Mischna Berachot

Mischna Berachot – Kapitel 2

Die Absätze im Schema und Erlaubnis während dieses Gebets zu grüßen, Beten mit leiser Stimme, Arbeiter auf einem Baum oder einer Mauer, der neu Verheiratete.

Übersetzung

Übersetzung
Die Übersetzung folgt in wesentlichen Teilen der von Rabbiner Eduard Baneth und wurde geringfügig von Chajm Guski angepasst.
Die Übersetzung des Kommentars von Rabbiner Ovadjah Bartenura und Tosafot Jom Tow stammt von Alexander Adler.

Mischna 1

הָיָה קוֹרֵא בַתּוֹרָה, וְהִגִּיעַ זְמַן הַמִּקְרָא, אִם כִּוֵּן לִבּוֹ, יָצָא. וְאִם לָאו, לֹא יָצָא. בַּפְּרָקִים שׁוֹאֵל מִפְּנֵי הַכָּבוֹד וּמֵשִׁיב, וּבָאֶמְצַע שׁוֹאֵל מִפְּנֵי הַיִּרְאָה וּמֵשִׁיב, דִּבְרֵי רַבִּי מֵאִיר.

Wer gerade in der Torah (den Abschnitt Schma) liest, wenn die Zeit zum Lesen01 eintrifft, ist, wenn er seinen Sinn darauf gerichtet hat, die Worte gehörig zu lesen der Pflicht entledigt, wo nicht, ist er deren nicht entledigt. — Bei den Absätzen darf man jemanden aus Ehrerbietung grüßen oder (ihm den Gruss) erwidern, aber in der Mitte grüßt man nur aus Furcht, (bei Lebensgefahr) und erwidert den Gruß. Dies ist der Ausspruch des R. Meir;

רַבִּי יְהוּדָה אוֹמֵר, בָּאֶמְצַע שׁוֹאֵל מִפְּנֵי הַיִּרְאָה, וּמֵשִׁיב מִפְּנֵי הַכָּבוֹד, בַּפְּרָקִים שׁוֹאֵל מִפְּנֵי הַכָּבוֹד, וּמֵשִׁיב שָׁלוֹם לְכָל אָדָם

R. Jehuda sagt: In der Mitte grüßt man aus Furcht und erwidert aus bloßer Ehrerbietung; bei den Absätzen grüßt man auch aus Ehrerbietung; erwidert aber Jedermann den Gruß.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Wer gerade in der Tora liest. Den Abschnitt des Schma.

Und die Zeit trifft ein. Des Schma-Lesens.

Wenn er seinen Sinn darauf gerichtet hat, so hat er die Pflicht erfüllt. Nach der Meinung, dass die Gebote einer besonderen Absicht bedürfen, muss man erklären, dass er beabsichtigen soll, das Gebot zu erfüllen. Nach der Meinung, dass es dieser Absicht nicht bedarf, erklärt man: »Wenn er beabsichtigte, nach der korrekten Punktierung und den Regeln zu lesen«, insbesondere also, dass er nicht zur Korrektur liest, weil er dann die Wörter nicht deutlich ausspricht, sondern nur fehlende oder zusätzliche Buchstaben erkennen will, und mit einem solchen Lesen erfüllt er das Gebot nicht. Wir folgen der Meinung, dass Gebote der besonderen Absicht bedürfen.

Er grüßt aus Ehrerbietung. Er grüßt einen ehrenwerten Menschen, dem man mit dem Gruß zuvorkommen sollte, wie seinen Vater, seinen Rabbiner oder einen, der ihm an Weisheit überlegen ist.

In der Mitte des Kapitels grüßt er aus Furcht einen Menschen, bei dem er fürchten muss, dass dieser ihn sonst tötet, und erst recht erwidert er seinen Gruß — aus Ehrerbietung darf er das nicht.

Rabbi Jehuda sagt: In der Mitte des Kapitels grüßt er, wen er fürchtet, und erwidert den Gruß dessen, den er ehren soll.

Erwidert jedermann, der ihn gegrüßt hat. Die Halacha folgt Rabbi Jehuda. Wo immer zu unterbrechen verboten ist, da darf man auch nicht reden — weder in der heiligen noch in anderen Sprachen.

Tosefta

הַקּוֹרֵא אֶת שְׁמַע צָרִיך שֶׁיְּכַוֵּן אֶת לִבּו.
רַבִּי אֲחי אוֹמֵר מִשּׁוּם רַבִּי יְהוּדָה אִם כִּיוֵּן לִבּו בְּפֶרֶק רִאשׁוֹן אַף עַל פִּי שֶׁלֹּא כִיוֵּן אֶת לִבּו
בַּפֶּרֶק הָאַחֲרוֹן יָצָא.

Wer das Schma liest, muss Absicht im Herzen haben. Rabbi Achai sprach im Namen Rabbi Jehudas: Wenn er seinen Sinn im ersten Abschnitt darauf gerichtet hat, auch wenn er ihn nicht (mehr) beim letzten hatte, hat seine Verpflichtung erfüllt.

Mischna 2

אֵלּוּ הֵן בֵּין הַפְּרָקִים, בֵּין בְּרָכָה רִאשׁוֹנָה לִשְׁנִיָּה, בֵּין שְׁנִיָּה לִשְׁמַע, וּבֵין שְׁמַע לִוְהָיָה אִם שָׁמֹעַ, בֵּין וְהָיָה אִם שָׁמֹעַ לְוַיֹּאמֶר, בֵּין וַיֹּאמֶר לֶאֱמֶת וְיַצִּיב.

Die Absätze sind folgende: Zwischen dem ersten Segensspruch und dem zweiten; zwischen dem zweiten und Schma zwischen Schma und we haja im schamoa; zwischen haja im schamoa und wa‘jomer zwischen wa‘jomer und emet we‘jaziv.

רַבִּי יְהוּדָה אוֹמֵר, בֵּין וַיֹּאמֶר לֶאֱמֶת וְיַצִּיב לֹא יַפְסִיק.

R. Jehuda sagt: Zwischen wa’jomer und emet we‘jaziv darf man nicht innehalten.

אָמַר רַבִּי יְהוֹשֻׁעַ בֶּן קָרְחָה, לָמָּה קָדְמָה שְׁמַע לִוְהָיָה אִם שָׁמֹעַ, אֶלָּא כְדֵי שֶׁיְּקַבֵּל עָלָיו עֹל מַלְכוּת שָׁמַיִם תְּחִלָּה, וְאַחַר כָּךְ יְקַבֵּל עָלָיו עֹל מִצְוֹת. וְהָיָה אִם שָׁמֹעַ לְוַיֹּאמֶר, שֶׁוְהָיָה אִם שָׁמֹעַ נוֹהֵג בַּיּוֹם וּבַלַּיְלָה, וַיֹּאמֶר אֵינוֹ נוֹהֵג אֶלָּא בַּיּוֹם:

Rabbi Josua ben Korchah sprach: Warum steht Schma02 vor haja im schamoa? Damit man erst das Joch des Himmelreiches über sich nehme, und nachher erst das der Gesetze.
Warum steht haja im schamoa vor wa‘jomer? Weil haja im schamoa am Tag und in der Nacht gilt, aber wa‘jomer nur am Tage geübt wird.

Kommentar von R. Ovadja Bartenura רבי עובדיה מברטנורא

Zwischen »und er sprach« und »wahr und feststehend« darf man nicht innehalten, da es heißt: (Jeremia 10,10) »Der Ewige, Gott, ist wahr«. Deswegen hält man zwischen »ich bin der Ewige, euer Gott« und »wahr« nicht inne.03

»Es wird sein, wenn du hören wirst« gilt am Tag und in der Nacht. Dort heißt es nämlich: (5. Moses 11,19 ) »Und ihr sollt dies eure Kinder lehren« das Lernen der Tora ist aber am Tag und in der Nacht geboten.

»Und er sprach« wird nur am Tag geübt. Dort ist der Abschnitt über Zizit enthalten, die nicht nachts getragen werden, wie es heißt: »und ihr sollt sie sehen.«

Mischna 3

הַקּוֹרֵא אֶת שְׁמַע וְלֹא הִשְׁמִיעַ לְאָזְנוֹ, יָצָא. רַבִּי יוֹסֵי אוֹמֵר, לֹא יָצָא. קָרָא וְלֹא דִקְדֵּק בְּאוֹתִיּוֹתֶיהָ, רַבִּי יוֹסֵי אוֹמֵר יָצָא, רַבִּי יְהוּדָה אוֹמֵר לֹא יָצָא. הַקּוֹרֵא לְמַפְרֵעַ, לֹא יָצָא. קָרָא וְטָעָה, יַחֲזֹר לְמָקוֹם שֶׁטָּעָה:

Wer das Schema liest, ohne es seinem Ohren hörbar zu machen, ist (seiner Pflicht) entledigt. R. Jose sagt; Er ist derselben nicht entledigt.—Wer gelesen und nicht genau die Buchstaben ausgesprochen hat, hat, wie R.Jose meint, seine Pflicht erfüllt; R. Jehuda meint, er hat sie nicht erfüllt. Wer in unrichtiger Ordnung liest, hat seine Pflicht nicht erfüllt. Wer im Lesen sich geirrt hat, fängt wieder da an, wo er sich geirrt hatte.

Mischna 4

הָאֻמָּנִין קוֹרִין בְּרֹאשׁ הָאִילָן אוֹ בְרֹאשׁ הַנִּדְבָּךְ, מַה שֶּׁאֵינָן רַשָּׁאִין לַעֲשׂוֹת כֵּן בַּתְּפִלָּה:

Arbeiter lesen auf dem Baum, oder auf der Mauer, was ihnen bei dem Gebet nicht zu tun erlaubt ist.

Mischna 5

חָתָן פָּטוּר מִקְּרִיאַת שְׁמַע בַּלַּיְלָה הָרִאשׁוֹן עַד מוֹצָאֵי שַׁבָּת, אִם לֹא עָשָׂה מַעֲשֶׂה. מַעֲשֶׂה בְּרַבָּן גַּמְלִיאֵל שֶׁקָּרָא בַלַּיְלָה הָרִאשׁוֹן שֶׁנָּשָׂא. אָמְרוּ לוֹ תַּלְמִידָיו, לֹא לִמַּדְתָּנוּ, רַבֵּנוּ, שֶׁחָתָן פָּטוּר מִקְּרִיאַת שְׁמַע בַּלַּיְלָה הָרִאשׁוֹן. אָמַר לָהֶם, אֵינִי שׁוֹמֵעַ לָכֶם לְבַטֵּל מִמֶּנִּי מַלְכוּת שָׁמַיִם אֲפִלּוּ שָׁעָה אֶחָת:

Ein Bräutigam ist vom Lesen des Schema in der ersten Nacht befreit und bis zu Ende des Schabbat, wenn er nicht die eheliche Pflicht vollzogen hat. Es wird von R. Gamliel erzählt, dass er in der ersten Brautnacht (Schema) gelesen habe. Da sprachen seine Schüler zu ihm: Lehrtest Du, unser Lehrer, uns nicht, dass ein Bräutigam vom Lesen des Schema in der ersten Brautnacht frei sei? Er erwiderte ihnen; Ich mag euch nicht beipflichten, um auch nur auf eine Stunde das Joch des Himmelreiches von mir abzulegen!

Mischna 6

רָחַץ לַיְלָה הָרִאשׁוֹן שֶׁמֵּתָה אִשְׁתּוֹ. אָמְרוּ לוֹ תַלְמִידָיו, לֹא לִמַּדְתָּנוּ, רַבֵּנוּ, שֶׁאָבֵל אָסוּר לִרְחֹץ. אָמַר לָהֶם, אֵינִי כִשְׁאָר כָּל אָדָם, אִסְטְנִיס אָנִי:

Derselbe badete in der ersten Nacht, da seine Frau gestorben war. Da sprachen seine Schüler zu ihm: Lehrtest Du, unser Lehrer, uns nicht, dass ein Leidtragender nicht baden dürfe? Er erwiderte ihnen: Ich bin nicht wie andere Menschen, ich bin schwächlich.

Mischna 7

וּכְשֶׁמֵּת טָבִי עַבְדּוֹ, קִבֵּל עָלָיו תַּנְחוּמִין. אָמְרוּ לוֹ תַּלְמִידָיו, לֹא לִמַּדְתָּנוּ רַבֵּנוּ, שֶׁאֵין מְקַבְּלִין תַּנְחוּמִין עַל הָעֲבָדִים. אָמַר לָהֶם, אֵין טָבִי עַבְדִּי כִּשְׁאָר כָּל הָעֲבָדִים, כָּשֵׁר הָיָה:

Und als sein Sklave Tabi starb, nahm er Beileidsbezeugungen an. Da sprachen seine Schüler zu ihm: Lehrtest Du, unser Lehrer, uns nicht, dass man wegen Sklaven keine Beileidsbezeugungen annehme? Er erwiderte ihnen: Mein Sklave Tabi glich nicht andern Sklaven, er war fromm.

Mischna 8

חָתָן אִם רָצָה לִקְרוֹת קְרִיאַת שְׁמַע לַיְלָה הָרִאשׁוֹן, קוֹרֵא. רַבָּן שִׁמְעוֹן בֶּן גַּמְלִיאֵל אוֹמֵר, לֹא כָל הָרוֹצֶה לִטֹּל אֶת הַשֵּׁם יִטֹּל:

Wenn ein Bräutigam das Schema auch in der ersten Nacht lesen will, mag es lesen. R. Simon ben Gamliel sagt: Nicht Jeder, welcher sich einen Namen anmaßen will, darf ihn sich anmaßen.

Übersicht über Massechet (Traktat) Berachot

Übersicht über alle Mischnah-Traktate

Für die Übersetzung von Alexander Adler gilt:
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Anmerkungen

  1. Ikar Tosafot Jom Tov: Mir scheint, dass sich das Wort מקרא (»lesen« oder »Abschnitt der Tora«) auch auf den Anfang bezieht: Wenn er in der Tora den Abschnitt des Schma gelesen hat…[]
  2. Ikar Tosafot Jom Tov: Warum geht »höre« voran? Wenn du sagst: In der Tora steht es doch auch voran, kann man antworten: Warum kommt es auch vor dem Abschnitt über Zizit, der allen vorangeht? Man kann antworten, dass es in der Tora kein Vorher und Nachher gibt. Man müsste also »und es wird sein« vorziehen, welches in der Mehrzahl spricht. (תוספות) Nachdem er »um das Joch …« geantwortet hat, lässt sich einwenden: Dann sollte doch »und er sprach« vorangehen, was ebenfalls eine Art Joch enthält, wie es heißt: »ich bin der Ewige, euer Gott« und »euch zum Gott zu sein«.[]
  3. Ikar Tosafot Jom Tov: Weil im Vers das Wort »feststehend« nicht steht, scheint es, dass er zwischen »wahr« und »feststehend« wohl unterbrechen darf; so steht es auch im ש’ע 6. Der Tanna hat »und feststehend« nur zur Bezeichnung nach dem Lauf der Zunge gesagt. []