner
»Es wird niemand seinen Bruder und niemand seinen Nächsten lehren« (Jer. 31:34) und ferner »und ich werde absondern das steinerne Herz von eurem Fleisch.« (Jechezkel 36,26).
Denn jener König, der da aus den Nachkommen Davids für uns ersteht, wird noch weiser sein als Schlomo und als Prophet, beinahe so groß, wie unser Lehrer Mosche, daher er auch das ganze Volk unterrichten und ihm die Wege Gottes zeigen wird, so dass alle Völker kommen werden, ihn zu hören, wie es auch heißt (Jes. 2:2) »und am Schluss der Tage wird bereitstehen der Berg und das Gotteshaus, über allen Gipfeln der Berge«.
Das Ende aber alles Lohnes und das höchste Glück, das weder Unterbrechung noch Verminderung kennt, ist das Leben der zukünftigen Welt; in den Tagen des Maschiach hingegen wird auf dieser Welt die jetzige Ordnung der Dinge fortdauern, mit dem alleinigen Unterschied, dass die Herrschaft wieder zu Israel zurückkehrt; wie auch schon die ersten Weisen dies ausgesprochen haben:
Es ist zwischen der jetzigen Zeit und den Tagen des Maschiach kein anderer Unterschied, als die Botmäßigkeit unter der Fremdherrschaft (die dann aufhören wird) (Schabbat 63a).

Kapitel 10

§ 1

אַל יֹאמַר אָדָם הֲרֵינִי עוֹשֶׂה מִצְוֹת הַתּוֹרָה וְעוֹסֵק בְּחָכְמָתָהּ כְּדֵי שֶׁאֲקַבֵּל כָּל הַבְּרָכוֹת הַכְּתוּבוֹת בָּהּ אוֹ כְּדֵי שֶׁאֶזְכֶּה לְחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא, וְאֶפְרשׁ מִן הָעֲבֵרוֹת שֶׁהִזְהִירָה תּוֹרָה מֵהֶן כְּדֵי שֶׁאֶנָּצֵל מִן הַקְּלָלוֹת הַכְּתוּבוֹת בַּתּוֹרָה אוֹ כְּדֵי שֶׁלֹּא אֶכָּרֵת מֵחַיֵּי הָעוֹלָם הַבָּא. אֵין רָאוּי לַעֲבֹד אֶת ה‘ עַל הַדֶּרֶךְ הַזֶּה, שֶׁהָעוֹבֵד עַל דֶּרֶךְ זֶה הוּא עוֹבֵד מִיִּרְאָה וְאֵינָהּ מַעֲלַת הַנְּבִיאִים וְלֹא מַעֲלַת הַחֲכָמִים. וְאֵין עוֹבְדִים ה‘ עַל דֶּרֶךְ זֶה אֶלָּא עַמֵּי הָאָרֶץ וְהַנָּשִׁים וְהַקְּטַנִּים שֶׁמְּחַנְּכִין אוֹתָן לַעֲבֹד מִיִּרְאָה עַד שֶׁתִּרְבֶּה דַּעְתָּן וְיַעַבְדוּ מֵאַהֲבָה:

[Diener aus Furcht]
Der Mensch denke jedoch nicht:
ich werde alle Vorschriften der Schrift erfüllen; damit ich aller jener Segensverheißungen der heiligen Schrift teilhaftig werde oder dadurch zum Leben der zukünftigen Welt gelange; ebenso wenig denke er:
Ich werde mich von den Sünden fernhalten, auf welche die heilige Schrift aufmerksam gemacht hat, damit ich dadurch von den Flüchen errettet werde, mit denen die heilige Schrift droht, damit ich nicht des zukünftigen Lebens verlustig gehe.
Es geziemt sich nicht, dem Schöpfer auf diese Weise zu dienen; denn wer ihm so dient, tut es nur aus Furcht, — dieses aber ist nicht der Standpunkt der Propheten und noch weniger der Weisen.
Dem Ewigen dienen auf diese Weise nur die ungebildeten Frauen und Kinder, die darin gewohnt werden, aus Furcht fromm zu sein; bis ihr Wissen sich so ausgebildet hat, dass sie aus Liebe fromm sein können.

§ 2

הָעוֹבֵד מֵאַהֲבָה עוֹסֵק בַּתּוֹרָה וּבַמִּצְוֹת וְהוֹלֵךְ בִּנְתִיבוֹת הַחָכְמָה לֹא מִפְּנֵי דָּבָר בָּעוֹלָם וְלֹא מִפְּנֵי יִרְאַת הָרָעָה וְלֹא כְּדֵי לִירַשׁ הַטּוֹבָה אֶלָּא עוֹשֶׂה הָאֱמֶת מִפְּנֵי שֶׁהוּא אֱמֶת וְסוֹף הַטּוֹבָה לָבוֹא בִּגְלָלָהּ. וּמַעֲלָה זוֹ הִיא מַעֲלָה גְּדוֹלָה מְאֹד וְאֵין כָּל חָכָם זוֹכֶה לָהּ. וְהִיא מַעֲלַת אַבְרָהָם אָבִינוּ שֶׁקְּרָאוֹ הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא אוֹהֲבוֹ לְפִי שֶׁלֹּא עָבַד אֶלָּא מֵאַהֲבָה. וְהִיא הַמַּעֲלָה שֶׁצִּוָּנוּ בָּהּ הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא עַל יְדֵי משֶׁה שֶׁנֶּאֱמַר (דברים ו ה) „וְאָהַבְתָּ אֵת ה‘ אֱלֹהֶיךָ“. וּבִזְמַן שֶׁיֶּאֱהֹב אָדָם אֶת ה‘ אַהֲבָה הָרְאוּיָה מִיָּד יַעֲשֶׂה כָּל הַמִּצְוֹת מֵאַהֲבָה:

[Diener aus Liebe]
Derjenige, welcher Gott aus Liebe dient, beschäftigt sich mit der Tora und den Geboten und wandelt auf den Wegen der Weisheit, — nicht um irgendwelcher Nebenrücksichten willen, weder aus Furcht vor irgendeinem Unglück, noch um irgendetwas Gutes zu erlangen, sondern er tut, was richtig ist, weil es eben das Rechte ist.
Das Gute aber folgt von selbst darauf.
Diese Stufe ist eine sehr hohe, so dass nicht jeder Weise zu ihr gelangt.
Diese ist die Stufe unseres Vaters Abraham, den der Heilige, gelobt sei Er, seinen Freund nannte, weil er ihm nur aus Liebe gedient hat.
Dieselbe Stufe schreibt der Heilige, gelobt sei Er, uns durch Moses vor, wie es heißt: »Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott« (Dt. 6:5), denn sobald der Mensch den Ewigen liebt mit der geziemenden Liebe, so wird er auch alle Gebote aus demselben Antriebe erfüllen.

§ 3

וְכֵיצַד הִיא הָאַהֲבָה הָרְאוּיָה. הוּא שֶׁיֹּאהַב אֶת ה‘ אַהֲבָה גְּדוֹלָה יְתֵרָה עַזָּה מְאֹד עַד שֶׁתְּהֵא נַפְשׁוֹ קְשׁוּרָה בְּאַהֲבַת ה‘ וְנִמְצָא שׁוֹגֶה בָּהּ תָּמִיד כְּאִלּוּ חוֹלֶה חֳלִי הָאַהֲבָה שֶׁאֵין דַּעְתּוֹ פְּנוּיָה מֵאַהֲבַת אוֹתָהּ אִשָּׁה וְהוּא שׁוֹגֶה בָּהּ תָּמִיד בֵּין בְּשִׁבְתּוֹ בֵּין בְּקוּמוֹ בֵּין בְּשָׁעָה שֶׁהוּא אוֹכֵל וְשׁוֹתֶה. יֶתֶר מִזֶּה תִּהְיֶה אַהֲבַת ה‘ בְּלֵב אוֹהֲבָיו שׁוֹגִים בָּהּ תָּמִיד כְּמוֹ שֶׁצִּוָּנוּ בְּכָל לְבָבְךָ וּבְכָל נַפְשְׁךָ. וְהוּא שֶׁשְּׁלֹמֹה אָמַר דֶּרֶךְ מָשָׁל (שיר השירים ב ה) „כִּי חוֹלַת אַהֲבָה אָנִי“. וְכָל שִׁיר הַשִּׁירִים מָשָׁל הוּא לְעִנְיָן זֶה:

Wie ist die geziemende Liebe beschaffen?
Antwort: Man muss den Ewigen mit einem solchen innigen, starken Gefühl lieben, dass die Seele des Menschen ganz von dieser göttlichen Liebe durchdrungen sei, und der Mensch ihrer immerfort denke, als wäre er liebeskrank, so dass sein Verstand befangen sei, wie in der Liebe zu einer Frau und er ihrer immer denkt im Sitzen, Stehen, beim Essen und Trinken. Mehr noch, als eine solche Liebe, muss die Liebe Gottes im Herzen seiner Freunde sein, die stets an ihn denken sollen, wie er uns auch gebot: »Mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele« (Deut. 6:5), und wie auch der weise Salomo allegorisch sagt: »Denn ich bin krank von Liebe« (Hoheslied 2:5). Das ganze Hohelied ist auch in diesem Sinne geschrieben.

§ 4

אָמְרוּ חֲכָמִים הָרִאשׁוֹנִים שֶׁמָּא תֹּאמַר הֲרֵינִי לָמֵד תּוֹרָה בִּשְׁבִיל שֶׁאֶהְיֶה עָשִׁיר בִּשְׁבִיל שֶׁאֶקְרָא רַבִּי בִּשְׁבִיל שֶׁאֲקַבֵּל שָׂכָר בָּעוֹלָם הַבָּא. תַּלְמוּד לוֹמַר (דברים יא יג) „לְאַהֲבָה אֶת ה'“. כָּל מַה שֶּׁאַתֶּם עוֹשִׂים לֹא תַּעֲשׂוּ אֶלָּא מֵאַהֲבָה. וְעוֹד אָמְרוּ חֲכָמִים בְּמִצְוֹתָיו חָפֵץ מְאֹד וְלֹא בִּשְׂכַר מִצְוֹתָיו. וְכֵן הָיוּ גְּדוֹלֵי הַחֲכָמִים מְצַוִּים לִנְבוֹנֵי תַּלְמִידֵיהֶם וּמַשְׂכִּילֵיהֶם בְּיִחוּד אַל תִּהְיוּ כַּעֲבָדִים הַמְשַׁמְּשִׁים אֶת הָרַב וְכוּ‘ אֶלָּא מִפְּנֵי שֶׁהוּא הָרַב רָאוּי לְשַׁמְּשׁוֹ כְּלוֹמַר עִבְדוּ מֵאַהֲבָה:

Die ersten Weisen sagten:
Du würdest vielleicht denken, ich werde die Tora studieren, damit ich reich werde, damit ich Rabbi genannt werde, damit ich Lohn in der zukünftigen Welt empfange. Deshalb heißt es: »Den Ewigen zu lieben« (Deut. 19:9), was soviel sagen will, als: Alles, das ihr tut, sollt ihr nur aus Liebe tun.
Ferner sagten die Weisen: »Heil dem Mann der gottesfürchtig ist und dem nach seinen Geboten sehr verlangt.« (Psalmen 112:1). Also nicht nach dem Lohn der Gebote. — Auf diese Weise pflegten auch unsere großen Weisen den verständigeren unter ihren Schülern, die besonders geistreich waren, zu raten: seid nicht wie die Knechte, die den Herrn dienen des Lohnes wegen dienen — (Awot), sondern weil Er der Herr ist, so geziemt es sich, Ihm zu dienen, nämlich Ihm zu dienen aus Liebe.

§ 5

כָּל הָעוֹסֵק בַּתּוֹרָה כְּדֵי לְקַבֵּל שָׂכָר אוֹ כְּדֵי שֶׁלֹּא תַּגִּיעַ עָלָיו פֻּרְעָנוּת הֲרֵי זֶה עוֹסֵק שֶׁלֹּא לִשְׁמָהּ. וְכָל הָעוֹסֵק בָּהּ לֹא לְיִרְאָה וְלֹא לְקַבֵּל שָׂכָר אֶלָּא מִפְּנֵי אַהֲבַת אֲדוֹן כָּל הָאָרֶץ שֶׁצִּוָּה בָּהּ הֲרֵי זֶה עוֹסֵק בָּהּ לִשְׁמָהּ. וְאָמְרוּ חֲכָמִים לְעוֹלָם יַעֲסֹק אָדָם בַּתּוֹרָה וַאֲפִלּוּ שֶׁלֹּא לִשְׁמָהּ שֶׁמִּתּוֹךְ שֶׁלֹּא לִשְׁמָהּ בָּא לִשְׁמָהּ. לְפִיכָךְ כְּשֶׁמְּלַמְּדִין אֶת הַקְּטַנִּים וְאֶת הַנָּשִׁים וּכְלַל עַמֵּי הָאָרֶץ אֵין מְלַמְּדִין אוֹתָן אֶלָּא לַעֲבֹד מִיִּרְאָה וּכְדֵי לְקַבֵּל שָׂכָר, עַד שֶׁתִּרְבֶּה דַּעְתָּן וְיִתְחַכְּמוּ חָכְמָה יְתֵרָה מְגַלִּים לָהֶם רָז זֶה מְעַט מְעַט וּמַרְגִּילִין אוֹתָן לְעִנְיָן זֶה בְּנַחַת עַד שֶׁיַּשִּׂיגוּהוּ וְיֵדְעוּהוּ וְיַעַבְדוּהוּ מֵאַהֲבָה:

[Torah um ihrer selbst willen]
Wer sich mit der Tora beschäftigt, um Lohn dafür zu empfangen oder um Gottes Strafe auszuweichen, der handelt so aus Nebengründen. Wen aber weder Furcht, noch Hoffnung auf Lohn, zu dieser Beschäftigung geführt, sondern die Liebe zum Herrn der Welt, Der dieselbe geboten, der handelt so um der Sache selbst willen. Die Weisen aber sagten: immer mag der Mensch sich mit der Tora beschäftigen, selbst wenn dies aus Nebengründen geschieht, denn, selbst von Nebenrücksichten ausgehend, kann er für die Sache selbst eingenommen werden.
Daher, wenn man Kinder, Frauen und Unwissende unterrichtet, so gewöhne man sie anfangs nur, Gott bloß aus Furcht oder des himmlischen Lohnes willen zu dienen bis sich ihr Wissen so gemehrt und ihre Vernunft so entwickelt hat, dass man ihnen allmählich diese tiefe Wahrheit entdecken kann. Man bereite sie aber dazu langsam vor, bis sie es begreifen und erkennen, wo sie dann Gott auch aus Liebe dienen werden.

§ 6

דָּבָר יָדוּעַ וּבָרוּר שֶׁאֵין אַהֲבַת הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא נִקְשֶׁרֶת בְּלִבּוֹ שֶׁל אָדָם עַד שֶׁיִּשְׁגֶּה בָּהּ תָּמִיד כָּרָאוּי וְיַעֲזֹב כָּל מַה שֶּׁבָּעוֹלָם חוּץ מִמֶּנָּה. כְּמוֹ שֶׁצִּוָּה וְאָמַר בְּכָל לְבָבְךָ וּבְכָל נַפְשְׁךָ. אֵינוֹ אוֹהֵב הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא אֶלָּא בְּדַעַת שֶׁיְּדָעֵהוּ. וְעַל פִּי הַדֵּעָה תִּהְיֶה הָאַהֲבָה אִם מְעַט מְעַט וְאִם הַרְבֵּה הַרְבֵּה. לְפִיכָךְ צָרִיךְ הָאָדָם לְיַחֵד עַצְמוֹ לְהָבִין וּלְהַשְׂכִּיל בְּחָכְמוֹת וּתְבוּנוֹת הַמּוֹדִיעִים לוֹ אֶת קוֹנוֹ כְּפִי כֹּחַ שֶׁיֵּשׁ בָּאָדָם לְהָבִין וּלְהַשִּׂיג כְּמוֹ שֶׁבֵּאַרְנוּ בְּהִלְכוֹת יְסוֹדֵי הַתּוֹרָה:

[Erkenntnis und Liebe]
Es ist bekannt und erwiesen, dass die Liebe zum Heilige, gelobt sei Er, in dem menschlichen Herzen, nicht anders Wurzel schlägt, als bis man auf geziemende Weise stets an diese Liebe denkt und Alles in der Welt außer ihr vernachlässigt, wie Er auch selbst geboten in der Schrift: »Mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele«. Man kann also den Heiligen, gelobt sei Er, nur lieben, indem man Ihn recht zu erkennen sich bestrebt und — je nach dem Maß unserer Erkenntnis, wird auch unsere Liebe wenig oder groß sein.
Daher ist es auch Pflicht des Menschen, sich zusammenzunehmen, um einzudringen und sich zu vertiefen in die Lehre und Wissenschaften, welche ihn der Erkenntnis seines Schöpfers näherbringen können, je nach der Kraft, die dem Menschen innewohnt, zu erfassen und zu begreifen, wie wir auch bereits erklärt in der Abhandlung über die Grundsätze der Tora.

Zur Übersetzung und Bearbeitung

Die Übersetzung erschien das erste Mal 1850 in Sankt Petersburg und wird hier überarbeitet wiedergegeben.
An der Digitalisierung des Textes waren beteiligt:
Elyahu Borodin, Susanne Hähn, Nicole Hanisch, Arie Shkolnik, Benedikt Wahl, Chajm Guski, Igor Itkin

Der hebräische Text

Torat Emet – Der Text steht unter der Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.5 Generic (CC BY-NC 2.5).

Originalausgabe, Gutachten der Gelehrten und Lizenz

Auszug aus dem Buche Jad-Haghasakkah, die starke Hand – Handbuch der Religion
Nach dem Talmud zusammengestellt
Von
Rabbi Moscheh-ben-Maimon, genannt Moses Maimonides,
aus Spanien,

und nach dem Gutachten der Gelehrten und Rabbinen:

Rabbi Israel Gordon, R. Chajm-Nachman Parnass, R. Abraham-Judel Straschun, R. Salomon Zeew, des Predigers zu Wilna, R. Menachem aus Liubawitsch, R. Isaac aus Woloschno, R. S. Rappoport, R. Israel-Michel Jeschurnn aus Minsk, R. Israel Halperin aus Berditschen, R. Isaac Behr Lewinsohn aus Kremenietz, R. Hirsch Katzenellenbogen aus Wilna und Dr. Abraham Neumann aus Riga.
Revidiert und übersetzt.
St. Petersburg
1850



Public Domain Mark


Dieses Werk, die deutsche Übersetzung (Hilchot Teschuwah, von Moses Maimonides, Leon Mandelstam), das durch talmud.de gekennzeichnet wurde, unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.