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Der Talmud - was ist der Talmud?von Chajm Guski Der Talmud ist eine der wichtigsten Werke des Judentums, man kann sogar sagen, er sei eine der Säulen des Judentums, wenngleich seine Bedeutung für das orthodoxe und liberale Judentum unterschiedlich groß ist. Was ist der Talmud? Der Talmud ist die Diskussion der Mischna. Doch was ist die Mischna ? Die Mischna: G'tt gab Mosche am Sinai nicht nur die geschriebene Thora, sondern auch die 'mündliche Lehre'. Dieses Lehre wurde mündlich weitergegeben. Diese Lehre bestand aus Religionsgesetzen für alle Bereiche(Halachah) und aus ergänzendem Material bestehend aus Geschichten, Gleichnissen und Begebenheiten ethischen Charakters(Agadah). Jehuda ha Nasi ordnete die mündliche Lehre und hielt sie schriftlich fest - was eigentlich für halachisch bedenklich gehalten wurde - um jedoch die mündliche Lehre nicht zu verlieren oder zu verändern schuf man also die Mischna(Wiederholung)-die Sammlung der mündlichen Lehre. Man teilte die Mischna in sechs Ordnungen auf:
Der Talmud besteht aus dieser Mischna und ihrer Diskussion, der Gemara. Beide gemeinsam sind der Talmud.Sie sind der Grundtext des Talmuds. Im Laufe der Geschichte wurden aber auch diese Texte kommentiert und beprochen. In jeder Ausgabe des Talmuds ist deshalb auch der Raschi-Kommentar zu finden. Raschi ist ein Akronym für Rabbi Schlomo ben Jitzchak (ausführlicher Artikel zu Raschi), der 1040 in Troyes geboren wurde und 1105 nach reger Tätigkeit starb. Ohne Raschis Kommentar, wäre der Talmud ein versiegeltes Buch für uns, schrieb Rabbi Jitzchak bar Schesches (Rivasch). Tatsächlich sind die Arbeiten Raschis zum Talmud und zur Thora unvergleichlich. Alle weiteren Kommentare zum Talmud wurden von den Schülern Raschis hinzugefügt. Am unteren Rand gibt es noch Kommentare und Hinweise zahlreicher anderer Verfasser. In der Mitte des Bildes steht die Mischna mit der Gemara in Quadratbuchstaben. Rechts davon befindet sich der Kommentar Raschis, sowie auf der linken Seite, der seiner Schüler. Unten finden wir die 'kleinen Kommentare'. Die Abbildung zeigt das erste Blatt des Traktates Berachot "Segenssprüche". Den Talmud kann man nicht einfach nur lesen, den Talmud muß man lernen um einen Einblick in dieses faszinierende Feld zu bekommen. Je mehr man vom Talmud weiß, desto mehr Fragen stellen sich noch. Wir beschäftigen uns heute fast ausschließlich mit dem Talmud Bavli der in den Lehrstätten Babyloniens entstanden ist, während es noch den Talmud Yerushalmi gibt, der in den Lehrhäusern Israels entstanden ist.
Folgende Darstellung zeigt beispielhaft den Aufbau einer Talmud-Seite an, wie sie heute als klassisch gilt. Es ist die Einteilung der Ausgabe von Wilna, die zwischen den Jahren 1880 bis 1886 von den Gebrüdern Romm in ihrer Wilnaer Druckerei eingeführt wurde. Sie hat sich als Referenz durchgesetzt und erscheint uns heute als DIE grafische Repräsentation eines Talmud-Blattes.
Was steht im Talmud? Wie ist er geschrieben?Wie Eingangs bereits erwähnt wurde, besteht der Talmud aus Mischnah und Gemarah, der Talmud ist also von seiner Struktur her "dialogisch". Während die Mischnah eine Sammlung von Gebräuchen und Einrichtungen ist, diskutiert die Gemarah darüber und bringt auch Gegenmeinungen vor, die gleichfalls wieder diskutiert werden. Im Talmud kommen so viele verschiedene Sprecher zu Worte und nicht nur gelegentlich schweift die Diskussion ab in kleinere oder größere Diskurse über neue Stichwörter. So werden nicht nur religiöse Gesetze besprochen (Halachah), sondern auch Geschichten, Auslegungen, Sinnsprüche oder Gleichnisse erzählt (Aggadah). Organisiert ist der Talmud nach den sechs Ordnungen der Mischnah. Diesen folgend ist er in 63 Traktate eingeteilt:
Ein Beispiel aus der AggadahDie Geschichte geschah wiederum an einem Nichtjuden, der zu Schammaj kam und sprach "Bekehre mich, indem du mich die ganze Torah lehren willst, solange ich auf einem Bein stehen kann." Da stieß Schammaj ihn fort mit einem Maßstecken, wie sie die Zimmerleute gebrauchen. Da ging der Heide von Schammaj weg und kam zu Hillel und fragte auch ihn, ob er ihn die ganze Torah lehren wollte, solange er auf einem Bein stehen könne. Da bekehrte ihn Hillel auf seine Worte hin und sprach: "Ich will dich die ganze Torah lehren, solange du auf einem Bein stehen kannst." Und sprach zu dem Heiden: "Halte dich an den Schriftvers: 'Du sollst deinem Nächsten nichts Ärgeres tun, als du dir gern getan haben willst.' Das ist der Urgrund der ganzen Torah. Der Rest ist Auslegung. Geh hin und lerne weiter." So lehrte Hillel ihn die ganze Torah, während er auf einem Bein stand. - Schabbat 31a (Zitiert aus dem bei dtv erschienenen Buch "Das Ma'assebuch", das zahlreiche Geschichten aus dem Talmud nacherzählt.) |
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