Führer der Unschlüssigen

More Newuchim – Buch 1 – Kapitel 17

Siebzehntes Kapitel Der Verfasser bespricht die Methoden der Philosophen, welche sie anwenden, um über religiöse Dinge zu sprechen und die Geheimnisse zu verhüllen.

Du darfst nicht glauben, dass nur die Metaphysik allein dem großen Haufen vorenthalten ist, sondern auch zum größeren Teile die Naturwissenschaft. Zum zweiten Male führen wir bereits den Ausspruch unserer Lehrer an: »Die Schöpfungs­geschichte (Ma'ase Bereschit) soll man nicht einmal vor zweien vortragen«. Dies gilt ja nicht nur von den Religionskundigen allein, sondern auch von den Philosophen. Die Weisen der Völker des Altertums pflegten daher, wenn sie von den Prin­zipien sprachen, sie nur in dunkeln Worten anzudeuten' oder in Rätseln (Bildern) von ihnen zu sprechen. So haben Plato und seine Vorgänger die Materie »das Weib« und die Form »den Mann« genannt. Du weißt, dass es für die werdenden und vergehenden Dinge drei Prinzipien gibt, nämlich die Ma­terie, die Form und die spezifische Privation, welche immer mit der Materie verbunden ist. Denn ohne diese Verbindung des Nichtseins mit der Materie könnte die Form nicht zur Materie gelangen. In dieser Hinsicht ist also das Nichtsein eines der Prinzipien. Mit dem Erlangen der Form hört aber dieses Nichtsein auf, nämlich das Nichtsein der erreichten Form; es gesellt sich aber zu ihr (der Materie) ein anderes Nichtsein und so immerfort, wie in der Physik dargelegt wird. Wenn nun schon jene Philosophen, welche bei dem, was sie erörterten, keinen Schaden anrichten konnten, figürliche Worte ge­brauchten und Allegorien zur Unterweisung anwandten, um wie viel weniger dürfen wir, die Gemeinschaft der Lehrer des Gesetzes, Dinge deutlich besprechen, welche die Menge schwer begreift oder deren wesentlichen Inhalt sie sich als das Gegen­teil von dem vorstellt, was wir dabei im Auge haben. Beachte auch dies!


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