Midrasch

Jitzchak im Midrasch

Jitzchak (oder Isaak) im Midrasch: Im Anschluss an die Bibel schreibt der Midrasch Jitzchak im allgemeinen eine mehr passive Rolle zu, sucht aber seine Persönlichkeit besonders hervorzuheben.
Jitzchak sei Abraham und Jakob gleichwertig (Ber. R. 1,15).
Es waren Stimmen laut, dass Jitzchak nicht der Sohn Saras sei, sondern nur ein Findling, der Sohn einer Sklavin. Sara sucht das Gegenteil zu beweisen, indem sie nach einem von Abraham veranstalteten Mahle auch fremde Kinder stillt und so zeigt, dass sie wirklich Mutter geworden se Jitzchak Auch Abrahams Vaterschaft wird angezweifelt, aber die Ähnlichkeit Jitzchaks mit Abraham zeigt allen, dass Abraham der Vater ist.
Jitzchak führt diesen Namen als Abkürzung für jaza chok = etwa »das Gesetz der Tora (n. A. der Beschneidung) ist ergangen«.
Jitzchak soll auch das erste Kind gewesen sein, das in einer Wiege lag. Jitzchak ist im Monat Nissan (am Pessach) geboren (Rosch haSchanah 11a). Im selben Monat sollte er geopfert werden (Schemot Rabbah 15,7); im gleichen Monat ist auch später das Stiftszelt aufgestellt worden (Tanchuma, Pekude 11). Ismael musste vertrieben werden, um auf Jitzchak keinen schlechten Einfluss auszuüben.
Besonders ausführlich wird im Talmud und Midrasch Jitzchaks Opferung (Akeda) behandelt.
Vereinzelt tritt das Bestreben hervor, ihn als handelnde Person hinzustellen. Jitzchak habe selbst die Opferung verlangt, um zu zeigen, dass er seinem Stiefbruder Ismael an Opferwilligkeit gegenüber Gott nicht nachstehe (b. Sanh. 89b; Ber. R. 55,4).

Der Satan versuchte Jitzchak wie den Abraham vom Gottesgehorsam abzubringen, doch ohne Erfolg. Jitzchak bat darum, ihn festzubinden, damit er nicht beim Anblick des Messers schwach werde und fliehe. Als Abraham aber das Messer hob, schrie Jitzchak auf und wurde ohnmächtig, darauf beteten die Engel für ihn und retteten ihn; ihre Tränen aber fielen in Jitzchaks Augen, und davon wurde er blind. Jitzchaks Blindheit wird im Midrasch auch noch anders begründet. Als Strafe dafür, dass er Esaw (Esau) bevorzugte oder als Folge von Jitzchaks Gram über Esaus heidnische Frauen oder als Folge davon, dass er auf dem Altare Gottes Herrlichkeit sah, oder auch weil Gott Jitzchak ans Haus fesseln wollte, damit die Leute nicht hinter ihm her redeten: Das ist der Vater des Frevlers Esaw (Ber. R. 56, 8 und 65, 10).
Jitzchak war bei der Akeda 37 Jahre alt. Das Gebot des Schofarblasens am Neujahrsfest wird auf sie zurückgeführt, ebenso das in der talmudischen Zeit an Fasttagen übliche Auflegen von Asche auf den Kopf, beide sollen an den für Jitzchak geopferten und zu Asche verbrannten Widder, also indirekt an den Willen Jitzchaks, sich selbst zu opfern, erinnern.
— Im Koran (vgl. die Kommentare zu Sure 37) wird zwar Jitzchak genannt, es ist aber fast die allgemeine moslemische Annahme, dass nicht Jitzchak sondern Ismael geopfert wurde.
— So wie Abraham, ist auch Jitzchak der Prototyp des von ihm abstammenden Volkes. Die von ihm gegrabenen Brunnen entsprechen den fünf Büchern der Tora oder den Feldabzeichen des jüdischen Volkes (Ber. R. 64, 8). Jitzchak war wenig wanderlustig. Als ein Gott geweihtes Opfer durfte er Palästina nicht verlassen (Ber. R. 64, 8).
Jitzchaks Name wird im Achtzehn-Gebet erwähnt (Pessachim 117b); er führte das Minchagehet ein (Berachot 26b).
Jitzchaks Frömmigkeit wird besonders hervorgehoben und sein Gehorsam gegen Gott wird gelobt (Menachot 53a). Er befolgt die Gesetze Gottes und, ähnlich wie Abraham den Zehnten, gab Jitzchak die Priester-Hebe (Teruma, Pessachim R. 25, S. 127b). Jitzchak verlangte und erhielt als erster unter dem Menschengeschlecht Züchtigungen zur Läuterung. Er starb im Monat Tischri und wurde in der Höhle Machpela begraben. Er wird zu den sechs Frommen gerechnet, über die der Todesengel keine Gewalt hatte.
Wie über Abraham und Jakob hatte auch über ihn der böse Trieb keine Macht und er kostete schon hienieden den Vorgeschmack der zukünftigen Welt (Baba Batra 17a).
Im Sohar (vgl. Gen. 21 u. 22) erscheint Jitzchak als Symbol des Prinzips der »Gewura« (Middat ha-din) des Gerichtes.
Der Talmud scheint jedoch gegenteiliger Meinung zu sein, denn in einer Erklärung zu Jes. 63,16: »Du bist ja unser Vater, denn Abraham weiß nichts von uns und Israel kennt uns nicht« lässt er Jitzchak als den gefühlvollsten und von tiefstem Empfinden für seine Nachkommen beseelten unter den Erzvätern erscheinen.

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Rabbiner Dr. Alexander Kristianpoller. Geboren 1884 in Lanowce, stammte aus einer Rabbinerfamilie, studierte in Wien und ging dann als Rabbiner nach Linz und Wien. Nach dem deutschen Einmarsch in Österreich wurde ihm ein Visum für die USA verwehrt. Am 18. September 1942 wurde er in Maly Trostinec bei Minsk umgebracht.