Midrasch

Josef im Midrasch

Jakobs allzu große Liebe zu Josef war die Ursache von Josefs Leiden. Josef gilt als Prototyp eines gerechten Mannes, und seine Geschicke ähneln denen seines Vaters. Sein Verkauf und seine Verschleppung nach Ägypten sind im Midrasch noch mehr aber im Sefer hajaschar reichlich mit Sagen ausgeschmückt.
Als Josef in der Grube, in die ihn seine Brüder gestoßen hatten, nackt lag, kam der Engel Gabriel (oder Rafael) und verwandelte das Amulett, das Josef am Halse trug, in Kleider, damit er vor den Händlern nicht nackt erschiene.
Josef fühlte sich in Ägypten, im Hause des Potifar, sehr wohl und vergaß bald seine Heimat; als Strafe hierfür wurde er von der Frau des Potifar verleumdet und verfolgt. Potifar war schon im Begriffe, Josef zu töten, da begann wunderbarerweise seine Pflegetochter, ein elf Monate altes Kind — Josefs spätere Frau —, zu sprechen und enthüllte Potifar die ganze Wahrheit.
Als Josef später vor Pharao gerufen wurde, erschien im Gefängnis wiederum der Engel Gabriel und brachte ihm die Kenntnis der 70 Sprachen bei, die ihm zur Erlangung seiner künftigen Größe unentbehrlich war. Auch als Vizekönig von Ägypten war Josef der Religion seiner Väter treu geblieben.
Josefs Heirat mit Assenat (Gen. 41,45) wird im Midrasch auf verschiedene Weise erklärt. Als er starb, versenkten die Ägypter ihn in einem metallenen Sarg in den Nil, damit niemand ihn finden sollte; nach einer anderen Sage wurde er in den Königsgräbern bestattet. Beim Auszug aus Ägypten sollten seinem Wunsche gemäß seine Gebeine von den Josef nach Palästina mitgenommen werden.
Mosche (Moses) erfuhr von der noch lebenden Tochter des Ascher Josefs Grabstätte, schrieb den Gottesnamen (bzw. die Worte: »Komm herauf, Stier« , mit Anspielung auf den Segen Moses, Deut. 33, 17) auf eine goldene Platte und warf sie ins Wasser, worauf der Sarg Josefs an die Oberfläche kam.
Im Koran wird der Geschichte Josefs die 12. Sure gewidmet; die mohammedanischen Erzählungen über Josef stimmen mit den Sagen im Midrasch vielfach überein.

Kategorie: Midrasch

von

Rabbiner Dr. Alexander Kristianpoller. Geboren 1884 in Lanowce, stammte aus einer Rabbinerfamilie, studierte in Wien und ging dann als Rabbiner nach Linz und Wien. Nach dem deutschen Einmarsch in Österreich wurde ihm ein Visum für die USA verwehrt. Am 18. September 1942 wurde er in Maly Trostinec bei Minsk umgebracht.