Mischna Berachot

Mischna Berachot – Kapitel 1

Zeit für das Schma Jisrael am Abend und am Morgen, Stellung des Körpers dabei, vorangehende und folgende Gebete.

Übersetzung

Die Übersetzung folgt in wesentlichen Teilen der von Rabbiner Eduard Baneth und wurde geringfügig von Chajm Guski angepasst.
Die Übersetzung des Kommentars von Rabbiner Ovadjah Bartenura und Tosafot Jom Tow stammt von Alexander Adler.

Mischnah 1

1

Von wann an und wie lange man am Abend das Schma (Jisrael) sagen darf.

מֵאֵימָתַי קוֹרִין אֶת שְׁמַע בְּעַרְבִית?
מִשָּׁעָה שֶׁהַכֹּהֲנִים נִכְנָסִים לֶאֱכֹל בִּתְרוּמָתָן,
עַד סוֹף הָאַשְׁמוּרָה הָרִאשׁוֹנָה
– דִּבְרֵי רַבִּי אֱלִיעֶזֶר.
וַחֲכָמִים אוֹמְרִים:
עַד חֲצוֹת.
רַבָּן גַּמְלִיאֵל אוֹמֵר:
עַד שֶׁיַּעֲלֶה עַמּוּד הַשָּׁחַר.

(Frage) Von welcher Zeit an01 liest man das Schma am Abend02?
(Antwort:) Von der Zeit an, zu der die Kohanim (Priester) eintreten, um von ihrer Hebe03 zu essen,04 bis zu Ende der ersten Nachtwache. (Dies sind die) Worte des Rabbi Elieser.
Die Weisen sagen:
Bis Mitternacht.
R. Gamliel sagt:
Bis die Morgenröte aufsteigt.

מַעֲשֶׂה שֶׁבָּאוּ בָנָיו מִבֵּית הַמִּשְׁתֶּה.
אָמְרוּ לוֹ:
לֹא קָרִינוּ אֶת שְׁמַע.

Es geschah einst, dass seine Söhne von einem Gastmahl heimkehrten, und zu ihm sagten
Wir haben das Schma noch nicht gelesen.

אָמַר לָהֶם:
אִם לֹא עָלָה עַמּוּד הַשַּׁחַר – חַיָּבִין אַתֶּם לִקְרוֹת.
וְלֹא זוֹ בִלְבַד:
אֶלָּא כָּל מַה שֶׁאָמְרוּ חֲכָמִים „עַד חֲצוֹת“ –
מִצְוָתָן עַד שֶׁיַּעֲלֶה עַמּוּד הַשָּׁחַר.
הֶקְטֵר חֲלָבִים וְאֵבָרִים –
מִצְוָתָן עַד שֶׁיַּעֲלֶה עַמּוּד הַשָּׁחַר.
וְכָל הַנֶּאֱכָלִין לְיוֹם אֶחָד –
מִצְוָתָן עַד שֶׁיַּעֲלֶה עַמּוּד הַשָּׁחַר.
אִם כֵּן, לָמָּה אָמְרוּ חֲכָמִים „עַד חֲצוֹת“?
כְּדֵי לְהַרְחִיק אֶת הָאָדָם מִן הָעֲבֵרָה.

Er erwiderte ihnen:
Wenn die Morgenröte noch nicht aufgestiegen ist, seid Ihr verpflichtet zu lesen.
Und nicht dies allein, sondern Alles, wobei die Weisen »bis Mitternacht« gesagt haben, gilt gesetzlich bis die Morgenröte aufsteigt.
Das Aufdampfen des Fettes und der Glieder gilt gesetzlich bis die Morgenröte aufsteigt; und Alles was (von Opfern) nur an demselben Tage gegessen werden darf, ist gesetzlich gestattet bis die Morgenröte aufsteigt. Wenn dem aber so ist,
warum sagten die Weisen:
»Bis Mitternacht?«
Um die Menschen von der Übertretung fern zu halten.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Von welcher Zeit ab liest man … von der Zeit, da die Kohanim eintreten, um von ihrer Hebe zu essen. Kohanim, die unrein geworden sind und sich gebadet haben, können erst dann essen, sobald »ihre Sonne« untergegangen ist, d. h., mit dem Erscheinen der Sterne. Er (der Autor der Mischna) lehrt aber nicht einfach »mit dem Erscheinen der Sterne«, weil er uns nebenher noch lehren will, dass wenn die Kohanim in einer Weise unrein geworden sind, die für die Reinigung ein Opfer verlangt — etwa wie bei einem Flusskranken oder Aussätzigen —, sie die Sühne durch das Opfer nicht vom Essen der Hebe abhält, wie es heißt (3. Moses 22): »Geht die Sonne, wird er rein, und danach kann er von den Heiligtümern genießen« — das Gehen »seiner« Sonne bedingt, dass er Hebe essen kann, nicht aber die Sühne durch das Opfer.

Bis zu Ende der ersten Nachtwache. Das erste Drittel der Nacht, denn die Nacht wird in drei Nachtwachen geteilt. Von da ab nennt man es nicht mehr die Zeit des Schma-Lesens beim Niederlegen, und kann den Vers „wenn du dich niederlegst” nicht anwenden. Und vor dem Erscheinen der Sterne ist ebenfalls noch Tag und nicht die Zeit des Niederlegens.
Wer es aber vorzieht und und das Schma des Abends schon am Tag liest, verlässt sich auf die Meinung des Rabbi Jehuda, der im vierten Kapitel sagt, dass die Zeit des Nachmittagsgebets bis zur »Hälfte der Mincha« ist. Das ist 1¼ Stunden vor der Nacht. Es gilt als angenommen, dass man der Meinung des Rabbi Jehuda folgen kann und sofort nach dem Ende der Zeit von Mincha die Zeit des Schma am Abend beginnt.

Bis die Mörgenröte aufgestiegen ist. Die ganze Nacht heißt nämlich eine Zeit des Niederlegens; die Halacha folgt Rabban Gamliel, dem auch die Weisen zustimmen. Die Einschränkung »bis Mitternacht« haben sie nur gesagt, um den Menschen von der Übertretung fernzuhalten. Allerdings ist es von vorneherein verboten, eine Mahlzeit einzunehmen und erst recht zu schlafen, sobald die Zeit des Schma-Lesens am Abend laut unserer Mischna begonnen hat, d. h., ab dem Erscheinen der Sterne.

Es geschah einst, dass seine Söhne vom Gastmahl kamen. Die Söhne das Rabban Gamliel hörten, wie die Weisen „bis Mitternacht” sagten, und sie erwogen Folgendes:
Wenn die Weisen dir widersprechen, meinen sie »nur bis Mitternacht, aber nicht länger« — und bei einem Disput eines einzelnen Gelehrten mit mehreren folgt man doch der Mehrheit — oder vielleicht sind die Weisen auch deiner Meinung und sagten »bis Mitternacht« nur, um den Menschen von der Übertretung fernzuhalten. Er antwortete ihnen: Die Weisen sind mit mir einer Meinung, und sagten »bis Mitternacht« nur, um den Menschen von der Übertretung fernzuhalten, ihr müsst also noch lesen.

Und nicht dies allein. All das hat Rabban Gamliel seinen Söhnen gesagt.

Das Aufdampfen des Fettes der Opfer.

Und der Glieder des täglichen Opfers am Nachmittag, dessen Blut am Tag gesprenkelt wird. Es gibt ein Gebot, seine Stücke zu einem Zeitpunkt in der Nacht aufzudampfen, wie es heißt: »Das ist das Ganzopfer auf der Brandstätte auf dem Altar, die ganze Nacht bis zum Morgen«.

Alles, was nur am selben Tag gegessen werden kann. Etwa das Dankopfer, das Sünd- oder Sühnopfer und Ähnliches, welches am Tag und der folgenden Nacht gegessen werden kann. Sie können bis die Morgenröte aufsteigt gegessen werden, und sie führt dazu, dass sie (zu verbrennende) Reste werden.

Wenn dem aber so ist, warum sagten die Weisen »bis Mitternacht« über das Schma-Lesen und das Verzehren der Opfer?
Aber bezüglich des Aufdampfens des Fettes und der Glieder haben die Weisen nicht »bis Mitternacht« verlangt. Er erwähnt dies nur, um mitzuteilen, dass jedes Gebot, dessen Zeit die Nacht ist, in der ganzen Nacht ausgeführt werden darf.

Um den Menschen von der Übertretung fernzuhalten. Damit man nicht dazu kommt, auch nach dem Aufsteigen der Morgenröte von Opfern zu essen und der Ausrottung schuldig wird.

2

Von wann an und wie lange man am Morgen das Schma (Jisrael) sagen darf.

מֵאֵימָתַי קוֹרִין אֶת שְׁמַע בְּשַׁחֲרִית?
מִשֶּׁיַּכִּיר בֵּין תְּכֵלֶת לְלָבָן.
רַבִּי אֱלִיעֶזֶר אוֹמֵר: בֵּין תְּכֵלֶת לְכַרְתִי.
וְגוֹמְרָהּ עַד הָנֵץ הַחַמָּה.
רַבִּי יְהוֹשֻׁעַ אוֹמֵר: עַד שָׁלֹשׁ שָׁעוֹת,
שֶׁכֵּן דֶּרֶךְ בְּנֵי מְלָכִים לַעֲמֹד בְּשָׁלֹשׁ שָׁעוֹת.
הַקּוֹרֵא מִכָּאן וְאֵילָךְ – לֹא הִפְסִיד,
כְּאָדָם הַקּוֹרֵא בַתּוֹרָה.

Von welcher Zeit ab liest man das Schema am Morgen?
Sobald man zwischen Himmelblau 05 techelet und Weiß unterscheiden kann; R. Elieser sagt: Zwischen Himmelblau und Lauchgrün; (und beendet das Lesen) bis die Sonne hervorstrahlt. R.Jehoschua sagt: Bis drei Stunden; denn so ist die Sitte der Söhne der Könige, erst um drei Stunden aufzustehen — wer von der Zeit an und weiter (das Schema) liest, büßt nichts ein, wie jeder der in der Torah liest.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Zwischen Himmelblau und Weiß. Zwischen den himmelblauen und den weißen Fäden der Zizit.
Eine andere Erklärung: Ein Stück Wolle, das himmelblau gefärbt wurde und weiße Stellen hat, welche die Farbe nicht richtig aufgenommen haben.

Zwischen Himmelblau und Lauchgrün. Die himmelblaue Farbe ähnelt dem Farbton von Lauch, den man פור”ש nennt.

Bis zu drei Stunden. Am Tag, bis zum Ende der dritten Stunde, was ein Viertel des Tages ist, wenn Tag und Nacht gleich lang sind. Auf jeden Fall ist die Zeit des Schma-Lesens im ersten Viertel des Tages, gleichgültig, ob die Tage lang oder kurz sind. Ebenso ist das, was wir später (4,1) lernen: »Die Zeit des Morgengebetes ist bis zur dritten Stunde am Tag«, d. h., ein Drittel des Tages.
Er hat vier gesagt, weil das ein Drittel des Tages ist, wenn Tag und Nacht gleich sind. Wenn immer in der Mischna eine gewisse Anzahl Stunden erwähnt ist, musst du auf diese Weise rechnen. So habe ich aus dem Kommentar des רמבם (Rambam) gelernt, und so scheint es mir vernünftig. Der Grund für die Aussage des Rabbi Jehoschua »bis zur dritten Stunde« besteht darin, dass es die Art der Prinzen ist, bis zur dritten Stunde aufzustehen. Der Vers »bei deinem Aufstehen« meint »wenn alle Menschen aufgestanden sind«. Und die Halacha folgt Rabbi Jehoschua.
Von vorneherein muss man aber einrichten, das Schma mit dem Sonnenaufgang zu lesen, wie es die Pflichtbewussten zu tun pflegten.

Büßt nichts ein. Das heißt, er kann noch die Segen davor und danach sprechen, und obwohl die Zeit vorbei ist, soll er Schma mit den Segenssprüchen lesen.

Wie jeder, der im Gesetz liest. Obwohl er das Gebot, Schma zur rechten Zeit zu lesen, nicht erfüllt hat, wird er doch wie einer belohnt, der in der Tora liest.

3

Mit welcher Körperhaltung man das Schma (Jisrael) sprechen sollte.

בֵּית שַׁמַּאי אוֹמְרִים
בָּעֶרֶב כָּל אָדָם יַטּוּ וְיִקְרְאוּ,
וּבַבֹּקֶר יַעַמְדוּ,
שֶׁנֶּאֱמַר: „וּבְשָׁכְבְּךָ וּבְקוּמֶךָ“ (דברים ו ז).
וּבֵית הִלֵּל אוֹמְרִים:
כָּל אָדָם קוֹרֵא כְדַרְכּוֹ,
שֶׁנֶּאֱמַר: „וּבְלֶכְתְּךָ בַדֶּרֶךְ“ (שם).
אִם כֵּן, לָמָּה נֶאֱמַר „וּבְשָׁכְבְּךָ וּבְקוּמֶךָ“?
בְּשָׁעָה שֶׁבְּנֵי אָדָם שׁוֹכְבִים,
וּבְשָׁעָה שֶׁבְּנֵי אָדָם עוֹמְדִים.
אָמַר רַבִּי טַרְפוֹן:
אֲנִי הָיִיתִי בָא בַדֶּרֶךְ,
וְהִטֵּיתִי לִקְרוֹת כְּדִבְרֵי בֵית שַׁמַּאי,
וְסִכַּנְתִּי בְעַצְמִי מִפְּנֵי הַלִּסְטִים.
אָמְרוּ לוֹ:
כְּדַי הָיִיתָ לָחֹב בְּעַצְמְךָ,
שֶׁעָבַרְתָּ עַל דִּבְרֵי בֵית הִלֵּל.

Die Schule des Schammaj lehrt:
Am Abend soll Jeder liegend lesen und am Morgen stehend, denn es heißt: »Wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst.« 06
Die Schule des Hillel aber lehrt: Jedermann lese nach seiner Weise (nach Belieben) denn es heißt auch: »Wenn du auf dem Wege gehst.« Wenn dem so ist, warum heißt es denn »und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst«? Allein (dies will sagen) »zur Zeit, wenn Menschen zu liegen pflegen und zur Zeit wenn sie aufzustehen pflegen.«

— R. Tarphon erzählte: Ich befand mich einst auf dem Wege, und legte mich nieder, um nach dem Ausspruch der Schule Schammajs zu lesen, brachte mich aber in Lebensgefahr durch Räuber. Man erwiderte ihm: Du warst wert dein Leben zu verwirken, weil du den Ausspruch der Schule Hillels übertratest.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Im Liegen. Auf der Seite, da es heißt: »Bei deinem Niederlegen« — nach Art des Niederlegens.

Im Stehen. Da es heißt: »Bei deinem Aufstehen« — nach Art des Aufstehens.

Nach seiner Weise. Ob im Stehen, Sitzen, Liegen oder im Gehen.

Du warst wert. Du hättest verdient, getötet zu werden, und wenn du gestorben wärst, hättest du dein Leben auf dem Gewissen.

4

Von den Gebeten vor und nach dem Schma (Jisrael).

בַּשַּׁחַר מְבָרֵךְ שְׁתַּיִם לְפָנֶיהָ וְאַחַת לְאַחֲרֶיהָ,
וּבָעֶרֶב שְׁתַּיִם לְפָנֶיהָ וּשְׁתַּיִם לְאַחֲרֶיהָ,
אַחַת אֲרֻכָּה וְאַחַת קְצָרָה.
מָקוֹם שֶׁאָמְרוּ לְהַאֲרִיךְ – אֵינוֹ רַשַּׁאי לְקַצֵּר.
לְקַצֵּר – אֵינוֹ רַשַּׁאי לְהַאֲרִיךְ.
לַחְתֹּם – אֵינוֹ רַשַּׁאי שֶׁלֹּא לַחְתֹּם.
וְשֶׁלֹּא לַחְתֹּם – אֵינוֹ רַשַּׁאי לַחְתֹּם.

Am Morgen spricht man zwei Segenssprüche voran und einen nachher; und abends spricht man zwei Segenssprüche voran, und zwei nachher: Eine lange und eine kurze Brachah. Wo man festgesetzt hat eine lange (zu sprechen), ist keiner befugt abzukürzen, und wo eine kurze fest steht, ist keiner befugt zu verlängern; (wo festgesetzt ist) eine Schlussformel zu beten, ist keiner befugt die Schlussformel auszulassen wo aber keine Schlussformel sein soll, ist keiner befugt, eine Schlussformel anzubringen.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Zwei vorne. »Der das Licht formt« und »mit großer Liebe«.
Und eine nachher. »Wahr und feststehend«. Und am Abend betet er zwei vorne — »der Abend werden lässt« und »mit ewiger Liebe« und **zwei nachher** — »Wahrheit und Treue« und »liege uns nieder«.

Einen langen und einen kurzen Segensspruch. Das bezieht sich auf die zwei vorne. Der Segen »der Licht formt« ist lang, da er mit »gepriesen« beginnt und mit »gepriesen« endet; ebenso »der Abend werden lässt«. Der Segen »mit ewiger Liebe« ist kurz, weil er zwar mit »gepriesen« beginnt, aber nicht endet.

Eine Schlussformel zu beten. Mit »gepriesen«. Die Schlussformel auszulassen. Wie bei Segen über Früchte oder die Erfüllung eines Gebotes.

5

Das Gedenken an den Auszug aus Ägypten am Abend.

מַזְכִּירִין יְצִיאַת מִצְרַיִם בַּלֵּילוֹת.
אָמַר רַבִּי אֶלְעָזָר בֶּן עֲזַרְיָה:
הֲרֵי אֲנִי כְּבֶן שִׁבְעִים שָׁנָה,
וְלֹא זָכִיתִי שֶׁתֵּאָמֵר יְצִיאַת מִצְרַיִם בַּלֵּילוֹת,
עַד שֶׁדְּרָשָׁהּ בֶּן זוֹמָא,
שֶׁנֶּאֱמַר: „לְמַעַן תִּזְכֹּר אֶת יוֹם צֵאתְךָ מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם כֹּל יְמֵי חַיֶּיךָ“ (דברים טז ג).
„יְמֵי חַיֶּיךָ“ – הַיָּמִים,
„כֹּל יְמֵי חַיֶּיךָ“ – הַלֵּילוֹת.
וַחֲכָמִים אוֹמְרִים:
„יְמֵי חַיֶּיךָ“ – הָעוֹלָם הַזֶּה,
„כֹּל יְמֵי חַיֶּיךָ“ – לְהָבִיא לִימוֹת הַמָּשִׁיחַ.

Man gedenke des Auszuges aus Ägypten auch in der Nachtzeit. 07
R. Elasar ben Asarjah sprach: Ich bin jetzt beinahe 08 siebzig Jahre alt und habe nicht beweisen können, dass die Stelle vom Auszug aus Ägypten auch Nachts zu sagen Pflicht sei, bis Ben Soma es aus der Schrift herleitete, nämlich es heißt: »Damit du gedenkst des Tages deines Auszuges aus Ägypten alle Tage deines Lebens«; »Die Tage deines Lebens«, (würde bedeuten) »die Tage,« »alle Tage deines Lebens« — auch die Nächte. Die Weisen aber erklären:
»Die Tage deines Lebens«, würde bedeuten: Diese Welt. »Alle Tage deines Lebens«, setze hinzu, auch die Zeiten des Maschiach.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Man gedenkt des Auszuges aus Ägypten auch nachts. Den Abschnitt über Zizit im Schma sagt man auch nachts, obwohl die Nacht nicht die Zeit der Zizit ist. Über sie heißt es nämlich: »und ihr sollt sie sehen« — das schließt Nachtkleidung aus. Vielmehr sagt man ihn nachts wegen des darin erwähnten Auszuges aus Ägypten.

Beinahe siebzig Jahre. »Ich sehe wie ein Ältester aus, bin es aber nicht«. Seine Haare waren nämlich grau geworden, als man ihn zum »Nassi« (Fürsten) ernannte, damit er als Ältester für das Amt eines Nassi geeignet aussehe. An eben diesem Tage hat ben Soma diesen Vers ausgelegt.

Und habe nicht erreicht. Ich habe die Weisen nicht überzeugen (wörtlich: besiegen) können. Der Ausdruck ähnelt dem in Nidda 4: »Damit besiegte Rabbi Elasar die Weisen«.

Anmerkungen

  1. Kommentar Tosafot Jom Tov: Der Tanna bezieht sich auf den Vers, da es heißt: »bei deinem Niederlegen und bei deinem Aufstehen«. Von hier lernt er, dass der Mensch verpflichtet ist, das Schma am Abend und am Morgen zu lesen. Und nun fragt er, wann dessen Zeit beginnt; weil zuerst »bei deinem Niederlegen« steht, behandelt er das Schma am Abend zuerst.[]
  2. Da der jüdische Tag mit Abend beginnt, ist dieses Schma wohl vorangestellt. Deshalb beginnt der Schabbat am Freitagabend und nicht am Samstagmorgen. Dies wird mit dem 1. Buch Mosche (Vers 5) begründet: »Und es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag.«. Schkijat HaChamah (שְׁקִיעַת הַחַמָּה) ist genau der Zeitpunkt, an dem die Sonne unter den Horizont sinkt. Mitzwot, die nur während des Tages durchgeführt werden können, können nun nicht mehr durchgeführt werden. Zu den halachischen Zeiten siehe hier[]
  3. Kommentar Tosafot Jom Tov: Die vor ihnen bereit liegt und der nichts weiter fehlt, als gegessen zu werden. (תוי“ט) []
  4. Nach der Ernte muss der Besitzer dieser Ernte Trumah Gedolah nehmen und sie dem Kohen geben. Er darf davon nur essen, wenn er nicht unrein ist. Den Zustand der Unreinheit hebt er auf, indem er in der Mikweh eintaucht und bis zum Anbruch der Nacht wartet.[]
  5. Techelet ist die Farbe, die in der Torah für die Tzitzit vorgeschrieben ist, wohl ein bläulicher Farbton.[]
  6. 5. Buch Mosche 6,7[]
  7. D. h. es ist Pflicht auch in der Nacht Parschat Zizit zu sprechen, weil darin des Auszuges aus Ägypten gedacht wird.[]
  8. So nach einer Baraita im Jeruschalmi. Der babylonische Talmud jedoch sagt: R. Elasar ben Asarja sei damals nur 18 Jahre alt, aber bereits grau gewesen, wie ein Greis von siebzig Jahren. Nach Maimonides ist er durch vieles Studieren grau geworden.[]