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Was der Koran zum Judentum sagt

Bevor wir Einzelheiten dessen betrachten, was der Qur’an zum Judentum und zu den Juden sagt, möchte ich einige Vorbemerkungen vorwegschicken: Der Qur’an entstand im 7. Jhdt., als die beiden anderen abrahamitischen Religionen schon etabliert waren. Er versteht sich als Niederschlag der religiösen Erfahrung des Propheten Muhammad, die gesondert von Überlieferungen von seinen übrigen Handlungen und Aussagen sowie biographischen Darstellungen schriftlich festgehalten wurde. Der Prophet sah sich selbst in einer Linie u.a. mit den biblischen Propheten, in ähnlicher Weise sollte seine Botschaft auf religiöse Missstände (Götzendienst) und soziale Ungerechtigkeit korrigierend einwirken, darüber hinaus gibt es hier auch einen Ausblick auf die Beziehungen zwischen den monotheistischen Religionen. Zu den Werkzeugen, die für die Bearbeitung des Textes erforderlich sind, gehören:

„Führung und Licht” – die Torah im Islam

Da der Islam die jüngste der drei abrahamitischen Religionen ist, dürfte es nicht überraschen, dass die beiden Schwesterreligionen Judentum und Christentum als ältere Glieder derselben Kette wahrgenommen werden. Seinem Selbstverständnis nach setzt der Islam den Monotheismus Abrahams fort, den die Araber (über Ismail) als ihren Stammvater sehen, und das Erbe der biblischen Propheten. Grundsätzlich ist es also unumgänglich, daß Muslime „an das glauben, was dir (Muhammad) offenbart wurde, und an das, was vor dir offenbart wurde …“ (Sura 2:5). Kenntnisse der biblischen Geschichte sind somit eine der Voraussetzungen dafür, den kurzgefaßten, konzentrierten Text des Qur’an verstehen zu können. In der Tat wurden in der klassischen Qur’anexegese biblische Texte und mündliche Überlieferungen aus dem jüdisch-christlichen Umfeld, die sog. „Israeliyât“, zur Erläuterung herangezogen.