Midrasch

Ja’akow (Jakob) im Midrasch

Im Allgemeinen gelten die Erzväter als gleichwertig, Ja’akow (Jakob) jedoch als der vorzüglichste der Väter; ja nur seinem Verdienste ist die Rettung Abrahams vor dem Feuertod zuzuschreiben, denn er allein unter den dreien hatte nur fromme Kinder (Schabbat. 146a; Tanchuma zu Lev. 19). Das Bild Jakobs ist unterhalb des Thrones Gottes aufgezeichnet.
Der Kabbala galt Ja’akow als Personifizierung der Sefira »Tiferet«. Er ist auch das Symbol der Wahrheit.
Ja’akows Name war auch Schemesch (Sonne). Auch der Name El wird ihm zugeschrieben (b. Meg. 18a), und er besaß göttliche Kraft, Welten zu schaffen.
Den Namen Israel führte er als Besieger des Engels, der übrigens als der Schutzengel Esaws (Esau) aufgefasst wird (Chullin 91b). Ja’akows Gegensatz zu Esaw (Esau) zeigte sich schon im Mutterleibe. Esaw (Esau) zog es bereits damals zum Götzentempel hin, Ja’akow aber zu den Gotteshäusern (Bereschit Rabbah 63).
Ja’akow, der stets zur Wahrheit strebte, wollte Esaw (Esau) nicht übervorteilen und ihm das Erstgeburtsrecht abkaufen, obwohl in Wirklichkeit der Natur nach Ja’akow der Erstgeborene war; auch habe er den Kampf nicht irdischer Güter wegen gekämpft, sondern nur um des idealen Rechts der Priesterwürde wegen. Ja’akow scheute sich, den Vater zu belügen, und fügte sich nur dem Befehl Rebekkas. Übrigens habe Ja’akow den Vater nicht betrogen, denn Isaak habe wohl geahnt, dass Ja’akow vor ihm stehe und den Segen empfange. Dieser Segen wurde später von Esaw (Esau) selbst gutgeheißen. Ja’akow regiere durch seine Stimme, Esaw (Esau) aber durch seine Hände. Und so lange Ja’akows Stimme in den Lehrhäusern erschalle, seien die Hände Esaws (Esau) ohnmächtig. Der Streit Ja’akows mit Esaw (Esau) soll den Kampf Israels mit den Völkern (Rom) darstellen. Auch bei Ja’akow gelte der Grundsatz, die Erlebnisse der Väter seien Vorzeichen für die Kinder. Gott zeigte Ja’akow die spätere Weltgeschichte und die Rolle der Juden in ihr.
Der Traum Ja’akows und die Leiter sollte den Berg Sinai, die Gesetzgebung und den Tempel darstellen. Der Brunnen, an dem Ja’akow Rahel begegnete, sei ein Vorbild des Sanhedrin (Bereschit Rabbah 70).
Als Ja’akow vor Esaw (Esau) flüchten musste, verließ er nur ungern Kanaan und hoffte immer noch, dorthin zurückzukehren. Ja’akow zog zuerst zu Ewer, dem Sohne Sems, in dessen Lehrhaus er 14 Jahre mit dem Studium der Torah verbrachte (b. Meg. 17a).

Die Flucht Ja’akows wird vielfach mit Wundererzählungen ausgeschmückt. Auf der Flucht spaltete er mit seinem Stab den Jordan. Als er den Ort Bet El bereits passiert hatte und dorthin zurückkehren wollte, um zu beten, schrumpfte das Land für ihn zusammen (Ketzat haderech), damit er nicht noch einmal einen so weiten Weg zurücklegen müsste (Chullin 91b). Ja’akows Leben war voll von Leiden, andererseits habe er — nach dem Midrasch — das Zerwürfnis Josefs mit seinen Brüdern selbst heraufbeschworen.
Die Sage lässt Ja’akow ahnen, dass der von seinen Brüdern verkaufte Josef am Leben sei. Er versucht durch verschiedene Zeichen dies festzustellen. Es war auch bestimmt, dass Ja’akow in Fesseln nach Ägypten geführt werde, aber sein Verdienst habe ihn davon gerettet, und er wurde durch Josef in Ehren dorthin gebracht (Schabbat 89b).
Ja’akow lebte in hohem Ansehen in Ägypten, doch wollte er dort nicht begraben werden, damit die Ägypter seinem Leichnam nicht göttliche Ehre zuteilwerden ließen. Er wollte auch nicht in der unreinen Erde Ägyptens liegen. Als Ja’akow in der Höhle Machpela begraben werden sollte, wollte Esaw (Esau) die Beerdigung verhindern und wurde damals von den Söhnen Ja’akows getötet (Sota 13a). Wie es bis zur Zeit Abrahams kein Altern gab, so gab es auch bis zur Zeit Ja’akows keine Krankheit (Baba Metzia 87a). Am Sterbebette wollte Ja’akow die messianische Zukunft verkünden, doch wurde ihm dies von Gott verwehrt und die prophetische Seherkraft entzogen. Es heißt auch, Ja’akow sei nicht gestorben (Taanit 5 b). Der Jezer hara habe über ihn keine Gewalt gehabt, und er habe schon auf Erden den Vorgeschmack des künftigen Lebens gekostet (Baba Batra 17a).

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Rabbiner Dr. Alexander Kristianpoller. Geboren 1884 in Lanowce, stammte aus einer Rabbinerfamilie, studierte in Wien und ging dann als Rabbiner nach Linz und Wien. Nach dem deutschen Einmarsch in Österreich wurde ihm ein Visum für die USA verwehrt. Am 18. September 1942 wurde er in Maly Trostinec bei Minsk umgebracht.